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Fokusthema Kreislaufwirtschaft: "Nachhaltigkeit darf kein Luxus für wenige sein und sie darf kein Nischenprodukt bleiben."

Der Lebenszyklus vieler Produkte ist sehr kurz. Dadurch entstehen grosse Mengen an Abfall, die wiederum hohe Kosten verursachen. Hier möchte IKEA ansetzen und Produkten ein zweites Leben geben. Im Rahmen unseres Fokusthemas Kreislaufwirtschaft im Aargau haben wir mit IKEA Schweiz ein Interview geführt. Das Unternehmen zeigt die Entwicklung seiner Ressourcennutzung auf und führt aus, wie es sich bis 2030 mit Circular Hubs in Richtung Kreislaufwirtschaft bewegen möchte. Durch die Wiederverwertung der Produkte trägt es zur Förderung des Wirtschaftskreislaufes bei und erläutert, wie Kunden und Kundinnen oder Unternehmen ihren Teil dazu beitragen können.

Ihre Vision lautet: „Den vielen Menschen einen besseren Alltag schaffen“ – Können Sie uns erklären, was das für IKEA bedeutet?

IKEA: Wir wollen ein breites Sortiment formschöner und funktionsgerechter Einrichtungsgegenstände zu Preisen anbieten, die so günstig sind, dass möglichst viele Menschen sich ein schönes Zuhause leisten können.
Unsere Vision geht aber über die Einrichtung hinaus: Wir möchten, dass unser Geschäft eine positive Wirkung auf die Welt hat – auf unsere Kundschaft, aber auch auf unsere Mitarbeitenden und alle Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten.

Sie nutzen Ressourcen im Einklang mit dem Planeten. Können Sie uns Beispiele geben?

IKEA: Wir haben schon vieles dafür getan, nachhaltigere Materialien zu beschaffen. Seit 2015 stammen 100% unserer Baumwolle, Fisch und Meeresfrüchte aus zertifiziert nachhaltigeren Quellen (BCI+, MSC, ASC).

Welche Vorteile bringt es IKEA, auf Kreislaufwirtschaft zu setzen?

IKEA: IKEA ist als Unternehmen auf natürliche Ressourcen angewiesen, zum Beispiel auf Holz, Baumwolle und Nahrungsmittel. Wenn wir diese Ressourcen nachhaltig und intelligent einsetzen können, sichern wir damit auch die Zukunft unseres Geschäfts. Wir setzen daher unter anderem auf Wiederverwendbarkeit und recycelte Materialien, um die Nutzungsdauer von Einrichtungsgegenständen zu maximieren und Abfälle möglichst zu minimieren. Wo Abfälle reduziert werden, werden auch Kosten gespart – das ist fest in der DNA von IKEA verankert. Darüber hinaus spüren wir das Kundenbedürfnis nach hochwertigen Second Hand-Waren. Das bedeutet, dass Produkte ein zweites Leben erhalten, anstatt wegeworfen zu werden.

Wie überzeugen Sie Kritiker, die Ihre Anstrengungen skeptisch sehen?

IKEA: Es ist uns bewusst, dass wir als Unternehmen eine wichtige Rolle bei dieser Thematik spielen. Daher wollen wir Lösungen anbieten. Auch wenn wir heute noch nicht alle Antworten auf viele Fragen kennen, ist für uns klar, dass wir fortlaufend an nachhaltigeren Angeboten arbeiten werden. Wir haben keine zweite Erde und daher sind wir alle angehalten, unseren Planeten zu wahren. Wir als IKEA können einen grossen Beitrag leisten, wenn wir erreichen, dass Nachhaltigkeit für viele erschwinglich wird.

Wie verlängert IKEA die Lebensdauer ihrer Produkte?

IKEA: Hierzu geben wir Ihnen gerne ein Beispiel: Ausgehend von der Überzeugung, dass Produkte und Materialien viel länger halten können, arbeiten IKEA und das niederländische Denim-Unternehmen MUD Jeans zusammen, um recyceltem Jeansstoff ein neues Leben in Form von KLIPPAN Sofabezügen zu geben. Das KLIPPAN Sofa ist ein Klassiker von IKEA. Indem wir neue Sofabezüge aus recycelten Materialien anbieten, geben wir unseren Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, ihrem Sofa einen neuen Look zu verleihen und gleichzeitig gebrauchte Materialien wiederzuverwenden. Jeder neue KLIPPAN Sofabezug besteht zu 40% aus recyceltem Denim, was etwa zwei alten Jeans entspricht. Im Vergleich zum üblichen Herstellungsverfahren für Jeansstoff spart jeder mit diesem recycelten Material hergestellte Sofabezug 27 000 Liter Wasser und reduziert den CO2-Fussabdruck um 67%.
Generell passen wir das Design aller Produkte bis 2030 so an, damit sie etwa vielseitiger einsetzbar und einfacher zerlegbar sind. Zudem werden wir unseren Second Hand Service weiter ausbauen und vermehrt unsere Kunden darin unterstützen, alte Möbel zu reparieren.

