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Ernährung und Bewegung

Für ein gesundes Körpergewicht braucht es ein ausgewogenes Verpflegungsangebot und bewegungsfördernde Lebensräume.

Verschiedene Bilder von menschen, die mit Ernährung und Bewegung zu tun haben. Icons werden bei "Einzelne Aspekte unter der Lupe" einzeln besprochen.
© BurgerGasser GmbH

Mehr als drei Viertel der Aargauer Bevölkerung trainiert regelmässig oder bewegt sich ausreichend. Der Anteil von Adipositas- Betroffenen nimmt jedoch auch im Kanton Aargau stetig zu. Sensibilisierung für gesunde Ernährung und regelmässige Bewegung sowie ein ausgewogenes und erschwingliches Verpflegungsangebot sind weiterhin von Bedeutung – vor allem im Kindes- und Jugendalter, in dem der Grundstein für eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise gelegt wird.

Hintergründe und Zusammenhänge

Die Aargauer Bevölkerung ernährt sich heute gesundheitsbewusster und ist körperlich aktiver als noch vor einigen Jahren. Dennoch ist der Anteil von Adipositas-Betroffenen gestiegen: Inzwischen hat jede siebte Person im Kanton Aargau einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr. Wie lassen sich diese widersprüchlichen Entwicklungen erklären? Wo setzen wirkungsvolle Massnahmen für ein gesundes Körpergewicht an?

Die aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 stammenden Aussagen zum Ernährung- und Bewegungsverhalten sowie BMI stehen für eine relativ enge Sicht auf das komplexe Thema "Gesundes Körpergewicht". Denn auch psychische, soziale, emotionale und vor allem persönliche Befindlichkeiten beeinflussen unseren Lebensstil. Entsprechend sind auch die Aussagen in anderen Themenfeldern (z.B. Psychische Gesundheit) von Bedeutung.

Einzelne Aspekte unter der Lupe

Hinderungsfaktoren für gesunde Ernährung

Mensch, der gesundes Essen vor sich hat und Geld zählt.
© BurgerGasser GmbH

Für 43,6% der befragten Aargauerinnen und Aargauer ist der relativ hohe Preis für gesundes Essen ein wichtiger Hinderungsfaktor, um sich gesund zu ernähren. Im Vergleich zum Jahr 2012 entspricht dies einer Zunahme von 9,2%.

Um möglichst vielen Aargauerinnen und Aargauern die Wahl gesunder Lebensmittel zu erleichtern, ist ein entsprechendes und erschwingliches Angebot wesentlich. Es geht aber auch darum, die Ernährungskompetenzen zu stärken. Dabei spielen Ernährungsempfehlungen, die verständlich und im Alltag leicht umsetzbar sind, eine wichtige Rolle. Vielfach gilt gesundes Essen als teuer, aufwändig und wenig genussvoll. Um diesen Vorurteilen zu begegnen, sind ergänzende Hinweise notwendig. Sie können beispielsweise aufzeigen, wie auch mit einem kleinen Budget ausgewogene und abwechslungsreiche Mahlzeiten möglich sind. Ausserdem spielen bei Migrantinnen und Migranten vielfach kulturelle Aspekte und Biografien eine wichtige Rolle, wenn es um die Ernährung und die preislichen Vorstellungen geht.

Früchte- und Gemüsekonsum

Mensch, der einen Apfel in der Hand hält.
© BurgerGasser GmbH

53,9% der Aargauerinnen und Aargauer assen im Jahr 2017 an mindestens 5 Tagen pro Woche mehr als 3 Portionen Früchte / Gemüse pro Tag. Dies entspricht einer Zunahme von 2,8% verglichen mit dem Jahr 2012. Bei Frauen ist der Anteil deutlich höher als bei Männern (64,3% gegenüber 43,3%).

"5 am Tag" (öffnet in einem neuen Fenster) - die bekannte Kampagne der Krebsliga Schweiz erinnert an die Empfehlung, täglich mindestens fünf Portionen Früchte und/oder Gemüse zu essen. Früchte und Gemüse gehören zu einer ausgewogenen und genussvollen Ernährung. Sie liefern lebenswichtige Nähr- und Schutzstoffe, fördern das körperliche Wohlbefinden und tragen dazu bei, Krankheiten vorzubeugen.
Gemäss der Schweizer Lebensmittelpyramide (öffnet in einem neuen Fenster) sind drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Früchte ideal. Das Mass für eine Portion ist dabei eine Handvoll. Je abwechslungsreicher die Auswahl an verschiedenen Sorten, Farben und Zubereitungen (roh, gekocht) ist, desto besser wird der Körper mit der Vielfalt an gesunden Inhaltsstoffen versorgt. Entsprechend ist der tägliche Konsum von Früchten und Gemüse nicht nur mit Blick auf ein gesundes Körpergewicht, sondern auch wegen den gesundheitsförderlichen Wirkungen (z.B. entzündungshemmend, tieferes Risiko für Krebserkrankungen) wertvoll.

