DSI-BRG034 Antonigasse 2, Muri-Amthof und Kapellenturm, 1546-1548 (Dossier (Denkmalschutzinventar))

Archive plan context


Ansichtsbild:
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Identifikation

Signatur:DSI-BRG034
Signatur Archivplan:BRG034
Titel:Antonigasse 2, Muri-Amthof und Kapellenturm
Bezirk:Bremgarten
Gemeinde:Bremgarten (AG)
Adresse:Antonigasse 2
Versicherungs-Nr.:59
Parzellen-Nr.:A 696
Grundbuch-Nr.:297
Koordinate E:2668185
Koordinate N:1244835
Situationsplan (AGIS):http://www.ag.ch/app/agisviewer4/v1/html/agisviewer.htm?config=agis_geoportal_fs.json&thema=185&scale=5000&basemap=base_landeskarten_sw&x=2668185&y=1244835

Typologie

Nutzung (Stufe 1):Sakrale Bauten und Anlagen
Nutzungstyp (Stufe 2):Amtshaus, Verwaltungsgebäude

Schutz / Status

Unterschutzstellung Bund:10/2/1984
Kantonale Unterschutzstellung (DSI):11/16/1951
Kategorie Inventar Kulturgüterschutz:A (nationale Bedeutung)
Kantonaler Schutzumfang:Integral

