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Eleganter Schuppen

Im ältesten Dorfteil Würenlingens produziert die Familie Meier seit 17 Generationen Wein. Weil die alte Trotte marode war und den Produktionsanforderungen nicht mehr genügte, wurde sie durch einen Neubau ersetzt. Auch weil die Dorfstrukturen Würenlingens als Ortsbild von nationaler Bedeutung gelten, wurde es – in aller Schlichtheit – ein herausragendes Gebäude. Hinter dem Zweckbau, hinter der Form des traditionellen Schopfs und unter seinem Giebeldach verbergen sich nicht nur modernste Produktionsabläufe, sondern auch architektonische Details, die Bautradition in die Zukunft tragen.

Sternen-Trotte in Würenlingen

Spiel mit Licht, Farbe und Form: Ornamentale Ausfräsungen im Holz der Gebäudehülle, Anthrazit- und Kupfertöne und die aufs Wesentliche reduzierte Form des Schuppens machen aus dem Ersatzneubau einen Mittler zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Im Gebäudeinneren standen effiziente Produktionsabläufe im Vordergrund. Das drückt sich in robusten, praktischen und doch gepflegten Materialien und Formen aus.
Die Ausfräsungen an der Längsfassade zeichnen bei Tageslicht im Innenraum helle Sterne auf die Wand. Abends und Nachts strahlen sie nach aussen.

Die Spindelkelter, die "Trotte", in der bis 2012 die Weine des Weinguts Sternen gekeltert wurden, war produktionstechnisch veraltet und baufällig. Das Gebäude wurde durch einen Neubau ersetzt, der nicht nur moderne Produktionsabläufe gestattet, sondern auch zusätzliche Räume und Nutzungsmöglichkeiten integrieren sollte: eine Vinothek für Besucherinnen und Besucher und den Sensorikraum, in dem die Fachleute die Weine analysieren. Dennoch sollte der Neubau sich wie das alte Gebäude zurückhaltend – in ähnlicher Grösse, Geometrie und Bauweise – in seine alte dörfliche Umgebung einfügen. Es galt also, auf gleichem Raum mehr Nutzungen unterzubringen und sie in eine historisch stimmige, auch aus heutiger Sicht interessante Fassade zu kleiden.

Entstanden ist, in Anlehnung an die alte Trotte, ein "Schopf", ein dunkler Holzbau mit Giebeldach und zwei ausladenden Vordächern an den Längsseiten, die an der Querseite eine ausdrucksstarke, symmetrische Giebelfassade bilden. Das Dach wurde mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Ein typisches Bild, wie man es aus der ländlichen Umgebung Würenlingens kennt – und doch anders: Der Grundriss der alten Trotte wurde vereinfacht, das Gebäude, beispielsweise durch die symmetrische Anordnung zweier Vordächer statt des ursprünglich einseitigen Vorsprungs, prägnanter. Die Ergänzung des zweiten Vordachs half zudem, Raum zu gewinnen. Traditionelle Elemente, Materialien und Techniken wurden neuartig kombiniert: Kupfer – etwa am neuen Liftaufbau und um das Fenster des neuen Sensorikraums im Dachgeschoss – veredelt die dunkle Holzfassade; ein Ornament ziert die Längsseite mit dem Haupteingang: Sternförmige Ausfräsungen im Holz zeichnen bei Tageslicht im Innenraum helle Sterne auf die Wand, nachts, wenn das Gebäude beleuchtet ist, strahlen sie nach aussen. Im Innenraum herrscht schlichte, doch stimmungsvolle Funktionalität in Holz, Stahl und Verputz.

Der Neubau passt dank der schlichten, präzisen Silhouette fast besser als das alte Gebäude in die Umgebung mit den historischen Gebäuden. Auf den ersten Blick ordnet er sich unter, erst auf den zweiten Blick fällt er mit seinen Details auf – im besten Sinne.

Sternen-Trotte in Würenlingen

Baujahr 2012
Nutzung Kelterei, Vinothek und Sensorikraum
Realisierung Liechti Graf Zumsteg Architekten AG, Brugg
Bauherrschaft Andreas Meier
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