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Arbeitszeugnis

Erwähnung von Krankheit / Krankheitsabsenz

Eine Mitarbeiterin verlangte, dass die Erwähnung ihrer Krankheitsabsenz im Arbeitszeugnis gestrichen werde. Der Arbeitgeber argumentierte, das Leistungsvermögen der Arbeitnehmerin habe stark abgenommen; zu Gunsten der Arbeitnehmerin sei er davon ausgegangen, dass dies krankheitsbedingt war und nicht Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft und habe dies entsprechend im Arbeitszeugnis formuliert ("Leider war das Leistungsvermögen von Frau XY durch eine hartnäckige Krankheit stark beeinträchtigt".)

Die Schlichtungskommission stellte fest, dass der monierte Leistungsabfall nicht erwiesen war, insbesondere nicht in erheblichem Ausmass wie vom Bundesgericht in diesem Zusammenhang verlangt. Nach Praxis des Bundesgerichts darf eine Krankheit beziehungsweise eine dadurch bedingte Arbeitsverhinderung im Arbeitszeugnis nur in folgenden Fällen erwähnt werden: wenn die Krankheit erheblichen Einfluss auf Leistung oder Verhalten des Arbeitnehmers beziehungsweise der Arbeitnehmerin hatte oder gar die Eignung für die Erfüllung der bisherigen Aufgaben infrage stellte oder im Verhältnis zur gesamten Vertragsdauer erheblich ins Gewicht fiel, so dass ohne Erwähnung ein falscher Eindruck bezüglich der erworbenen Berufserfahrung entstünde. Die Schlichtungskommission empfahl folglich die Streichung der entsprechenden Passage im Arbeitszeugnis.

In einem anderen Fall kam die Schlichtungskommission zum Schluss, dass die Dauer der Krankheitsabsenz im Arbeitszeugnis erwähnt werden musste, weil sonst ein falscher Eindruck über die erworbene Berufserfahrung vermittelt worden wäre. Im konkreten Fall betrug die Krankheitsabsenz der Gesuchstellerin 9 Monate von einer Anstellungsdauer von total 13.5 Monaten. Die Gesuchstellerin konnte damit an dieser Stelle lediglich während 4.5 Monaten, entsprechend einem Drittel der gesamten Anstellungsdauer, Berufserfahrung erwerben. Dazu kam, dass es sich um ein hoch spezifisches Arbeitsgebiet handelte. Die Gesuchstellerin hatte an ihren vorherigen Arbeitsstellen darin noch keine Erfahrungen sammeln können.