Dokumentation

Entstehungszeitraum:1546 - 1548
Bau- und Nutzungsgeschichte:Früheste urkundliche Erwähnung 1367 "Umb die halden nid dem huse ze Bremgarten". 1399 erwirbt das Kloster Muri von Kunzmann von Seengen "die hofstatt ze Bremgarten in der statt an dem swinmergt gelegen mit der hofstatt davor, mit der hofstatt danebend und der haldn dahinder", womit das heutige Gesamtareal vermutlich komplett war. Wohl bald danach Errichtung des Amtshauses, bezeugt seit dem frühen 15. Jahrhundert (nach Schodoler eine würfelförmiger Mauerbau unter abgewalmtem Satteldach). Sitz eines klösterlichen Amtmannes und Absteigequartier für die Äbte.
1546–48 Neubau durch Abt Laurenz von Heidegg. 1580–84 Errichtung von Eingangshalle und Wendelstein an der östlichen Giebelfront (Steinmetzmeister Hans Dub, Luzern; Maurermeister Melchior Bartmann, Bremgarten; [Meister Hans Äbi, Beromünster, schindelt den Turmhelm]. Unter Abt Jodokus Singisen 1640/41 Erhöhung des Turms um ein Geschoss durch Maurermeister Jakob Martin zur Unterbringung des Chors der Hauskapelle (bei Stumpf als sep. Bau mit Dachreiter), am 6. Okt. 1640 vom Nuntius Hieronymus Farnese Maria, Joh. Ev. und Jodokus geweiht. 1642 figürliche und dekorative Ausmalung und Fassen des Altarretabels aus der Werkstatt Nikolaus Geislers, Luzern, durch Hans Michael Lüpfer. 1767 setzt Hafnermeister Leonz Küchler einen Turmofen auf. 1779 Renovation der Hauskapelle.
1838 Verkauf an einen Notar Maurer, seit 1870 Fam. Meyer. 1899–1901 Gesamtrenovation durch Architekt Richard Michel, Frankfurt/Oder, Bauausführung durch Baumeister Theodor Bertschinger, Lenzburg. 1982 A-Rest. von Nord- und Ostfassade und Kapellenturm, 1994 von Süd- und Westfassade (gegen Reuss und Bogen).
Beschreibung:Lage. Als Westliches Pendant zum Weissenbachhaus an der Reussfront, aber ungleich prominenter inszeniert, besetzt der Amthof die Südwestecke des Oberstadtplateaus, das hier jäh zu Reuss und Unterstadt/Au verfällt und mit einer imposanten zweistufigen Stützmauer stabilisiert ist. (Das Ganze zusätzlich vom Turm von 1901 überhöht.)
Äusseres. Dreigeschossiger querrechteckiger Mauerbau von knapp 16 x 20 m mit Treppengiebeln und Satteldach; wenig eingetieft Zehntenkeller, darüber zwei Wohngeschosse und ein dreigeschossiges Dach mit Aufzugslukarne. Die gotisch gekehlte Befensterung – Ansätze zu achsialsymmetrischer Anordnung sind bereits spürbar – wohl seit der Barockzeit ohne steinerne Kreuzstöcke (im 2. OG reussseitig rekonstruierte Mittelstützen). Im 1. OG zum Fluss zwei gekuppelte dreiteilige Stufenfenster. Unter einem Putz der Zeit um 1900 kamen an der Reussseite Reste eines glatten, weiss gekalkten Putzes und ein doppeltes Lineament um die Fenster zum Vorschein, die die Vorlage für die Restaurierung 1994 bildeten, (Doppellinie auch an den Fenstern der Ostseite auf Photo nach 1901). Am Giebelfuss der Westfassade Eisenhaken, die einst einen Streichbalken trugen. (Bei Merian 1654 unsi¬cher, bei Clausner 1770/80 klar ein Klebedach erkennbar; Perignon 1780 gibt gar eine offene Laube mit bugverstärkter Stützenreihe an, Brüstung und unt. Abschluss nicht sichtbar.) – Der nördlichen Hälfte der Ostfassade sind die Eingangshalle unter Zweiseitwalm und der achteckige Wendelstein von 1580/84 vorgelagert, letzterer trägt, über Eckkonsolsteine ins Quadrat übergeführt, das Zierfachwerkgeschoss des Kapellenchores, abgeschlossen von vier Giebeln mit Drachenwasserspeiern und Achteckspitzhelm mit Kugel und Fähnchen, den First des Hauses nur wenig überragend. Das Kapellengeschoss war vor den Umbauten 1899-1901 mit einem Schindelschirm versehen, der damals entfernt wurde. (Heutige Ziegelbedachung mit Gratziegeln wirkt etwas massig und plump, Aufnahme wohl kurz nach 1901 zeigt den noch wesentlich schlankeren Spitzhelm mit Blechschindeln ohne Akzentuierung der Grate; urspr. verm. rotgefasste Schindeldeckung. Die noch deutlich grösseren Dächlein über den Ziergiebeln sind mit Blechplatten belegt und mit heute nicht mehr vorhandenen Kugelspitzen geschmückt. Bereits das Projekt von Michel sah hingegen einen neuen Ziegelhelm in der jetzigen Form vor.) Front der Eingangshalle aus gehauenem Muschelsandstein, darin das dreifach gekehlte Rundbogenportal, die mittlere Kehle mit kräftigem aufgelegtem Rundstab, der seinen Ausgang von einem Volutensockel mit Waffelmuster nimmt. Schlussstein mit farbig gefassten Wappen des Abtes Hieronymus Frey zwischen der Jahreszahl 1584 und den Zwickelwappen Habsburg und Muri. Brettertüre mit rautengemusterter Doppelung und bronzegegossener Löwenmaske als Türklopfer.
