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Zofingen: Obere Badestube

Bei Bauarbeiten in der Zofinger Altstadt entdeckte man die Grundmauern des 1545 errichteten Oberen Badehauses. Die Kantonsarchäologie grub im Oktober 2018 die Überreste aus.

Bei den Sanierungsarbeiten am Platz unterhalb des Pulverturms in der Zofinger Altstadt sind im Oktober 2018 die Grundmauern eines mittelalterlichen Gebäudes zum Vorschein gekommen: es handelt sich dabei um das "Obere Badehaus". Dieses ist seit 1364 historisch überliefert. Es wurde 1545 neu errichtet mit einem „nüw gemureten hus“. Aus Platzgründen wurde das Badehaus vor 1880 abgerissen.

Ein Team der Kantonsarchäologie legte die Überreste sorgfältig frei und dokumentierte sie.

Badestuben: gemeinschaftliches Baden im Mittelalter

Freigelegter Grabungsbefund des mittelalterlichen Badehauses. Im Hintergrund der Pulverturm. Bild vergrössern
Foto Kantonsarchäologie Aargau; © Kanton Aargau

Badestuben dienten in erster Linie der körperlichen Hygiene. Es wurden aber auch einfache medizinische Anwendungen, wie zum Beispiel das Schröpfen verrichtet. Oft wurden Badestuben aber auch als Waschhäuser genutzt, so wurden sie in der Regel durch fliessende Gewässer alimentiert. In Zofingen war dies der Stadtbach. Badehäuser waren schliesslich auch − so berichten zeitgenössische Quellen − Orte des Zusammenkommens und des Austausches, ähnlich den Wirtshäusern.

Neben dem Waschhaus am Thutplatz von 1799 gab es im 17. Jahrhundert auch noch die "Untere Badestube". Sie wurde 1630 hinter dem heutigen Restaurant Asian Garden errichtet.

Das letzte Zofinger Volksbad befand sich in der Stadtsaalturnhalle und wurde bis Anfangs der 1970er Jahre geführt. Im Jahr 1965 wurden tatsächlich noch 2790 Duschen und 1975 Wannenbäder in Anspruch genommen.

Badestube von nationaler Bedeutung

Obwohl das Baden oder Waschen in öffentlichen Badehäusern bis weit ins 20. Jahrhundert zum städtischen Alltag gehörte, sind nur eine Handvoll davon archäologisch untersucht. Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz ist es je eines in Chur, Malans, Winterthur, Willisau und Zürich. Viele andere sind nur aus schriftlichen Quellen bekannt. Die obere Badestube in Zofingen ist entsprechend ein archäologischer Befund von nationaler Bedeutung und kann das Bild des mittelalterlichen und neuzeitlichen öffentlichen Badewesens ergänzen.

Initiative zur Erhaltung des Bades

Eine Motion der Zofinger Grünen im Oktober 2018 verlangte, dass das Obere Badehaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sei. Die Fundstelle solle in geeigneter Weise sichtbar gemacht werden.

Auf Bitte des Zofinger Stadtrats arbeitete die Kantonsarchäologie deshalb mehrere Varianten zur Vermittlung der Fundstelle aus.

Variante 1a

  • Wiedereindecken der Ruine
  • Vermittlung über Infotafeln
  • Kosten: rund 5'000 Franken
  • Unterhalt und Betrieb: rund 1'000 Franken pro Jahr

Variante 1b

  • Wiedereindecken der Ruine
  • Vermittlung über Infotafeln und virtuelle Rekonstruktion
  • Kosten: rund 25'000 Franken
  • Unterhalt und Betrieb: rund 1'500 Franken pro Jah

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Variante 1c

  • Wiedereindecken der Ruine
  • Vermittlung über Infotafeln und virtuelle Rekonstruktion
  • Markierung des Grundrisses im Hartbelag
  • Kosten: rund 50'000 Franken
  • Unterhalt und Betrieb: rund 1'500 Franken pro Jahr

Variante 2

  • Teilaufdeckung und Teilkonservierung der Ruine
  • Markierung des Grundrisses im Hartbelag
  • archäologisches Bodenfenster mit Panzerglasabdeckung (evtl. Pyramide)
  • Kosten: rund 350'000 Franken
  • Unterhalt und Betrieb: rund 10'000 Franken pro Jahr

Variante 3

  • Vollständige Aufdeckung und Konservierung der Ruine
  • begehbarer Schutzbau
  • Kosten: rund 1 Mio. Franken
  • Unterhalt und Betrieb: rund 20'000 Franken pro Jahr

Wie es weiter geht

Der Stadtrat beabsichtigt die Umsetzung der Variante 1c der Kantonsarchäologie.

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