DSI-MWI014 Manufakturgebäude, 1790 (Dossier (Denkmalschutzinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:DSI-MWI014
Signatur Archivplan:MWI014
Frühere Signaturen:MWI907
Titel:Manufakturgebäude
Bezirk:Lenzburg
Gemeinde:Möriken-Wildegg
Versicherungs-Nr.:210
Parzellen-Nr.:2314
Grundbuch-Nr.:2314, Plan 11
Koordinate E:2655119
Koordinate N:1252035
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2655119&y=1252035

Typologie

Nutzung (Stufe 1):Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbauten
Nutzungstyp (Stufe 2):Fabrikgebäude, Manufakturgebäude

Schutz / Status

Unterschutzstellung Bund:7/17/2006
Kantonale Unterschutzstellung (DSI):1/25/2005
Kantonaler Schutzumfang:Integral

Dokumentation

Entstehungszeitraum:1790
Bau- und Nutzungsgeschichte:Ab 1776/77 baute Johann Rudolf Dolder in Wildegg am Fuss des Schlosshügels eine Indiennesfabrik auf (Landverkauf durch Niklaus Albrecht von Effinger, Herr zu Wildegg, 1775, mit der Konzession, darauf eine "Farb-Fabrique" und ein Wohnhaus zu errichten), die er 1781 an Friedrich Laué aus Frankfurt/Yverdon und einen Teilhaber verkaufte. Die Firma Laué & Cie., die zusätzliche Grundstücke am bestehenden Hornikanal und ein Wasserradrecht erwarb, nahm sogleich umfangreiche Neubauten in Angriff, als wichtigsten um 1780/1790 das Manufakturgebäude Nr. 210 (Bezeichnung "Hänketurm" falsch). 1793 kamen zwei weitere Wasserradrechte hinzu: die prosperierende Firma war gegen 1800 mit etwa 120 Drucktischen die bedeutendste Zeugdruckerei im Unteraargau. Dank technischer Neuerungen, u.a. 1826 Einführung des Walzendrucks im gleichzeitig errichteten Gebäudekomplex Nr. 206/207 (Kurzinventar Nr. 928), konnte diese führende Stellung bis in die 1840er Jahre behauptet werden. 1845 Betriebseinstellung nach allgemeinem Niedergang der Indiennes-Produktion; später Einführung der Hutgeflecht-Industrie in Wildegg durch den Wohler Fabrikanten Alois Isler. Ansiedlung der 1920 gegründeten Kupferdraht-Isolierwerke Wildegg AG, Stilllegung 2000. - 1978 Aufhebung der 1969 erfolgten Unterschutzstellung wegen eines Strassenkorrektionsprojekts. - 1997ff. drohender Abbruch. Nach mehrjährigen Erhaltungsbemühungen Erwerb des Gebäudes durch den Aarg. Heimatschutz 2004, kant. Unterschutzstellung 2005.
Die unterhalb der ehemaligen Bandweberei Matter gelegene einbogige Steinbrücke von Obermuhen datiert in das Jahr 1869. Eine einjochige Bogenbrücke ist jedoch schon auf einer Wappenscheibe von 1683 in der Kirche zu Schöftland dargestellt. Reparaturen dieser Brücke erfolgten 1766 (Gemeinderechnung: "Dem Sager von Schöftland für zwey Stuck Eichig holltz zu sagen zur der Ober Muhen brug...") und 1788.
Beschreibung:Das Manufakturgebäude kam um 1780/90 quer zur alten Lenzburgerstrasse (heute Lauéstrasse) südöstlich der Hellmühle zu stehen. Der langgestreckte Walmdachbau ist aus spärlich verputzten Bruchsteinmauern dreigeschossig aufgeführt und besitzt 7 x 3 gleichmässig verteilte Fensterachsen mit gefalzten hochrechteckigen Muschelkalkgewänden. Im durch spätere Toröffnungen beeinträchtigten EG sind die Fenster teilweise vermauert. Eingänge in den nicht unterkellerten Bau bestehen an der S-Seite und an der W-Seite, wo sich das Treppenhaus befindet. Die beiden Obergeschosse enthalten neben dem abgetrennten Treppenhaus und einem später isolierten Nebenraum je einen grossen, von zwei längsgerichteten Stützenreihen unterteilten Saal. Zweimal zwei Holzstützen (gegliedert in Basis, gebauchten Schaft und Kämpfer) mit Sattelhölzern und Unterzügen tragen die Balkenlage. Zur Aufhellung der ehemals mit Drucktischen bestückten Säle wurden die Decken mit Kalkmilch geweisselt (gemäss Kupper). Teilweise sind originale Brettläden, Fenster mit Kreuzsprossierung und Türen vorhanden. Sparrendach mit doppeltem liegendem Stuhl unverändert erhalten (wohl vom 1776 errichteten Laué-Wohnhaus übernommen, vgl. Jörger S. 3).
Würdigung. (vgl. Jörger S. 1-2) Das um 1780/90 errichtete Manufakturgebäude der Indiennes-Manufaktur Laué & Cie. ist als eines der letzten erhaltenen Bespiele einer weitgehend original erhaltenen Baumwolldruckerei des sp. 18. Jahrhunderts über den Kanton Aargau hinaus ein seltenes frühindustrielles Denkmal. Für den Aargau und das schweizerische Mittelland ist der Zeugenwert des Bauwerks insofern ein ganz besonderer, als hier die Industrialisierung mit der Indiennes-Druckerei (sog. Zeugdruck) ihren Anfang nahm. Mit dem Gebäude sind überdies bedeutende Persönlichkeiten der Aargauer Geschichte (J. R. Dolder, Ch. F. Laué, H. Pestalozzi u.a.) verbunden. Schliesslich stellt der markante Solitärbau einen wesentlichen Bestandteil des national eingestuften Ortsbildes (ISOS) von Wildegg dar - und ist im Zusammenwirken mit dem zugehörigen Fabrikantenwohnhaus Laué samt Pavillons und Gartenanlage - wertvolle Komponente eines frühindustriellen architektonischen Ensembles von herausragender Bedeutung.
Literatur:- Chronik von Möriken-Wildegg, 1992, S. 57ff..
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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INV-MWI907 Sog. Hänkegebäude (neu MWI014), 1790 (ca.) (Dossier (Platzhalter))
 

Usage

Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

URL for this unit of description

URL: http://www.ag.ch/denkmalpflege/suche/detail.aspx?ID=24666
 

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