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Regionales Gesamtverkehrskonzept Ostaargau: Handlungsfeld Bahn und Bus

Die Angebots- und Infrastrukturausbauten bei Bahn und Bus sowie die Verlängerung der Limmattalbahn nach Baden sind ein wichtiger Bestandteil des regionalen Gesamtverkehrskonzepts Ostaargau. Sie übernehmen einen massgeblichen Teil der Mobilitätsnachfrage bis ins Jahr 2040. Die meisten Massnahmen zur Verbesserung des Bahn- und Busverkehrs im Ostaargau würden auch unabhängig vom Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau umgesetzt.

Die Bevölkerungsentwicklung sowie der beträchtliche Angebotsausbau führen auf der Schiene bis 2040 zu einer überproportionalen Steigerung der Nachfrage. Zwischen 2012 und 2040 liegen die Zunahmen bei den Personenfahrten in Baden in der Grössenordnung von 66 Prozent, zwischen Turgi und Brugg wird eine Verdoppelung der Personenfahrten erwartet und zwischen Brugg und Aarau sowie dem Unteren Aaretal rund das Dreifache der heutigen Nachfrage.

Mit dem vorgesehenen Angebotsausbau auf der Schiene werden die angebotenen Zugskilometer 2040 im Vergleich zum Zustand 2014 in etwa um 50 Prozent erhöht. In Kombination mit längerem und doppelstöckigem Rollmaterial ergibt sich daraus für die Sitzplatzkilometer annähernd eine Verdoppelung. Der Ausbau bringt in den nächsten 30 Jahren einen Ausbau des Angebots auf der Schiene, der mit jenem der vergangenen 30 Jahre (inklusive Bahn 2000) vergleichbar ist.

Die folgende Abbildung stellt den Umfang des geplanten Ausbaus des Bahnangebots in Relation zu den Ausbauten in der Vergangenheit, vor allem mit Bahn 2000. Zusätzlich zur Steigerung der Bahn-Kilometer ist die Fahrzeugentwicklung mit zu berücksichtigen. Die Grafik bezieht sich auf den Perimeter des regionalen Gesamtverkehrskonzepts (rGVK) Ostaargau (Baden Regio, Brugg Regio, Zurzibiet Regio):

Massnahmen

Ausbau Bahn

Fernverkehrslinien und S-Bahnen IST 2019 und Zielzustand 2040

Im Perimeter ist ein markanter Ausbau des Bahnangebots vorgesehen. Die Strecken- und Knotenkapazitäten im stark belasteten Ost-West-Bahnnetz sollen möglichst optimal ausgenützt wer-den. Dazu sind folgende Massnahmen vorgesehen:

  • Alle Fernverkehrszüge und S-Bahnen sollen grundsätzlich im 30-Minuten-Takt, mit den gleichen Zugshalten und immer nach den gleichen Zielen verkehren (Systematisierung Bahnangebot).
  • Auf nachfragestarken Bahnachsen und im Zulauf zu den Zentren werden zukünftig, durch Überlagerungen von Fernverkehrslinien bzw. S-Bahnen, alle 15 Minuten öV-Verbindungen angeboten. Auf den übrigen Strecken gilt meist der 30-Minuten-Takt.
  • Mit neuen Haltestellen soll zusätzlich lokal die Erschliessung mit der Bahn und die Verknüpfung zu anderen Verkehrsmitteln verbessert werden.

Im Gebiet soll das Fernverkehrs- und S-Bahnangebot im Realisierungshorizont der Planung (2040) wie folgt verbessert werden:

