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Startschuss für Masterplan Integrierte Versorgung

Kick-off-Veranstaltung mit Präsentation von Umfrageergebnissen

140 Partner aus dem Gesundheitswesen trafen sich in Aarau zur Kick-off-Veranstaltung für den Masterplan Integrierte Versorgung Aargau 2017 (MIVAG 17), der unter dem Leitmotiv "Besser vernetzt – mehr Gesundheit für alle" steht. Eine zuvor durchgeführte Umfrage zeigt: Vernetzung ist das Gebot der Stunde.

43 Institutionen und Organisationen der Gesundheitsversorgung im Kanton Aargau erhielten im Oktober 2013 einen Fragebogen zur Integrierten Versorgung, den 34 Partner ausfüllten (Rücklaufquote = 79 Prozent).

Die Ergebnisse zeigen Folgendes:

  • Grundsätzlich gibt es eine hohe Zustimmung zur Grundidee der Integrierten Versorgung ( bessere Vernetzung aller Partner in der Gesundheitsversorgung; 74 Prozent sind "völlig einverstanden", weitere 24 Prozent "eher einverstanden")
  • 71 Prozent sind "völlig" oder "eher einverstanden", dass die Vernetzung vor allem die Qualität der Betreuung erhöhen muss. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass dies die Kostenentwicklung bremsen kann.
  • 71 Prozent sind "völlig einverstanden", dass die Vernetzung auch Prävention, Früherkennung von Krankheiten und soziale Betreuung einschliessen muss.
  • 79 Prozent sind "völlig" oder "eher einverstanden", dass sich auch die verschiedenen Versicherungsträger (Krankheit, Unfall, IV, Taggeld etc.) besser untereinander abstimmen sollten, damit Patienten nicht mehrfach abgeklärt und hin- und hergeschoben werden.
  • Wenn es um die bessere Vernetzung geht, stehen vor allem die Behandelnden in der Pflicht. Aktivitäten der Krankenversicherer, die direkt in die Betreuung eingreifen (z.B. Fallmanagement oder spezielle Programme für Patientengruppen wie Diabetiker) stossen auf Vorbehalte. Die Krankenkassen werden in erster Linie als Anbieterinnen von Versicherungsmodellen und Finanzierer gesehen.
  • Beträchtliches Potenzial für eine bessere Betreuung sehen die Antwortenden bei den Versicherten und Patienten: 47 Prozent sind "völlig einverstanden", dass diese ihre Handlungskompetenz gezielt erhöhen (z.B. durch Informationsbeschaffung oder Patientenschulungen); weitere 50 Prozent sind damit "eher einverstanden". Allerdings wird in den Kommentaren immer wieder darauf verwiesen, dass es Personengruppen gibt (z.B. ältere oder schlecht gebildete Menschen), die nicht in der Lage sind, ihre Handlungskompetenz selbständig zu erhöhen. Zudem dürften solche Massnahmen nicht zu einer "Abklärungs-Hysterie" mit hohen Folgekosten führen.
  • Ebenfalls viel Zuspruch (56 Prozent "völlig einverstanden", 41 Prozent "eher einverstanden") erhielt die Aussage, dass die Versicherten und Patienten mehr Eigenverantwortung wahrnehmen sollten, indem sie zum Beispiel eine Zweitmeinung einholen, bevor sie sich zu einer Operation entschliessen oder eine Langzeittherapie beginnen.
  • Rund zwei Drittel der Antwortenden beschäftigen sich damit, künftig mehr und besser vernetzt zu sein: 41 Prozent sagen "ja" und 28 Prozent "eher ja" zu einem Ausbau ihrer Aktivitäten in diesem Bereich.
  • Ebenfalls zwei Drittel der Antwortenden (38 Prozent ja, 29 Prozent eher ja) sind grundsätzlich daran interessiert, an der Entwicklung und Umsetzung des Masterplans Integrierte Versorgung Aargau mitzuwirken. Allerdings sind nur 9 Prozent "eher" bereit, eigene finanzielle Mittel dafür einzusetzen (und niemand ganz bereit).
  • Bei den Erwartungen an die vernetzte Betreuung fallen folgende Ergebnisse auf: 68 Prozent finden, dass der Kanton die Rahmenbedingungen für eine starke Grundversorgung verbessern soll (weitere 25 Prozent sagen "eher ja" dazu). 53 Prozent sind der Ansicht, dass neue Partner (namentlich die Gemeinden) gewonnen werden sollten (weitere 19 Prozent sagen "eher ja" dazu). Und 85 Prozent haben die Erwartung, dass Leistungen wie Prävention, psychologische und soziale Unterstützung aufgewertet werden (weitere 13 Prozent sagen "eher ja").
  • Die Schlüsselbegriffe bei den Erwartungen an das MIVAG-Projekt lauten: keine kurzfristigen Kosteneinsparungen anstreben; kein Projekt ohne Nutzen; Freiwilligkeit; nicht zu viel aufs Mal umsetzen (und mit wenigen Partnern); keine Machtkämpfe unter den Berufsgruppen; bottom-up statt top-down; Wettbewerb statt staatliche Regulierung.
  • Viel Zustimmung findet auch die Meinung, dass die bessere Vernetzung zwischen den einzelnen Berufsgruppen Bestandteil der jeweiligen Grundausbildung sein sollte.
  • Hohe Zustimmung findet schliesslich die Absicht des Kantons, das MIVAG-Projekt Hand in Hand mit dem Programm eHealth Aargau 2015 zu entwickeln.