Inneres. Im EG hallenähnlicher Zehntenkeller mit drei quer zum First laufenden Tonnengewölben, gestützt von zwei rundbogigen Arkaden auf Achteckstützen. An den Stirnseiten des nördl. Pfeilerpaares Wappenschilde Muri und Abt Laurenz von Heidegg und Baudatum 1547. Eingangshalle mit flachem sechsteiligem Kreuzrippengewölbe und naturalistisch gemalten Zwickelblumen. Am Stichbogendurchgang zum Wendelstein Rundstab über S-Voluten und Rautenpostamentchen. Wendeltreppe zum 1. OG unter achteckigem Sterngewölbe mit angeschnittenen Rippenanfängen und analogen Schmuckformen wie in der Eingangshalle. Am Eingang zu den Wohngeschossen reichprofiliertes in Blattwerkbüschel endendes Kielbogenportal, am Tympanon Wappen Muri und Abt Hieronymus Frey zwischen Baujahr 1583. – Im 1. OG sog. Fürstenzimmer eigenartige Fenstersäule zwischen den bei¬den Stufenfenstern, bei welcher der kräftig kannelierte Schaftstumpf nur ein knappes Sechstel der Gesamthöhe einnimmt. Das Übrige beansprucht ein konischer in Herzblätter gewickelter Kapitellkorb mit knappem Volutenabschluss. Darüber farbig gefasstes Relief mit Wappenpaar Muri und Abt Laurenz von Heidegg, bekrönt von Abtstab und infulierter Mitra zwischen Baujahr 1547. Sign. Küchlerofen 1773 mit Wettinger Abtwappen Sebastian Steinegger, um 1900 aus Klostertaverne Dietikon zugekauft. Der in den Plänen von 1899 als "Esszimmer" bezeichnete Raum erhielt "eine nach Entwürfen des Architekten ausgeführte Holzdecke mit kunstschmiederechter Lichtkrone und eine theilweise Vertäfelung der Wandungen, dem Formcharakter der alten Bauweise entsprechend." (Tischlerarbeit: Hinnen & Co. und H. Lips, Zürich; Schnitzereien: Prof. Regl, Zürich; Leuchter: Egloff & Co., Zürich.) Sw. Eckzimmer (?): Reste einer gotischen Balkendecke mit Wappen. – 2. OG. Südl. Mittelzimmer: Kassettendecke mit Intarsienfüllungen, um 1650, reicher parkettartiger Kreuzriemenboden, barockes Brüstungstäfer, sign. Küchlerofen 1767. Sö. Eckzimmer mit schmuckloser barocker Stuckdecke mit Mittelspiegel, weisser Biedermeier-Kastenofen. Ebensolcher Turmofen im sw. Eckzimmer. Im nördl. Mittelzimmer meergrüner Kastenofen mit Jahreszahl 1752 und Initialen F NH. – Hauskapelle von 1640/41 mit ursprünglicher Ausstattung. Rechteckiges Kapellenschiff (im Haus) und quadratischer Chor (über dem Schneggen); Friesinschriften säumen die flachen, marmorierten und rosettenverzier¬ten Felderdecken, neunteilig im Schiff, konzentrisch im Chor um achteckiges Wappenmedaillon des Stifterabts Jodokus Singisen. An der Chorbogenwand Verkündigung, am Bogen Knorpelwerk mit Wappen Muri und Singisen von Maler Hans Michael Lüpfer. Spätgotischer schmiedeeiserner Leuchter in Baldachinform mit farbig gefasster Marienstatue, 1. Drittel 15. Jh. (Zukauf 20. Jh.). Im Chor blau-gelb-grün glasierte Tonfliesen mit Singisensternen. Marmoriertes, ziervergoldetes Dreisäulenretabel mit Knorpelwangen und gesprengter Giebelverdachung von Niklaus Geisler 1642. Statuen der Gottesmutter, Johannes (links) und Jodokus, im Auszug Brustbild Gottvaters und Heiliggeisttaube. Auf den Giebelseiten Schildhalterengel mit Wappen Muri und Singisen. Nachgotisch-frühbarocker Altarkruzifixus. Mehrere Ölgemälde auf Leinwand, darunter vier Äbteporträts. Gefasste Statuen der Hl. Anna selbdritt und Ulrich aus Zürn-Umkreis, um 1630.
Quellen:- Pater Leodegar Mayer, Muri-Amthof von NO, Federzeichnung, um 1750.
- Bilderchronik des Schultheissen Werner Schodoler, um 1514.
- Eidg. Chronik des Johannes Stumpf, 1548.
- Matthäus Merian, Topographia Helvetiae, 1654.
- Perignon, "peintre du Roi", 1776/77.
- Jacob Joseph Clausner, Bremgarter Gesellenbrief, Kupferstich, um 1770/80.
- F. Graff, Bleistiftzeichnung und Sepia, 1832/33.
- Johann Rudolf Rahn, Muri-Amthof von Südwesten, Sepia, 1859.
Literatur:- Das Bürgerhaus im Kanton Aargau, Zürich 1924, S. XLI, Tf. 75.
- Peter Felder, Die Kunstdenkmäler des des Kantons Aargau, Bd. 4, Basel 1967, S. 140-150.
- Deutsche Bauzeitung, Berlin. XXXVII. Jg., Nr. 46, 10. Juni 1903, S 293f, Nr. 47, 13. Juni 1903, S. 297ff.
- Rolf Meyer. Bremgarten, die türmereiche Stadt: zum Bau des Amthofturmes, in: Bremgarter Neujahrsblätter 2001, S. 37-43.
- E. Pfyffer. Der Muri-Amthof in Bremgarten, in: Unsere Heimat, 2. Jg., 1928, S. 78-80.
Reproduktionsbestimmungen:© Kantonale Denkmalpflege Aargau
 

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