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Wallbach-Rheinstrasse: Ein römischer Wachturm und seine Umgebung

Im Umfeld des bereits bekannten römischen Wachturms in Wallbach gräbt die Kantonsarchäologie im Vorfeld eines Bauvorhabens. Denn ob es ein Verteidigungssystem wie einen Wehrgraben gab, ist bisher unbekannt. Doch das Grabungsteam stiess auf ganz andere Spuren.

Karte mit Rheinverlauf und den drei Wachtürmen in Wallbach. Bild vergrössern
Die drei bekannten römischen Wachtürme am Rhein in Wallbach. Karte: Kantonsarchäologie Aargau

Schon seit dem vergangenen Jahrhundert ist in Wallbach an der Rheinstrasse, im Keller des sog. "Businger Hauses", ein römischer Wachturm aktenkundig. Er gehörte zur Reihe der Befestigungsanlagen, die von Kaiser Valentinian (364−375 n. Chr.) zur Überwachung der Grenze errichtet worden waren. Wie die Umgebung beim Wachturm jedoch aussah, und ob er Wehrgräben oder andere Verteidigungsanlagen besass, war unbekannt. Unklar war auch, ob zwei in dessen Nähe entdeckte frühmittelalterliche Gräber isoliert waren oder zu einer Gruppe gehörten.

Sondierungen − Der erste Schritt zu archäologischen Erkenntnissen

Die Fragen zur Umgebung des Wachturmes wollte die Kantonsarchäologie im Vorfeld eines Bauvorhabens im benachbarten Grundstück beantworten. Zunächst klärte man 2018 mittels zwei Sondierungen ab, ob überhaupt ein Graben vorhanden war. Es wurden zwei unterschiedlich orientierte Gräben oder Gruben angeschnitten, ihre Funktion war nicht eindeutig zu klären. Gräber wurden hingegen nicht erfasst.

Zwei Wochen vor Aushubbeginn begannen im April 2019 die Ausgrabungen. Ob es sich bei den Gruben tatsächlich um einen Wehrgraben handelte, klärte sich rasch.

Die Reste des hochmittelalterlichen Wallbach

Ausgehobene Gruben der Grubenhäuser oder Keller. Bild vergrössern
Die Gruben oder Keller sind in den Boden eingetieft. Foto: Kantonsarchäologie Aargau; © Kanton Aargau

Die vermeintlich römischen Wehrgräben haben sich als hochmittelalterliche Grubenhäuser oder Keller entpuppt. Insgesamt konnten drei solche Strukturen festgestellt werden. Sie sind 20 bis 80 cm in den Boden eingetieft. Nun untersucht die Kantonsarchäologie, ob Hinweise auf ihre Konstruktion und auf ihre Funktion fassbar sind. Obwohl kaum Fundmaterial in diesen Strukturen erhalten ist, konnten sie dank einem datierbaren Keramikfragment − der Rand eines in der Zeit um 1200 gängigen Topfes − zeitlich eingeordnet werden.

Ein frühneuzeitlicher Keller

Ein weiterer Keller, aber aus der jüngeren Vergangenheit von Wallbach, ist noch ein halber Meter tief. Er ist mit Brandschutt verfüllt, der uns etwas über die Ausstattung des ehemals darüber stehenden Hauses verrät. Dies dürfte vorwiegend aus Holz bestanden haben und mit einem Kachelofen mit grünglasierten und mit geometrischen Mustern verzierten Kacheln ausgestattet gewesen sein. Der Kachelofen dürfte aus dem 16./17. Jahrhundert stammen. Einzelne Kacheln aus dem Brandschutt sind vermutlich sogar noch älter. So wie eine Gürtelschnalle, die ebenfalls aus dem Brandschutt stammt, und in das 15. Jahrhundert zu datieren ist. Näheres über die Entstehung- und Aufgabezeit dieses Baus können einige daraus stammende Münzen liefern − aber erst nachdem das Restaurierungsteam der Kantonsarchäologie sie gereinigt haben wird.

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