Angesichts der zentralen Bedeutung besteht nach wie vor grosser Handlungsbedarf, wenn es um die Empfehlung "5 am Tag" geht. Mehr als die Hälfte der Aargauer Männer (56,7%) isst beispielsweise weniger als
3 Portionen Früchte oder Gemüse am Tag. Nebst der Sensibilisierung kann ein frisches und attraktives Angebot an Früchten und Gemüse zu einem regelmässigen Konsum motivieren.

Körperliche Aktivität

Mensch, der sich dehnt.
© BurgerGasser GmbH

Innerhalb von zehn Jahren ist der Anteil trainierter und ausreichend aktiver Personen im Kanton Aargau von 68,6% auf 78,7% gestiegen. Es wurde in allen Altersklassen eine deutliche Zunahme verzeichnet, die grösste bei den Personen im Alter von "65plus".

Regelmässige Bewegung und Sport sind in allen Altersgruppen zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils und Voraussetzung für Leistungsfähigkeit. Ausserdem helfen sie, körperliche und psychische Krankheiten vorzubeugen. Das Bundesamt für Sport (BASPO) hat folgende Empfehlungen für Frauen und Männer im erwerbsfähigen Alter formuliert:

  • Mindestens 2,5 Stunden Bewegung pro Woche in Form von Alltagsaktivitäten oder Sport mit mindestens mittlerer Intensität (z.B. zügiges Gehen, Velofahren sowie Schneeschaufeln oder Gartenarbeiten) oder
  • 1,25 Stunden Sport oder Bewegung mit hoher Intensität (z.B. Joggen, zügiges Velofahren, Schwimmen oder Skilanglaufen).

Idealerweise verteilt sich die körperliche Aktivität auf mehrere Tage in der Woche.

Für Personen im Alter von "65plus" sind Kraft- und Gleichgewichtstraining wichtig. Ansonsten gelten die gleichen Empfehlungen wie für Personen im erwerbsfähigen Alter. Bei körperlichen Einschränkungen gelten angepasste Richtwerte: Aber auch hier ist es wichtig, sich möglichst viel zu bewegen.

"Trainiert" heisst, mindestens drei Tage pro Woche Schwitzepisoden durch körperliche Bewegung. Von "regelmässig aktiv" spricht man, wenn Personen während mindestens fünf Tagen pro Woche jeweils mindestens 30 Minuten körperlich aktiv sind (mittlere Intensität, d.h. ausser Atem kommen). "Unregelmässig aktiv" sind Personen, die sich mindestens 150 Minuten pro Woche bei mittlerer Intensität bewegen oder 2 Tage mit Schwitzepisoden aufweisen. Die letzten zwei Kategorien werden bei der Auswertung der Schweizerischen Gesundheitsbefragung als "ausreichend aktiv" zusammengefasst.

BMI und Adipositas

Ein übergewichtiger Mensch, der auf einem Sofa sitzt.
© BurgerGasser GmbH

Der Anteil von Adipositas-Betroffenen (BMI ≥ 30) hat im Kanton Aargau von 1992 bis 2017 kontinuierlich von 5,8% auf 14,0% zugenommen. Personen mit einem tiefen Bildungsstand sind häufiger von Adipositas betroffen.

Der Body-Mass-Index (BMI) wird benutzt, um das Körpergewicht einer Person zu beurteilen. Der BMI für Erwachsene errechnet sich aus der Körpergrösse im Verhältnis zum Körpergewicht (Rechner BMI von Gesundheitsförderung Schweiz (öffnet in einem neuen Fenster)). Es wird zwischen Normalgewicht (BMI-Wert: 18,5-24,9), Untergewicht (<18,5), Übergewicht (25-29,9) und schwerem Übergewicht (Adipositas oder Fettleibigkeit) unterschieden. Von schwerem Übergewicht spricht man ab einem BMI-Wert von 30. Stark gefährdendes Übergewicht liegt bei einem BMI-Wert von über 40 vor. Mit steigendem BMI oder unter das Normalgewicht sinkendem BMI nehmen auch die gesundheitlichen Risiken zu.

