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Etappe 1: Analyse & Konzept

In der Etappe 1 haben die Beteiligten die Ausgangslage analysiert und das Konzept erarbeitet. Sie identifizierten die Stärken und Schwächen des heutigen Verkehrssystems, definierten die gemeinsamen Ziele, die Massnahmen und das geplante Vorgehen.

Durch eine Stärken- und Schwächenanalyse konnten die Beteiligten herausfinden, wo die Chancen liegen und welche Herausforderungen noch zu bewältigen sind. Die Analyse zeigt: Der Raum Aarau ist sowohl für den MIV als auch für den öV gut an das übergeordnete Netz angebunden.

Chancen und Herausforderungen

Insbesondere die Stadt Aarau ist gut mit dem öV erschlossen. Die kurzen Wege eignen sich optimal für den Fuss- und Veloverkehr. In vielen Quartieren gelten bereits Tempolimiten, was der Siedlungsqualität und der Sicherheit zugute kommt. Chancen und Herausforderungen zeigen sich in folgenden Bereichen:

Im Veloverkehr hat es noch Potenzial

  • Velowege sind unattraktiv oder fehlen.

Im Fussverkehr hat es noch Potenzial

  • Fusswege entlang von Hauptstrassen werden aufgrund mangelnder Aufenthaltsqualität teilweise nicht genutzt.
  • öV-Haltestellen sind nicht immer gut zu Fuss oder per Velo erreichbar.

Im öV hat es noch Potenzial

  • Es kommt immer wieder zu Verspätungen im Busnetz.
  • Bestehende und künftige Arbeitsstandorte sowie Wohngebiete sind nicht optimal erschlossen.
  • Der öV-Takt ausserhalb der Stosszeiten, am Wochenende und in einzelnen städtischen Gebieten ist zu wenig dicht.
  • Die Umsteigezeiten zwischen Bus- und Schienenregionalverkehr am Bahnhof Aarau sind zu lang.

Der MIV führt zu hoher Belastung

  • Der hohe Quell-/Zielverkehr im Regionalzentrum Aarau führt zu überlasteten Knoten und Strecken, der Verkehr weicht auf Quartierstrassen aus.
  • Die Region Niederamt hat keinen leistungsfähigen Zubringer zur Autobahn.
  • Die Hauptverkehrsachsen insbesondere im Siedlungsgebiet von Aarau, Buchs, Erlinsbach, Kölliken, Oberentfelden und Suhr sind hauptsächlich auf den MIV ausgelegt. Sie berücksichtigen die Bedürfnisse der Anwohnenden, des Gewerbs sowie des Fuss- und Veloverkehrs zu wenig.

Die Verkehrslenkung ist nicht umfassend genug

  • Die Abstimmung Siedlung, Landschaft und Verkehr ist mangelhaft oder erfolgt oft zu spät. Teilweise werden Siedlung und Verkehr separat statt miteinander geplant, was aufwändige Nachbesserungen zur Folge haben kann.
  • Es werden wenig Massnahmen ergriffen beziehungsweise konsequent umgesetzt, um den Verkehr aktiv zu lenken (zum Beispiel Parkierung, Mobilitätsmanagement).

Diese Herausforderungen werden durch die prognostizierte Verkehrszunahme noch verstärkt.

Erwartete Entwicklung

Im kantonalen Verkehrsmodell (KVM-AG) ist die erwartete Zunahme der Bevölkerung und Arbeitsplätze gemäss kantonalem Richtplan hinterlegt. Mit Hilfe des Modells wurde abgeschätzt, wie sich der Verkehr in der Region Aarau bis 2040 entwickeln könnte. Im Kanton Aargau wird bis 2040 mit einer Zunahme der Bevölkerung von 23 Prozent und einer Zunahme der Arbeitsplätze von 13 Prozent gerechnet (diese Entwicklungszahlen unterscheiden sich jedoch von Gemeinde zu Gemeinde stark). In der Folge nimmt die Anzahl zurückgelegter Wege von 2015 bis 2040 um rund 25 Prozent zu. Vor allem der Einkaufs- und Freizeitverkehr wächst.

Ziele

Gemeinsam haben sich Kanton, Regionalplanungsverband, Stadt und Gemeinden auf folgende Ziele geeinigt:

  • Förderung von Fuss-, Velo- und öffentlichem Verkehr. Ziel: Diese drei Verkehrsmittel sollen insgesamt drei Viertel der zusätzlichen Mobilitätsnachfrage bewältigen, die bis 2040 erwartet wird.
  • Die Zunahme von Fahrten im MIV möglichst tief halten, um das bestehende Strassennetz nicht stärker zu belasten. Ziel: Der Anstieg soll bis 2040 nur 25 Prozent des erwarteten Anteils betragen.
  • Um die Zunahme von Fahrten im MIV möglichst tief zu halten, gilt es primär
    • die Anzahl der MIV-Fahrten innerhalb der Gemeinden (Binnenverkehr Gemeinden) gegenüber heute zu senken.
    • die Anzahl der MIV-Fahrten, die von der Stadt Aarau starten und ausserhalb enden beziehungsweise ausserhalb starten und in der Stadt enden (Quell-/Zielverkehr Stadt Aarau) gegenüber heute zu senken.
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Grafik: EBP Schweiz AG

Die erwartete Verkehrszunahme soll vom MIV auf den öV und FVV verlagert werden.

