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Anhörungsstart zum neuen Aargauer Lehrplan für die Volksschule

Kreditantrag für zusätzliche Französischlektionen an der Primarschule

Ab dem Schuljahr 2020/21 wird der neue Aargauer Lehrplan auf der Basis des Deutschschweizer Lehrplans (Lehrplan 21) den Orientierungsrahmen für das Lehren und Lernen an der Volksschule bilden. Nun liegen die aargauspezifischen inhaltlichen Anpassungen sowie die passenden Stundentafeln vor. Gleichzeitig soll auch die nationale Sprachenstrategie umgesetzt werden. Dazu wird der Französischunterricht neu in der 5. Primarschulklasse statt wie bisher in der 6. Klasse beginnen. Im Rahmen der Anhörung, die bis zum 2. Februar 2018 dauert, kann zu beidem Stellung genommen werden.

Die zwei zusätzlichen Französischlektionen an der Primarschule, die zur Umsetzung der nationalen Sprachenstrategie notwendig sind, will der Regierungsrat über einen Verpflichtungskredit zusätzlich finanzieren. Ein solcher untersteht der obligatorischen Anhörung. Den definitiven Entscheid über den Kredit wird der Grosse Rat im Herbst 2018 im Rahmen der Budgetdebatte fällen.

Der Regierungsrat hat entschieden, auch die aargauspezifischen Anpassungen des Deutschschweizer Lehrplans sowie die Stundentafeln einer öffentlichen Anhörung zu unterstellen. Diese ist freiwillig, da der Lehrplan auf Stufe Verordnung geregelt ist und der Entscheid darüber somit in die Kompetenz des Regierungsrats fällt. Dieser wird im Sommer 2018 definitiv über den Aargauer Lehrplan und die Stundentafeln entscheiden.

Einbezug aller Anspruchs- und Interessengruppen

Die inhaltlichen Anpassungen an der gemeinsamen Deutschschweizer Lehrplanvorlage sowie die zugehörigen Stundentafeln aller Volksschulstufen entstanden unter Einbezug der wichtigsten Anspruchs- und Interessengruppen aus Schule, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dieser partizipative Prozess dauerte von März bis August 2017. Vor dem Hintergrund der gegebenen finanziellen, inhaltlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen konnten wichtige Fragen geklärt und zahlreiche Anliegen berücksichtigt werden. Es liegt aber auf der Hand, dass bei gewissen Themen unterschiedliche Meinungen geäussert wurden, die nicht alle in gleichem Mass Eingang gefunden haben.

Mehr Pflichtlektionen an der Primar- und Realschule

Mit der Einführung des neuen Aargauer Lehrplans und den angepassten Stundentafeln für die Volksschule setzt der Kanton Aargau den Artikel 62 der Bundesverfassung um, der verlangt, dass die Kantone die Ziele und Inhalte der Volksschule harmonisieren.

Bei den neuen Stundentafeln wurde darauf geachtet, dass die pro Fach eingesetzten Lektionen möglichst den Richtwerten entsprechen, die von der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) bei der Entwicklung des gemeinsamen Lehrplans festgelegt wurden. Um die Lehrplanziele erreichen zu können, werden die Primarschülerinnen und –schüler künftig in den ersten beiden Jahren mehr Lektionen besuchen. Dasselbe gilt für die Realschule.

Finanzielle Auswirkungen

Zur Umsetzung der nationalen Sprachenstrategie beantragt der Regierungsrat beim Grossen Rat einen Verpflichtungskredit von rund 3 Millionen Franken zur Finanzierung von zwei zusätzlichen Französischlektionen an der Primarschule.

Die Anhebung der Pflichtstunden für die Schülerinnen und Schüler an der Primar- und Oberstufe wird finanziell ausgeglichen, indem ungebundene Lektionen (für Halbklassenunterricht oder Teamteaching) sowie Lektionen für Wahlfächer in Pflichtlektionen umgewandelt werden. An der Primarschule steht von der 1. bis 3. Klasse je eine ungebundene Lektion weniger zur Verfügung. Zudem werden bisherige Ressourcen für die Ermöglichung von Blockzeiten an der Primarschule für Pflichtlektionen eingesetzt.

Die bestehende Leistungsvereinbarung mit der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz für die Weiterbildung der Lehrpersonen wird weitergeführt. Die Mittel von jährlich rund 10 Millionen Franken werden gezielt für Weiterbildungsbedürfnisse im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Lehrplans eingesetzt.