Der BMI und seine Aussagekraft werden immer wieder in Frage gestellt, da einige individuelle Eigenschaften, wie etwa die Zusammensetzung der Körpermasse (Fett, Muskeln, Knochendichte etc.) nicht berücksichtigt werden. Ebenso kann der BMI nicht bei Kindern und Jugendlichen angewendet werden. Im Wachstum verändert sich das Verhältnis von Grösse zu Gewicht immer wieder. Deshalb sind zusätzlich das Alter und das Geschlecht des Kindes zu berücksichtigen und eine Wachstumstabelle beizuziehen. Diese ermöglicht den Vergleich mit Kindern gleichen Alters und eine Beurteilung der Entwicklung entlang von sogenannten Wachstumskurven.

Fokus "Chancengerechtigkeit"

Das Ernährungs- und Bewegungsverhalten ist stark vom Bildungsstand und der Nationalität abhängig: Hochschulabsolventinnen und -absolventen (Tertiärstufe) konsumieren am häufigsten Früchte und Gemüse und sind körperlich aktiver als Personen mit einem tieferen Bildungsstand. Ebenso sind Schweizerinnen und Schweizer körperlich aktiver.

Personen mit einem tieferen Bildungsstand sind häufiger von Adipositas betroffen. Entsprechend ist es wichtig, dass möglichst früh allen Kindern und Jugendlichen die Freude an einer ausgewogenen Ernährung und regelmässiger Bewegung vermittelt werden kann.

Aktivitäten im Kanton Aargau

Das Programm "Ernährung und Bewegung" fördert ausgewogene Ernährung und gesundheitswirksame Bewegung von klein auf. Das Netzwerk umfasst rund 80 Partnerinstitutionen und -organisationen. Sie setzen sich für einen umfassenden Blick auf das Thema "Gesundes Körpergewicht" ein und berücksichtigen bei ihren Angeboten und Projekten auch psychische, soziale, emotionale und vor allem persönliche Befindlichkeiten.

Bewegungsräume und -angebote

Die Basis für ein gesundes Bewegungs- und Ernährungsverhalten wird in jungen Jahren gelegt. Deshalb fokussieren die Aktivitäten im Programm "Ernährung und Bewegung" unter anderem auf Bewegungsräume und -angebote für Familien oder für Kinder und Jugendliche in den Gemeinden. Beispiele hierfür sind "Offene Turnhallen" (Ä Halle wo’s fägt (öffnet in einem neuen Fenster), MidnightSports (öffnet in einem neuen Fenster) und OpenSunday (öffnet in einem neuen Fenster)) und naturnahe Spielplätze (öffnet in einem neuen Fenster). Es werden auch Schulen, Kindertagesstätten und Spielgruppen unterstützt. So hat etwa das Projekt Purzelbaum (öffnet in einem neuen Fenster) zum Ziel, Bewegungsförderung in den Institutionen zu verankern. Zudem wird jährlich das "Znüniblatt" an alle Kindergartenklassen mit einem Begleitschreiben an Eltern verschickt. Damit die Kinder und Jugendlichen beziehungsweise ihre Familien optimal begleitet werden können, sind zudem sensibilisierte und vernetzte Fachpersonen (z.B. Mütter- und Väterberaterinnen, Betreuungspersonen in Kindertagesstätten, Lehrpersonen) entscheidend. Das Programm unterstützt sie mit Weiterbildungen, Informationsmaterialien und Informationsanlässen, wie beispielsweise das Kindergartenforum.

Zu einem gesunden Körpergewicht gehört auch ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und ein starkes Selbstwertgefühl. Im Rahmen des Programms Psychische Gesundheit und in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Essverhalten, Adipositas und Psyche des Spitals Zofingen wird eine Werkstatt für Erwachsene zur Entwicklung des Körperbilds von Kindern und Jugendlichen (öffnet in einem neuen Fenster) angeboten. Ziel ist die Entwicklung eines positiven Körperbilds und die kritische Auseinandersetzung mit überzogenen Schönheitsidealen, Schlankheitswahn und damit verbundenem Ess-, Diät- und Bewegungsverhalten.

Weitere relevante Programme

Sämtliche Programme sowie die Suchthilfe und -prävention sind auch für das gesunde Körpergewicht respektive eine ausgewogene Ernährung und adäquate Bewegung relevant:

Gesundheitsfördernde Schulen
Psychische Gesundheit
Betriebliches Gesundheitsmanagement
Fachstelle Sucht (u.a. Verhaltenssucht)

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