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Emissionen

Gestützt auf das Umweltschutzgesetz (USG) und die Luftreinhalte-Verordnung (LRV) ist die Landwirtschaft verpflichtet, Emissionen möglichst gering zu halten. Im Baugsuchsverfahren werden bei Tierhaltungsanlagen die Geruchs- und Stickstoffemissionen ermittelt.

Für Emissionen wird, gestützt auf die Umweltschutzgesetzgebung, ein 2-stufiges Vorsorgekonzept angewendet. Gemäss 1. Stufe ist jeder Anlagebetreiber verpflichtet, vorsorgliche Emissionsbegrenzungen umzusetzen. Ist zu erwarten, dass eine Anlage übermässige Emissionen verursacht, müssen verschärfte oder ergänzende Emissionsbegrenzungen umgesetzt werden (2. Stufe).

Geruchsemissionen

Für die Beurteilung von Geruchsemissionen der Nutztierhaltung ist sowohl im Baubewilligungsverfahren als auch bei Geruchsmeldungen der Mindestabstand zu ermitteln.

Berechnung der Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen

Werden für die Tierhaltung Bauten und Anlagen erstellt, geändert oder erweitert, müssen diese den berechneten Mindestabstand für Geruchsemissionen einhalten. Es gelten die Bestimmungen der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) (öffnet in einem neuen Fenster), insbesondere Anhang 2 Ziffer 51 (öffnet in einem neuen Fenster) (Mindestabstand (öffnet in einem neuen Fenster)/Lüftungsanlagen (öffnet in einem neuen Fenster)). Die Beurteilung erfolgt nach dem FAT-Bericht Nr. 476 Mindestabstände von Tierhaltungsanlagen.

Landwirtschaft Aargau prüft im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens bei Bauvorhaben für die Tierhaltung die Einhaltung der Mindestabstände. Für die Beurteilung sind folgende Punkte relevant:

  • Anzahl Tierplätze
  • Tiergattung und Produktionszweig
  • Höhenlage der Stallung und Geländeform
  • Aufstallungssystem und Hofdüngerproduktion
  • Sauberkeit und eingesetzte Futtermittel
  • Lüftungssystem und Abluftreinigung

Bei bestehenden Tierhaltungsanlagen liegt es im Ermessen der Behörde, zugunsten der Landwirtschaft Erleichterungen (öffnet in einem neuen Fenster) zu gewähren. Als "bestehend" werden Anlagen qualifiziert, wenn deren Errichtung weniger als die Hälfte einer Neuerstellung kostet und nicht höhere oder andere Emissionen resultieren.

Mindestabstände für kleine Tierbestände

Für kleine Tierbestände – namentlich hobbymässige Kleinvieh- oder Pferdehaltungen – können dem erwähnten FAT-Bericht keine exakten Mindestabstände entnommen werden. Die Formel für die Berechnung der Mindestabstände ist auf grössere Tierbestände ausgelegt. Sie ergibt erst ab einer Geruchsbelastung (GB) mit dem Faktor 4 auf den Einzelfall bezogene Ergebnisse. Die GB von 4 wird erst mit einem Bestand von 35 bis 40 Pferden erreicht. Gemäss FAT-Bericht ist der für eine GB von 4 geltende Abstand in der Regel auch bei niedrigeren Geruchsbelastungen einzuhalten. Es liegt aber im Ermessen der Behörden, einen kleineren Mindestabstand zuzulassen (FAT-Bericht). Kleine Tierbestände sind gemäss der Vollzugshilfe Reklamationen und Immissionsklagen im Bereich Luftreinhaltung bei Anlagen im Zuständigkeitsbereich der Gemeinden (PDF, 16 Seiten, 2.0 MB) zu beurteilen.

Geruchsmeldung und Geruchsklagen

Für die Bearbeitung von Geruchsmeldungen und Geruchsklagen ist die Abteilung für Umwelt (AfU) des Departements Bau, Verkehr und Umwelt zuständig. Im Tierhaltungsbereich erfolgt die Beurteilung in Zusammenarbeit mit Landwirtschaft Aargau.

Stickstoffemissionen

Im Baubewilligungsverfahren ist zu prüfen, ob die Mindestabstände auf Grund der Stickstoffemissionen eingehalten werden. Bei einer Überschreitung der Stickstoffeinträge müssen vorbeugende oder verschärfte bauliche Massnahmen umgesetzt werden.

Stickstoffeinträge und Ammoniak-Konzentrationen

Tierhaltungsanlagen verursachen hohe Stickstoffeinträge (CriticalLoads) und Ammoniak-Konzentrationen (Critical Levels). In sensiblen Ökosystemen, wie zum Beispiel Wäldern oder Trockenwiesen, führen zu hohe Stickstoffeinträge und Ammoniak-Konzentrationen unter anderem zu Beeinträchtigungen der Vegetation, der Artenzusammensetzung und der Vitalität. Übermässig sind Immissionen unter anderem dann, wenn sie die Fruchtbarkeit des Bodens oder die Vegetation beeinträchtigen (vgl. Art. 2 Abs. 5 lit. d LRV (öffnet in einem neuen Fenster)).

Bauten und Anlagen

Werden für die Tierhaltung Bauten und Anlagen erstellt, geändert oder erweitert, müssen diese den berechneten Mindestabstand für Stickstoffemissionen einhalten. Es gelten die Bestimmungen der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) (öffnet in einem neuen Fenster) . Die Beurteilung erfolgt nach dem BAFU-Tool Abschätzung von übermässigen Immissionen aus einzelnen Betrieben (öffnet in einem neuen Fenster) und nach dem Berechnungsmodell Agrammon (öffnet in einem neuen Fenster).

Tierhaltungsstandorte

Bestehende Standorte

  • Bei geringer Erhöhung der Tierzahlen (weniger als 20 GVE innerhalb derselben Tierart) sind keine baulichen Massnahmen zur Reduktion der Stickstoffemissionen vorgesehen.
  • Werden bei einer grösseren Aufstockung der Tierplätze (mehr als 20 GVE innerhalb derselben Tierart) die Critical Loads für Stickstoffeinträge und die Critical Levels für Ammoniak-Konzentrationen nicht überschritten, müssen trotzdem vorsorgliche bauliche Massnahmen zur Reduktion der Stickstoffemissionen umgesetzt werden.
  • Werden bei einer Aufstockung der Tierplätze (mehr als 20 GVE innerhalb derselben Tierart) an bestehenden Standorten auf Grund der Stickstoffemissionen überschritten, sind Erweiterungen oder neue Anlagen an bestehenden Standorten trotzdem möglich. In diesem Fall wird die Verhältnismässigkeit von verschärften Emissionsminderungsmassnahmen beurteilt. Wenn eine Abluftbehandlung technisch oder betrieblich nicht möglich oder nicht verhältnismässig wäre, müssen verschiedene verschärfte bauliche Massnahmen zur Emissionsbegrenzung umgesetzt werden.

Neue Standorte

  • Die Einhaltung der Stickstoffemissionen ist bei der Standortevaluation von Neubauprojekten miteinzubeziehen.
  • Werden die Mindestabstände auf Grund der Stickstoffemissionen überschritten, so muss ein anderer Standort gesucht oder die Abluft über eine geeignete Abluftbehandlung geführt werden.

Die Umsetzung der notwendigen baulichen Massnahmen wird im Baubewilligungsverfahren überprüft und nötigenfalls eingefordert.