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Ein "Parcours-de-Mémoire" erzählt die Lebensgeschichte der Julie von Effinger

Vernissage der Ausstellung in der Villa auf Schloss Wildegg

Hundert Jahre nach dem Tod der letzten Schlossherrin, Julie von Effinger, wird die Villa auf Schloss Wildegg erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Museum Aargau widmet der letzten Vertreterin der Familie von Effinger eine Ausstellung, die auf einem Stationenweg durch Villa und Schloss an eine aussergewöhnliche Persönlichkeit erinnert. Ausgewählte Objekte und schriftliche Dokumente aus ihrem persönlichen Nachlass werden erstmals gezeigt und mit Geschichten aus ihrem Leben als Schlossherrin und Wohltäterin umrahmt. Die Vernissage findet am 28. April statt. Die Ausstellung ist bis 31. Oktober zu sehen.

Im Rahmen des Frauenjahres 2012 im Museum Aargau wird in der Ausstellung auf Schloss Wildegg die Geschichte der Julie von Effinger erzählt. Sie war die letzte Vertreterin ihrer Familie, die seit 1484 im Besitz der Schlossdomäne Wildegg war. Julie blieb ledig und widmete sich zeitlebens dem Erhalt ihres Familienerbes. Eine unglückliche Liebeserfahrung führte zu einer stark religiösen Neigung. Aus einem Gefühl der Verantwortung für ihre Untergebenen besuchte sie Kranke und errrichtete eine Stiftung zur Bekämpfung der Trunksucht. Für das Bauen hatte sie eine besondere Vorliebe "Ach, wenn ich ein Mann wäre, ich würde Architekt geworden sein" pflegte sie zu sagen. 1886 liess sie die Villa bauen. Hier lebte sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1912. Die Villa wird nun erstmals für das Publikum geöffnet.

"Das Fräulein mit dem Gläsli" - Zeitzeugen erinnern sich

Die neue Ausstellung ist als Spaziergang durch Villa, Schloss und Garten konzipiert. Unterwegs besichtigen Besucherinnen und Besucher nicht nur Julie von Effingers Wohnräume, sondern erfahren an acht Hörstationen verschiedene Geschichten und Facetten aus dem Leben und der Persönlichkeit der letzten Schlossherrin. Neben schriftlichen Quellen wie Briefen und Dokumenten wurden Erinnerungen von Zeitzeugen und deren Nachkommen gesammelt. So ist zum Beispiel zu erfahren, dass Julie von Effinger eine gute, aber strenge Arbeitgeberin war. Der Vater eines Zeugen arbeitete als Gärtner auf Schloss Wildegg. Da hätten die Gärtner jeweils das "Znüni" hinter der Hecke genommen, denn "das Fräulein mit dem Gläsli sieht uns sonst gut", pflegte Hans Werder (1886-1959) zu erzählen. Ein besonderes Verhältnis hatte sie zu ihrer Gesellschafterin Pauline von Peyer, die sie während 31 Jahren begleitete. Viele weitere Geschichten verdichten das Bild einer faszinierenden Persönlichkeit. Julie war sich ihrer Verantwortung gegenüber Untergebenen und dem Erbe einer zu Ende gehenden Familiengeschichte stets bewusst. So hatte sie die Schlossdomäne Wildegg dem Bund vermacht, der sie 2011 einer vom Aargau gegründeten Stiftung übergab.

Frauengärten im Schlossgarten

Gestalten Frauen ihre Gärten anders als Männer? Im Frauenjahr des Museum Aargau begegnen Besucherinnen und Besucher im Garten von Schloss Wildegg besonderen Frauen und ihren kreativen Gartenideen. ProSpezieRara hat in Zusammenarbeit mit Schloss Wildegg insgesamt zehn Frauengärten ausgesucht, konzipiert und umgesetzt. Das Spektrum reicht vom „weissen“ Garten der Tochter eines Englischen Barons, Vita Sackville-West bis zum "wilden Charakter" eines Bauerngartens von Carolin Reiber.

Zum Thema erscheint die Broschüre "Julie von Effinger, die Wohltätige, Frauen und ihre Gärten".

  • Departement Bildung, Kultur und Sport
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