DSI-WEG001 Kirchgasse, Röm.- kath. Pfarrkirche, 1741 (Dossier (Denkmalschutzinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:DSI-WEG001
Signatur Archivplan:WEG001
Titel:Kirchgasse, Röm.- kath. Pfarrkirche
Bezirk:Rheinfelden
Gemeinde:Wegenstetten
Adresse:Kirchgasse, Winkel
Versicherungs-Nr.:113 A
Parzellen-Nr.:272
Grundbuch-Nr.:IR 2224
Koordinate E:2637444
Koordinate N:1261011
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2637444&y=1261011

Typologie

Nutzung (Stufe 1):Sakrale Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Kirche (röm.-kath.)

Schutz / Status

Unterschutzstellung Bund:9/14/1989
Kantonale Unterschutzstellung (DSI):12/13/1963
Kantonaler Schutzumfang:Integral

Dokumentation

Entstehungszeitraum:1741
Bau- und Nutzungsgeschichte:Grabungen haben ergeben, dass an der Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Michael ein achsengleicher rechteckiger Vorläuferbau bestanden hat, der möglicherweise vor der Jahrtausendwende entstanden ist. Der spätestens im Hochmittelalter entstandene Bau blieb vermutlich so lange unangetastet in Funktion, bis das Mauerwerk des aktuellen Kirchenschiffs 1741 in ganzer Höhe fertig errichtet war. Der 1487 datierte, der aktuellen Barock-Kirche inkorporierte Turm war diesem vorgängigen Kirchenbau an der Westfront angegliedert. Das ungenügende Platzangebot und die Baufälligkeit der alten Kirche gaben gegen Mitte des 18. Jahrhunderts Anlass zu einem Neubau. Am 11. Oktober 1741 unterzeichnete die säckingische Klosterkanzlei einen Bauakkord, den der renommierte Deutschordensarchitekt Johann Caspar Bagnato redigiert hatte. Der Meister versprach, die Kirche „bäider seidten an den verbläibeten und noch steheten alten thurn“ zu fügen und für sämtliche Handwerkerarbeiten, ausgenommen die Glasfabrikation, geradezustehen. Das Entgelt von 1200 Reichsgulden wünschte er ratenweise beziehen zu können. Die Verglasung der Fenster übertrug man Thaddä Schmucklin in Säckingen, der für jede Butzenscheibe „sambt Zwickhel, bleüw, Zinn undt löttung“ einen halben Groschen Lohn beanspruchte. Offenbar zwang der Mangel an Geldmitteln im Laufe der Bauzeit zu drastischen Einschränkungen: Als das Gotteshaus 1750 durch den Basler Fürstbischof eingeweiht wurde, behalf man sich mit den alten Altären, und noch sieben Jahre später klagte der Pfarrer über den allzu niedrigen Turm und den „liederlichen“ Zustand der Innenausstattung. Während der Amtszeit Pfarrer Simon Kesslers (1760–1764), des nachmaligen Bauherrn von Hochsal, wurden Chor und Schiff mit neuen Retabeln versehen und der Turm so weit erhöht, dass die Glockenstube den Langhausfirst überragte.
1843 installierten die Brüder Joseph und Claude-Ignace Callinet aus Rufach auf der vorgängig vergrösserten Empore eine Orgel. 1872 lieferte Heinrich Kaiser aus Stans ein Altarblatt mit dem Bild des Kirchenpatrons. 1947–1949 wurde die Kirche unter Leitung von Architekt Heinrich A. Liebetrau aus Rheinfelden durchgreifend saniert. Erneuerung der Orgel durch die Firma Späth in Rapperswil. 1947 neues, vierstimmiges Geläut von Rüetschi in Aarau, 1985 durch eine fünfte Stimme ergänzt. Gesamtrenovation in den Jahren 1984–1986. Ausmalung der seit Beginn leer gebliebenen Deckenstuckfelder durch Karl Manninger, Pöcking bei München, und Hermenegild Peiker, Augsburg. Neues Hochaltarblatt von Manninger. Rekonstruktion der Orgel nach dem Original der Callinet durch Metzler AG in Dietikon. Erhöhung des Turmschaftes und Turmuhrrenovation. Am Äussern der Umfassungsmauern Rekonstruierung einer spurenweise noch fassbaren rot aufgemalten Bandgliederung aus dem Jahre 1853.
Beschreibung:Die vom Friedhof umgebene Kirche steht auf einer Geländeterrasse, die sich über einer leicht geneigten Halde über dem Tiersteinberg befindet und an ihren Flanken von zwei Bachgräben begleitet wird. Die Längsachse der Vorläuferkirche bewahrend, reihte Bagnato dem spätgotischen Turm ein Schiff mit gerundeten Ostecken und einen queroblongen Ellipsechor an. Langhaus und Chor haben gleiche Breiten. Die Seitenwände werden durch rot eingefasste Rundbogenlichter gegliedert. Die leuchtend rote Sims- und Lisenenmalerei an den Fassaden mag von Bagnato projektiert worden sein, wurde jedoch erst im mittleren 19. Jahrhundert ausgeführt und, nach vorübergehender Tilgung, 1985 rekonstruiert. An Schiff und Chor schafft die Bänderung stehende, mit den Fenstern korrespondierende Rechteckfelder; am Turm markiert sie die Konturen von Schaft und Giebeln und das Bankniveau der Schallarkaden. Ein kurzfirstiges Knickdach mit Vollwalm deckt die Vorhalle, deren ursprüngliche Holzarkaden heute durch gemauerte Pfeilerbögen ersetzt sind. Schiff und Turm sind von Satteldächern gedeckt. Auf die Giebel und die seitlichen Wandfelder des Turmes verteilen sich vier rot-grau-goldene Uhrblätter.
Der Turm ist dem heutigen Kirchenbaukörper integriert und tritt nur wenig aus der Fassade hervor. Durch eine dreiseitig offene Halle, die dem Turm vorgelagert ist, gelangt man zum Hauptzugang. Das von Hohlkehle und Rundstab eingefasste Spitzbogenportal trägt im Scheitel das Datum 1487.
Chorgehäuse und Schiff werden durch eine korbbogige Arkade verbunden. Vor die nischenartigen Rundungen der östlichen Schiffswinkel sind breite Wandbänder vorgestellt. Der Chor präsentiert sich als elliptischer Zentralbau.
Régence-Stuckaturen – vielleicht Arbeiten aus dem Umkreis Francesco Pozzis –beleben die Deckenflächen. Die in die Felder gesetzten Fresken von Manninger und Peiker (1984/85) bilden eine späte, aber geglückte Ergänzung des 1741 unvollendet gebliebenen Interieurs. Die unaufdringlich warme Farbpalette, der Einsatz der Farbenperspektive und die Art der Figurencharakterisierung sichern dem Zyklus von Engelserscheinungen einen beachtlichen Rang im einheimischen Neo-Historismus des späten 20. Jahrhundert.
Bunt marmorierte barocke Altäre mit Gemälden von Manninger und Standbilder aus dem 17. Jahrhundert, die hier eine Zweitverwendung finden.
Die hellgrün getönte Wandkanzel − seit dem 19. Jahrhundert über eine Passerelle von der Sakristei her zugänglich − ist von fallenden Voluten gegliedert und mit goldenen Rocaillen und Heckenröschen besetzt.
Literatur:- Vom Jura zum Schwarzwald, 1948, S. 73-88. - Edith Hunziker, Peter Hoegger, Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 9, Bern 2011. S. 431-436.
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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Usage

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Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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URL: http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=26694
 

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