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Frauen vor! Sechs Frauen erzählen Geschichte(n)

Die Saison 2012 im Museum Aargau steht ganz im Zeichen der Frau

Das Museum Aargau präsentiert ab April 2012 Frauengeschichte(n) anhand von sechs eindrücklichen Frauenportraits. Unter dem Titel „Frauen vor! Weibliche Lebenswelten im Schloss und Kloster“ wird in den Schlössern Lenzburg, Hallwyl, Wildegg, Habsburg, im Kloster Königsfelden und im Legionärspfad Vindonissa erstmals ein standortübergreifendes Thema umgesetzt. Auf dem Programm stehen Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Vermittlungsangebote für ein breites Publikum.

Warum war die eine aufmüpfig und die andere wohltätig? Und wie war das mit der Seelenretterin im Mittelalter oder der Unzüchtigen im 16. Jahrhundert? Das Spektrum der sechs Frauenportraits ist vielfältig und reicht von der Antike bis ins frühe 20. Jahrhundert. Im Fokus stehen neben dem Charakterprofil und der Lebensgeschichte auch das historische und gesellschaftliche Umfeld.

Frauen von heute treffen Frauen von gestern

Das Museum Aargau möchte mit diesem Themenspektrum ganz speziell auch Frauen ansprechen. Immer am letzten Freitag im Monat findet von April bis September jeweils ein Event für Frauen statt. Die historische Frauenfigur lädt ihre modernen Zeitgenossinnen ihn ihrem Schloss oder Kloster zu einem gemütlichen Abend unter Frauen ein. Dabei tauchen die Besucherinnen thematisch und kulinarisch in die Lebenswelt der Protagonistin ein. Der Start macht am 27. April Guta von Bachenstein, die mittelalterliche Äbtissin im Kloster Königsfelden.

Elsi Achermann, die Unzüchtige

Die „Frontfrau“ von Schloss Lenzburg stammt nicht aus einem Adelsgeschlecht, sondern ist eine Gestrandete, deren Schicksal vor dem Landgericht anno 1595 mit der Todesstrafe besiegelt wurde. Das Delikt: Sechs uneheliche Kinder aus dubiosen Beziehungen. In einer Sonderausstellung werden anhand von drei exemplarischen Gerichtsfällen die rechtliche Stellung der Frauen und ihre sozialgeschichtlichen Hintergründe beleuchtet. Neben Elsi Achermann stehen 1611 Adelheid Härdi, die Hexe und 1717 Sarah Wirz, die Kindsmörderin vor dem Gericht. Die Vernissage findet am Donnerstag 12. April 2012 im Rittersaal auf Schloss Lenzburg statt.

Franziska Romana, die Aufmüpfige

Ganz anders verlief der Lebensweg der adeligen Tochter Franziska Romana, die als 15-jähriges Mädchen am Hof der Kaiserin Maria Theresia in Wien debüttierte. Sie war nicht nur schön, sondern galt auch als reichste Erbin von ganz Wien. 1773 reiste Abraham Johann von Hallwyl in die Kaiserstadt. Die beiden verliebten sich Hals über Kopf ineinander. Doch ihre Eltern verweigerten die Heirat aus religiösen Gründen. So flüchtete die 17-jährige Franziska kurz entschlossen in einer Kutsche nach Hallwyl zu ihrem Geliebten, denn sie war schwanger. Heimlich wurde geheiratet. Der weitere Lebensweg der Franziska war geprägt von 56 Jahren Witwenschaft. Sie pflegte viele Brief-Beziehungen und setzte sich mit den Umwälzungen ihrer Zeit auseinander. Die Ausstellung ist in drei Teile gegliedert, die für drei verschiedene politischen Ordnungen stehen: Das Ancien Régime bis 1798, die Helvetik 1798-1803 und der Kanton Aargau von 1803-1830. Die Exponate reichen von Portraits, Damen- und Männerkostümen, persönlichen Utensilien bis zu ausgewählten Briefen, die die Lebenswelt von Franziska, der Aufmüpfigen eindrücklich spiegeln. Die Vernissage findet am Donnerstag, 19. April 2012 im Wasserschloss Hallwyl statt.

Guta von Bachenstein, die Seelenretterin

Im dritten Jubiläumsjahr „700 Jahre Kloster Königsfelden“ zeigt das Museum Aargau die Sonderausstellung „Reiches Kloster. Reine Seelen. Klösterliches Leben in Königsfelden“. Sie stellt den Einzug der Nonnen und ihren Klosteralltag mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten dar. Über den audiovisuellen Guide führt Guta von Bachenstein, die zweite Äbtissin des Klosters (1318-1324) Besucherinnen und Besucher zu den sechs Schauplätzen im Innenraum der Kirche und auf dem Areal des ehemaligen Klosters. Hier symbolisiert ein Klostergarten die Heiltradition das Klosters im Mittelalter. Die Ausstellung wird am Donnerstag 5. April in der Klosterkirche Königsfelden eröffnet.

Julie von Effinger, die Wohltätige

Julie von Effinger war die letzte Vertreterin ihrer Familie, die seit 1484 im Besitz der Schlossdomäne Wildegg war. Julie blieb ledig und widmete sich zeitlebens dem Erhalt ihres Familienerbes. Eine unglückliche Liebeserfahrung führte zu einer stark religiösen Neigung. Aus einem Gefühl der Verantwortung für ihre Untergebenen besuchte sie Kranke und errrichtete eine Stiftung zur Bekämpfung der Trunksucht. Für das Bauen hatte sie eine besondere Vorliebe „Ach, wenn ich ein Mann wäre, ich würde Architekt geworden sein“ pflegte sie zu sagen. 1886 liess sie das Landhaus bauen. Hier lebte sie bis zu ihrem Tod. Diese Villa wird nun 100 Jahre nach ihrem Tod erstmals öffentlich zugänglich gemacht. Ein speziell konzipierter Audio-Rundgang führt an die Originalschauplätze von Fräulein Julie von Effingers Leben auf Schloss Wildegg. Die Vernissage ist am Sonntag 29. April 2012 auf Schloss Wildegg.

Anna von Kyburg, die Lukrative

Die blutjunge Anna stammte aus der Familie der Kyburger, als sie verheiratet wurde. Die Kyburger gehörten im 13. Jahrhundert zu den einflussreichsten Adelsgeschlechtern auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Annas Vater, Hartmann starb 1263, was das Ende des Geschlechtes bedeutete. Ihr Onkel, Graf Rudolf IV. von Habsburg, übernahm die Vormundschaft für die minderjährige Anna und verwaltete deren umfangreichen Herrschaftsgebiete. Sie wurde zur lukrativen Braut und verhalf den Habsburgern mit der Heirat des Eberhard von Habsburg-Laufenburg zur Ausweitung ihrer Macht. Auf Schloss Habsburg tritt Anna in szenischen Führungen für Gruppen auf.

Belica, die Geschäftstüchtige

Gab es Frauen im römischen Legionslager Vindonissa? Es herrschte ja ein striktes Heiratsverbot für die 6000 römischen Legionäre. Aktuelle Forschungsergebnisse werfen ein neues Licht auf die Anwesenheit von Frauen. So weist ein römisches Schreibtäfelchen auf eine Belica hin, die im Legionslager eine Schankwirtschaft geführt haben soll. Im Umgang mit den Legionären brauchte sie wohl viel Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft.

Im Legionärspfad Windisch gibt es zum Thema eine Spezialführung zu Frauen in der Legion, die die Rolle der Frau in der antiken Gesellschaft und ihr Verhältnis zu den römischen Soldaten greifbar macht.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport
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