Grafik: EBP Schweiz AG

Mit dieser angestrebten Entwicklung werden die relevanten Kreuzungen im Zentrum Aarau nicht stärker belastet und die festgestellten Schwachstellen ausserhalb von Aarau verschärfen sich nicht.

Etappierung als effizienter Weg zum Ziel

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Grafik: EBP Schweiz AG

Das etappenweise Vorgehen des Gesamtverkehrskonzeptes Region Aarau im Detail: Etappe 1: Analyse und Konzept, Etappe 2: Massnahmen inklusive regelmässiger Erfolgskontrolle. Danach folgt eine Überprüfung, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden. Lautet die Antwort «ja», hat der Kanton seine Ziele erreicht, ohne neue Infrastrukturen bereitstellen zu müssen. Lautet die Antwort «nein», geht der Prozess weiter mit Etappe 3: Weitere Optionen, inklusive einer Prüfung von neuen Infrastruktur-Massnahmen zur Kapazitätsverlagerung. Die Ziele wären dann dank weiterer Massnahmen und neuen Infrastrukturen erreicht.

Um die angestrebten Ziele zu erreichen, haben sich die Beteiligten auf ein Vorgehen in zwei weiteren Etappen verständigt:

  • In Etappe 2 werden die in Etappe 1 ermittelten Massnahmen zur effizienteren Nutzung der bestehenden Strasseninfrastruktur, zur Lenkung und Steuerung der Mobilitätsnachfrage sowie zur Förderung des Fuss-/Veloverkehrs und öV geplant und umgesetzt.
  • Die Etappe 3 wird ausgelöst, wenn die Massnahmen der Etappe 2 nicht ausreichen. Sie umfasst weitergehende Massnahmen, zu denen auch Netzergänzungen gehören können. Sie können auf wichtigen Achsen zu einer Kapazitätsverlagerung des MIV führen und so den Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr attraktiver, sicherer und zuverlässiger machen sowie einen positiven Beitrag zum Siedlungsbild leisten.

In der Etappe 2 soll das Potenzial des bestehenden Verkehrsangebots mit wirksamen und rasch umsetzbaren Massnahmen maximal ausgeschöpft werden. Zudem entstehen neue Angebote im öV, Fuss- und Veloverkehr. Die Wirksamkeit der in Etappe 2 umgesetzten Massnahmen wird regelmässig ermittelt. Zeigt diese Beobachtung, dass die Verkehrssituation damit nicht ausreichend verbessert werden kann, besteht weiterhin die Möglichkeit mit der Etappe 3 den Planungsprozess für weitergehende Massnahmen auszulösen. Diese können auch eine Anpassung oder Ergänzung der (Strassen-)Infrastruktur umfassen. Da steigende Anforderungen aus Sicht Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu immer längeren Planungsprozessen führen, ergibt sich hier erst mittel- bis langfristig ein Lösungsbeitrag. Parallel sollen auch in der Etappe 3 weitere Massnahmen im Bereich der besseren und effizienten Nutzung des Verkehrsangebots geprüft und umgesetzt werden.

Die Etappierung ermöglicht ein effizientes Vorgehen: Erst wenn die Wirkungen der Massnahmen aus der Etappe 2 bekannt sind, wird über weitere Schritte entschieden. Zu diesem Zeitpunkt können auch ein allfällig verändertes Mobilitätsverhalten sowie neue Mobilitätsformen und Technologien besser berücksichtigt werden (Automatisierung, Sharing, on-demand-Verkehr).

Sorgfältige Planung mit Blick auf die Vergangenheit und in die Zukunft

In das Gesamtverkehrskonzept Region Aarau sind zahlreiche Grundlagen eingeflossen. Als Basis dienten etwa die "Netzstrategie für den MIV in der Region Aarau" (2013), die kantonale Mobilitätsstrategie "mobilitätAARGAU" (2016), die Raumentwicklungsleitbilder (REL) der Gemeinden, kommunale Gesamtpläne Verkehr (KGV), Regionalentwicklungskonzepte, das Agglomerationsprogramm "AareLand 4. Generation", die Nummernschilderhebung der Region Aarau, das Konzept "Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr (VERAS)" sowie das Verkehrsmanagement (VM) Region Aarau. Neben diesen bereits bestehenden oder gerade entstehenden Grundlagen legte das Projektteam viel Wert darauf, die künftige Entwicklung der Region einzubeziehen, um Lösungen zu entwickeln, die auch in zwanzig Jahren noch funktionieren. Dabei betrachtete es nicht nur das Thema Verkehr, sondern auch die Siedlungsqualität sowie klimatische Aspekte.