Aargauer Eigenheiten bleiben bestehen

In den künftigen Stundentafeln sind neue Fächer zu finden wie "Medien und Informatik", "Berufliche Orientierung", "Wirtschaft, Arbeit, Haushalt" sowie "Projekte und Recherchen", das neu als Pflichtfach geführt wird. Bewährte Aargauer Besonderheiten in der Stundentafel – zum Beispiel die musikalische Grundschule oder die Wahlfächer – werden beibehalten. Zudem wurde die Deutschschweizer Lehrplanvorgabe in verschiedenen Fachbereichen ergänzt mit aargauspezifischen Inhalten und Beispielen. So sollen beispielsweise Themen wie die römische Antike auf Aargauer Boden, die Habsburger, aber auch die Geschichte der Juden im Aargau oder die Industrialisierung des Kantons berücksichtigt werden.

Eckwerte des neuen Aargauer Lehrplans

Stundentafel Kindergarten: Im Kindergarten orientiert sich der Unterricht an der Entwicklung der Kinder. Es werden deshalb keine Fächer, sondern Entwicklungsschwerpunkte aufgeführt. Die Unterrichtszeit für die Kinder beträgt wie bisher im ersten Kindergartenjahr 18 bis 22 Wochenlektionen und im zweiten Kindergartenjahr 22 bis 24 Lektionen.

Stundentafel Primarschule: In der Primarschule wird das Pflichtpensum der Schülerinnen und Schüler insgesamt um 7 Lektionen erhöht. Neu besuchen diese 163 wöchentliche Pflichtlektionen (bisher 156 Lektionen). Trotz dieser Anhebung liegt der Aargau unter dem Durchschnitt der Deutschschweizer Kantone (169 Lektionen).

Stundentafel Oberstufe: Das Pflichtpensum der Schülerinnen und Schüler in den 3 Leistungszügen der Oberstufe wird angeglichen. In der Realschule erhöht sich die Anzahl Wochenlektionen dadurch über alle 3 Schuljahre hinweg um insgesamt 18 Lektionen, in der Sekundar- und Bezirksschule um je 8 Lektionen. An der Realschule sind somit in Zukunft 100 Pflichtlektionen (bisher 82 Lektionen) vorgesehen, an der Sekundar- und Bezirksschule 102 (bisher 94 Lektionen). Damit liegt der Aargau knapp unter dem Durchschnitt der Deutschschweizer Kantone, der bei 104 Lektionen liegt.

Unterrichtsorganisation an der Oberstufe: Gemäss Lehrplan werden den Schülerinnen und Schülern im Fach "Natur und Technik" Kenntnisse und Fertigkeiten in Biologie, Physik, Chemie und neu auch in Technik vermittelt.

Im Fach "Räume, Zeiten, Gesellschaften" erwerben die Schülerinnen und Schüler neben Geografie und Geschichte neu auch Wissen und Können über die Entwicklung von Menschen und Gesellschaften und zu Themen der politischen Bildung. Den Schulen vor Ort ist freigestellt, ob sie die Bildungsziele der beiden Fachbereiche, die durchgehend je mit drei Wochenlektionen dotiert sind, mit Unterricht in Einzelfächern oder den genannten Fachbereichen erreichen.

Medien und Informatik: Für das neue Pflichtfach "Medien und Informatik" steht von der 5. Klasse der Primarschule bis zur 2. Klasse der Oberstufe jeweils 1 Lektion zur Verfügung. In den übrigen Fächern kommen die Informations- und Kommunikationstechnologien integriert zur Anwendung.

Berufliche Orientierung: Das neue Fach "Berufliche Orientierung" wird an allen Leistungszügen der Oberstufe in den 2. Klassen mit 1 Lektion dotiert. Zudem bleibt "Berufliche Orientierung" weiterhin eine fächerübergreifende Aufgabe.

Politische Bildung: Politische Bildung ist als überfachliches Thema ein bedeutender Unterrichtsgegenstand im neuen Aargauer Lehrplan. Die Kompetenzen werden ab der Primarschule in den Fächern "Deutsch" und "Natur, Mensch, Gesellschaft" aufgebaut und an der Oberstufe in den Fächern "Räume, Zeiten Gesellschaften", "Wirtschaft, Arbeit, Haushalt" und "Ethik, Religionen, Gemeinschaft" weitergeführt. Damit erfüllt der Aargauer Lehrplan die Anliegen der "Staatskunde-Initiative" weitgehend.

Projekte und Recherchen: Das bisherige Wahlfach "Projekte und Recherchen" wird mit 2 Lektionen als Pflichtfach übernommen. In diesem Fach erstellen die Schülerinnen und Schüler in den 3. Klassen der Oberstufe eine Projektarbeit.

Inhaltliche Anpassungen: Der neue Aargauer Lehrplan Volksschule beinhaltet auch Aargauer Themen und Beispiele. Zudem werden den Lehrpersonen per Linksammlung Hinweise auf passende kantonale ausserschulische Lernorte und Angebote zur Verfügung gestellt.

  • Regierungsrat
  • Departement Bildung, Kultur und Sport
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