zurück

Achtung ansteckend

Die Saison 2014 steht ganz im Zeichen der Medizin

Das Museum Aargau erzählt 2014 unter dem Titel "Achtung ansteckend!" Geschichten aus 2000 Jahren Heilkunst. In den Schlössern Lenzburg, Hallwyl, Wildegg, Habsburg, im Kloster Königsfelden und im Legionärspfad Vindonissa wird das standortübergreifende Thema mit verschiedenen chronologischen Schwerpunkten präsentiert. Besucherinnen und Besucher erfahren und erleben hautnah Geschichte und Geschichten von Verletzten, Kranken und Heilkundigen, vom Experimentieren mit Kräutern, vom Kurieren und Kuren und von Alltäglichem an stillen Örtchen.

Muskatnuss gegen Gedächtnisschwäche, ein Aderlass für das Gleichgewicht der Körpersäfte, eine Kur mit heilendem Wasser oder doch besser ein Gebet zur Genesung? Das Streben nach Gesundheit von Leib und Seele führte schon in der Antike dazu, Krankheiten zu erforschen. Viele der damaligen Gesundheitskonzepte haben bis heute Gültigkeit. An den sechs Schauplätzen stehen Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsangebote für alle Altersgruppen auf dem Programm.

Splitternde Knochen und ein kundiger Medicus im Legionärspfad

Das erste Spital der Schweiz stand vor zweitausend Jahren in Vindonissa. In den 60 Krankenzimmern lagen bis zu 300 Legionäre. In einem Legionslager wie Vindonissa musste der Militärarzt nicht nur bei offenen Wunden und gebrochenen Knochen operieren, sondern auch bei Zahnschmerzen und Augenleiden. Als Schmerz- und Betäubungsmittel sehr gefragt war die "Träne des Mohns" - das Opium. Häufig wurde dieses mit Wein vermischt, um die Wirkung zu verstärken.

Das authentisch rekonstruierte Feldlazarett mit zwei Räumen vermittelt den Besucherinnen und Besuchern, wie die römischen Ärzte operiert, geschröpft und geheilt haben.

Ein originaler Pestsarg steht auf der Habsburg

Europa wurde Jahrhunderte lang von verheerenden Pestausbrüchen heimgesucht. Die Seuche traf Menschen und Ärzte unvorbereitet, man kannte kein Gegenmittel. Hilflose Vorsichtsmassnahmen, wie Masken mit stark duftenden Kräutern oder Bittprozessionen sollten Menschen schützen. Für die Beerdigung in Massengräbern kamen wiederverwendbare Särge mit einem Klappmechanismus zum Einsatz. In einer kleinen Ausstellung auf der Habsburg ist der originale Pestsarg aus Mandach ausgestellt.

Gemeine Siechen und betende Nonnen im Kloster Königsfelden

Themenschwerpunkt im Kloster Königfelden ist die Klostermedizin, die im Mittelalter aus den Kräutern des Klostergartens gewonnen wurde. Hier wuchsen alle Ingredienzen für Salben, Tinkturen, Tees und Diätmischungen. Der Garten wurde zudem mit dem in der Bibel erwähnten paradiesischen Garten Eden gleichgesetzt. Ab dem 14. Jahrhundert war das Kloster Königsfelden auch Ort der Fürsorge für Arme und Kranke. Die Siechenmeisterin, eine Nonne des Klosters, war zuständig für die Pflege der Kranken. Sie erhielt für deren Verpflegung zusätzliche Lebensmittel wie Reis, Mandeln, Weinbeeren und Feigen.

Auf einem Audiorundgang und in der Klosterapotheke wird für Besucherinnen und Besucher die Klosterheilkunde des Mittelalters lebendig.

Über verlorenes Wissen und arabische Schriften auf Schloss Lenzburg

Nach dem Untergang des römischen Reiches griffen arabisch-persische Gelehrte die Erkenntnisse der antiken Medizin wieder auf und entwickelten sie weiter. Im Hochmittelalter wurde medizinisches Wissen von der arabischen Welt wieder zurück nach Mittel- und Westeuropa überliefert.

Auf welchen Wegen dieser Kulturtransfer passierte, wird vor allem den jungen Besuchern im Geschichtsatelier mit Bildern, Objekten und spielerischen Installationen vermittelt.

Vom stillen Örtchen und heissen Baden im Schloss Hallwyl

Rund 900 Jahre lebten die Familienmitglieder derer von Hallwyl im Schloss und hatten dieselben Bedürfnisse wie wir heute. Sie besuchten ein stilles Örtchen, wuschen sich im Bad, konservierten ihre Lebensmittel und produzierten Abfälle aller Art. Was dabei als sittlich, anständig oder gesund angesehen wurde, veränderte sich über die Jahrhunderte stark.

Die Ausstellung im Schloss führt in allerlei Ecken und Gänge sowie in einmalig geöffnete Winkel, die heute noch das Alltagsleben auf der Burg erahnen lassen.

Flatternde Nerven und heilende Wasser auf Schloss Wildegg

Die Industrialisierung um 1900 beschleunigte die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen. Die zunehmende Geschwindigkeit, auch in der Fortbewegung mit Zügen und Autos verursachte Stress. Neue Krankheiten wie die Neurasthenie tauchten auf. Wie behandelte man eine solche Nervenkrankheit? Die Oberschicht kurte im noblen Bad Schinznach, während Arme sich im Armenbad kurierten. Julie von Effinger ging nach Paris zum Homöopathen, denn diese Heilmethode war gerade "en vogue".

Die Ausstellungen in Schloss und Garten entführen das Publikum in die Zeit der Belle Epoque und erzählen spannende Geschichten zur Gesundheitsvorsorge und Heilkunst um 1900. Im Schlossgarten laden ein Barfussweg und Wasseranwendungen nach Pfarrer Kneipp zum Mitmachen ein.

Themenschwerpunkte und Vernissagen
Schloss Lenzburg – Verlorenes Wissen. Arabische Schriften, ein Themenweg und eine interaktive Werkstatt im Geschichtsatelier / ab 1. April, 10.00 Uhr
Schloss Hallwyl – Stilles Örtchen. Heisses Bad, Ausstellung und Stationenrundgang /
Vernissage 17. April, 19.00 Uhr
Schloss Wildegg – Flatternde Nerven. Heilende Wasser, Ausstellungen in Schloss und Garten, Barfussweg / Vernissage 27. April, 11.00 Uhr
Schloss Habsburg – Pralles Leben. Schwarzer Tod, Ausstellung /
Vernissage und Eröffnungsveranstaltung 25. Mai, 11.00 bis 16.00 Uhr
Kloster Königsfelden – Gemeine Siechen. Betende Nonnen, Klosterapotheke und Audiorundgang (ab 20. Mai) / Eröffnungsveranstaltung "Römerblut und Klosterkraut" am 6. April, 10.00 bis 17.00 Uhr
Legionärspfad Vindonissa – Splitternde Knochen. Kundiger Medicus, Lazarett und Audiorundgang / Eröffnungsveranstaltung "Römerblut und Klosterkraut" am 6. April, 10.00 bis 17.00 Uhr
  • Departement Bildung, Kultur und Sport
zurück