Rahmenbedingungen stehen im Vordergrund

In einem zweiten Teil der Erhebung wurden ein Dutzend Gespräche mit den wichtigsten Partnern der Gesundheitsversorgung im Aargau geführt. Dabei zeigte sich:

  • Die Schlüsselbegriffe bei den Erwartungen decken sich weitgehend mit den Ergebnissen der schriftlichen Umfrage. Zusätzlich wurden genannt (adressiert an den Kanton): gute Rahmenbedingungen schaffen; Mittel für Anschubfinanzierungen zur Verfügung stellen; nicht ins Operative eingreifen; Leistungsaufträge überprüfen und den neusten Gegebenheiten anpassen (Integration!); Leistungsaufträge weiter fassen (nicht auf eine Leistung/Diagnose fokussiert; gilt vor allem für Institutionen mit chronisch Kranken/Multimorbiden); Versorgungsbedürfnisse erfassen und – falls nötig – Versorgungsplanung anpassen; mögliche Kosteneinsparungen dürfen nicht zu Tarifsenkungen führen; Gemeinden von Beginn weg einbeziehen und ihre Rolle klären.
  • Beim Handlungsbedarf wurden neben den Übergängen ambulant-stationär-ambulant folgende Stichworte genannt: Versorgungslücke zwischen Akut und Reha ("zu gesund für Akut, zu krank für Reha"); Wundversorgung zu Hause; Betreuung von Dual Diagnosis Patienten; Akutgeriatrie; Palliative Care; komplexe (medikamentöse) Therapien (z.B. HIV).
  • Grosser Handlungsbedarf wird ausserdem im administrativen Bereich gesehen. Stichworte dazu: Kostengutsprache (Wartezeit); uneinheitliche Formulare; Ungewissheit über die Verwendung/den Nutzen der gelieferten Informationen; Datenverkehr/eHealth.

Projekte und Massnahmen bis Herbst 2014

An der Kick-off-Veranstaltung in Aarau diskutierten rund 140 Partner aus allen Bereichen des Gesundheitswesens (Leistungserbringer, Fachorganisationen, Patienten, Versicherer, Politik, Kantonale Verwaltung, Gemeinden, Bildung) Ziele und Leitsätze des Projekts sowie die wichtigsten Handlungsfelder. Diese werde nun in Arbeitsgruppen bis Mitte 2014 bearbeitet, ehe konkrete Projekte und Massnahmen in Angriff genommen werden. Sie werden an einer Ergebniskonferenz im September 2014 besprochen und anschliessend umgesetzt.

  • Departement Gesundheit und Soziales
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