Ein IKEA-Klassiker mit recycletem Bezug

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Was können Ihre Kundinnen und Kunden zu diesem Thema beitragen?

IKEA: Auch unsere Kundschaft kann einen Beitrag leisten: Etwa wenn Einrichtungsgegenstände ausgedient haben oder nicht länger gefallen, aber noch in gutem Zustand sind, können sie in unsere Einrichtungshäuser zurückgebracht werden. Wir kaufen sie dann wieder ab und sorgen dafür, dass sie ein zweites Leben erhalten. Zudem bieten wir Services und Tipps an, wie Möbel und Einrichtung länger gut aussehen und ihre Funktionalität bewahren können. So können unsere Kundinnen und Kunden mit wenigen Mitteln dazu beitragen, dass weniger Abfälle entstehen und die Ressourcen gewissenhafter genutzt werden.

Wie überprüfen Sie die Einhaltung Ihres Recyclingprozesses?

IKEA: Wir arbeiten eng mit unseren lokalen Recycling-Partnern zusammen und versuchen unsere Recyclingquote von aktuell 86% laufend zu verbessern. Jeden Monat erhalten wir einen detaillierten Bericht mit allen recycelten Materialien und geben diese Daten in unser zentrales Monitoringsystem ein. Wie für alle unsere Partner gilt auch hierbei IKEA iWay, unser Verhaltenskodex für Lieferanten. Er ist ein Wegbereiter für unsere Nachhaltigkeits- sowie für unsere Beschaffungsstrategie, und er legt eine gemeinsame Verpflichtung zu sozialer und ökologischer Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette fest.

Welche Chancen oder Gefahren sehen Sie für ein Unternehmen wie IKEA, das auf stetiges Wachstum setzt?

IKEA: Unser Ziel ist es, bis 2030 klimapositiv zu werden und Ressourcen zu regenerieren, während wir weiterhin unsere Geschäfte ausbauen. Wir denken, dass diese beiden Ziele Hand in Hand gehen müssen. Wir können langfristig nur weiterwachsen, wenn wir nachhaltig agieren, und dies bedeutet für uns Chance und Herausforderung zugleich. Je mehr Menschen wir erreichen, desto mehr Leben können wir verbessern. Genau das ist die People & Planet Positive Strategie von IKEA. Nachhaltigkeit darf kein Luxus für wenige sein und sie darf kein Nischenprodukt bleiben. Sie muss für jeden zugänglich und bezahlbar sein. Kleine Veränderungen oder Effizienzsteigerungen bei unseren Produkten können zu grossen, positiven Auswirkungen für den Planeten führen. Zum Beispiel hat die Entscheidung von IKEA, nur noch LED-Glühbirnen zu verkaufen, einen enormen Energiespareffekt. Teil unserer Rolle ist es, unsere Grösse, Kreativität, Innovation und unser Wissen zu nutzen, um ein Partner für eine positive Veränderung zu sein.

Wie wird IKEA das Thema Kreislaufwirtschaft in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

IKEA: Bis zum Jahr 2030 haben wir insgesamt drei übergeordnete Ziele definiert:

  • Unserer Kundschaft ermöglichen, Produkten ein zweites Leben zu schenken, sie zu reparieren oder flexibel einzusetzen, anstatt sie wegzuwerfen.
  • Das Design aller Produkte gemäss unseren 10 Kreislaufprinzipien anpassen.
  • Nur erneuerbare und recycelte Materialien verwenden.

Die Entwicklung von einem linearen hin zu einem zirkulären Geschäftsmodell hat für uns eine ganz hohe Priorität. Aktuell lancieren wir die sogenannten Circular Hubs in unseren Einrichtungshäusern in der Schweiz. Kundinnen und Kunden finden in den Circular Hubs Produkte, die ein zweites Leben bekommen sowie zusätzliche Services und Tipps für ein nachhaltigeres Leben. Wir wollen sie dazu animieren, nachhaltigere Entscheidungen in ihrem täglichen Leben zu treffen, sowie Ideen und Inspiration geben, was aus gebrauchten Produkten entstehen kann, damit die Freude daran noch länger währt.

(Blogbeitrag vom 30. Juni 2021)

Anja Borchart, Projektleiterin Standortmaketing

Anja Borchart
Projektleiterin Standortmarketing

Telefon direkt: +41 62 835 24 49

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