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Nein zur irreführenden Initiative – Nein zu einem beschränkten Bildungsangebot

Schulgesetzänderung gefährdet Bildungsstandort Aargau

Der Aargauer Erziehungsrat lehnt die Initiative "Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21" ab, die am 12. Februar 2017 zur Abstimmung gebracht wird. Sie führt mit ihrem verfänglichen Titel in die Irre. Abgestimmt wird über eine Änderung von § 13 im Schulgesetz und nicht über die Deutschschweizer Lehrplanvorlage (Lehrplan 21).

Guter Unterricht ist auf durchdachte und verbindliche Rahmenbedingungen angewiesen. Der Erziehungsrat setzt sich für ausgewogene und konstruktive Lösungen ein. Die Initiative bietet keine, im Gegenteil, sie liefert die Volkschule den Einzelinteressen des politischen Tagesgeschäfts aus.

Es wird immer heftig gestritten, wenn Lehrpläne und Stundentafeln zu erneuern sind. Umso wichtiger ist es dem Erziehungsrat, an den alt bewährten Entscheidungswegen und Gremien jenseits von Einzelinteressen festzuhalten.

Nein zur Zementierung des Fächerangebots

Das hauptsächliche Ziel der Initiative ist es, das Fächerangebot der Volksschule im Schulgesetz zu verankern. Damit würde nicht nur das aktuelle Bildungsangebot eingeschränkt, sondern auch die Ausgestaltung der Stundentafel zum Zankapfel des politischen Tagesgeschäfts gemacht. Die Initiative schadet so unserer Volksschule und würde den Aargau ins bildungspolitische Abseits befördern.

Im Gesetzestext der Initianten sind wichtige Themen wie Technik, Wirtschaft, Medien oder Berufsorientierung nicht berücksichtigt. Fächeranpassungen, die wegen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen immer wieder nötig sind, würden so jeweils eine Gesetzesänderung mit einem langwierigen und teuren politischen Prozess bedingen.

Initiative verhindert Zusammenwirken

Im Gesetzesartikel gemäss Initiative ist auf der Primarstufe nur eine Fremdsprache vorgesehen. Der Kanton Aargau will sich aber an den Sprachenkompromiss halten, der unter den Kantonen beschlossen wurde (erste Fremdsprache ab der 3. Klasse, zweite Fremdsprache ab der 5. Klasse). 2006 haben sich eindrückliche 86 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung für einen Artikel in der Bundesverfassung ausgesprochen, wonach die Bildungsziele zwischen den Kantonen zu harmonisieren sind. Damit soll für Familien die Mobilität zwischen den Kantonen erleichtert werden. Auch der Übertritt in die Berufsbildung und an weiterführende Schulen ist einfacher, wenn ein Volksschulabschluss in allen Kantonen in etwa das Gleiche bedeutet. Will man diesen Auftrag im Aargau nicht mit unnötigen Erschwernissen umsetzen müssen, so ist die Initiative abzulehnen.

Initiative verbaut Zukunft

Im Weiteren will die Initiative, dass der Lehrplan Jahrgangsziele festlegt, die es so auch bereits im aktuell geltenden Lehrplan nicht mehr gibt. Mit Jahrgangszielen würden die Lehrerinnen und Lehrer – als Profis für das Lernen und Lehren – in der Berufsausübung stark eingeschränkt. Sie fördern ihre Schülerinnen und Schüler im Klassenunterricht schon längst unabhängig vom Jahrgang.

Der Aargauer Erziehungsrat stellt mit Sorge fest, dass unsere Volksschule von einzelnen Personen als Projektionsfläche für Frustrationen missbraucht wird. Eine Delegation des Erziehungsrats hat sich mit dem Initiativkomitee getroffen und sich ernsthaft mit den Anliegen der Initianten auseinandergesetzt. Der Rat kommt aber zum Schluss, dass die Initiative der Schule mehr schadet als nützt, weil sie neue Probleme schafft.

Der Erziehungsrat setzt sich für eine erfolgreiche und fortschrittliche Schule ein. Er ist deshalb gegen die Initiative "Ja zu einer guten Bildung – Nein zum Lehrplan 21". Der Erziehungsrat empfiehlt, am 12. Februar 2017 ein Nein in die Urne zu legen.

  • Medienmitteilung
  • 09.01.2017
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