  • Auf den Verbindungen Zürich - Baden - Brugg und Wettingen - Baden - Brugg - Aarau - Olten fahren die schnellen Züge alle 15 Minuten. Dabei überlagern sich die halbstündlichen IR von Zürich via Baden nach Olten auf dem Abschnitt Zürich - Brugg mit den halbstündlichen IR von Zürich via Baden nach Frick - Rheinfelden - Basel und auf dem Abschnitt Brugg - Olten mit den halbstündlichen RE Wettingen - Olten.
  • Mit zusätzlichen Halten in Wettingen und Turgi und den Zürcher Bahnhöfen Dietikon, Altstetten und Hardbrücke wird die Gesamterschliessung mit schnellen Zügen im betrachteten Perimeter und im Limmattal verbessert.
  • Auf den Verbindungen zwischen der Region Brugg/Baden und dem Flughafen Zürich Kloten sowie Basel fahren die Züge im genauen 30-Minutentakt.
  • Im Limmattal und im Unteren Aaretal ergänzen sich die S-Bahnlinien S12 und S19 bzw. S27 und S19 jeweils zum 15-Minuten-Takt mit allen Zwischenhalten ab Dietikon Richtung Westen.
  • Die neue Haltestelle Wettingen Tägerhard an der S-Bahnlinie S6 schafft eine optimale Verknüpfung der S-Bahn mit der Limmattalbahn bzw. dem Busnetz der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW).

Entwicklungen im Busverkehr

Neue Zubringerlinien zur Entlastung der Hauptlinien

Gemäss der Strategie mobilitätAARGAU werden dicht besiedelte Gebiete in den Städten und Agglomerationen mit einer guten Angebotsdichte erschlossen. Gute Busangebote im städtischen Raum leisten einen wichtigen Beitrag zur Abwicklung der Mobilitätsbedürfnisse. Das Busangebot wird bis 2040 im Perimeter in Abhängigkeit zur Fahrgastnachfrage, zur baulichen Dichte entlang der Busachsen und zu den Entwicklungen auf der Schiene optimiert.

Die Massnahmen im Busverkehr umfassen:

  • Taktverdichtungen auf bestehenden Buslinien: Verbesserung der Verfügbarkeit und Optimierung der Anschlüsse auf die Bahn. Dabei sind sowohl im Raum Baden-Wettingen als auch in Brugg explizit Verdichtungen von Angeboten am Abend und am Wochenende denkbar, da das Busangebot zu diesen Zeiten heute noch vergleichbar mangelhaft ist.
  • Neue oder verbesserte Bus-Zubringerlinien: Nach Turgi, Wettingen und Mellingen-Heitersberg, sollen neue oder verbesserte Bus-Zubringerlinien geschaffen werden, um von den ausgebauten Bahnverbindungen profitieren und die Hauptlinien nach Baden entlasten zu können. Die Reisezeiten im öV werden dadurch teilweise merkbar reduziert.
  • Einsatz von grösseren Bussen: Gelenk- statt Normalbusse und Doppelgelenk- statt Gelenkbusse. Damit kann die Transportkapazität pro Stunde um jeweils fast 50  Prozent erhöht werden. Die mit dem Einsatz von Doppelgelenkbussen verbundenen Anpassungen bei den öV-Haltestellen sind beträchtlich, was einen Entscheid für einen Wechsel der Transportgefässe auf den wichtigsten öV-Hauptachsen erschweren wird.
  • Zudem ist es ein explizites Ziel des Verkehrsmanagements (VM), den öV auf der Strasse zuverlässiger zu machen. Die Entlastung vom motorisierten Individualverkehr in den Städten durch die Massnahmen des rGVK Ostaargau wird merkbare Spielräume zur steuerungstechnischen Bevorzugung und Beschleunigung des öV öffnen, die selbstverständlich auch dann genutzt werden, wenn das Angebot als solches nicht wesentlich ausgebaut wird.
  • Auf kritischen Streckenabschnitten sind vermehrt Eigentrassierungen mit festen oder elektronischen Busspuren sowie Bevorzugungsmassnahmen an Knoten und Haltestellen (Busschleusen) vorzusehen. Die Bus-Hauptachsen mit Handlungsbedarf im Raum Baden-Wettingen und im Raum Brugg sollen im Rahmen der nächsten Richtplanüberarbeitung in einer Richtplan-Teilkarte bezeichnet werden, um die Flächen für Ausbaumassnahmen ausreichend zu sichern.
  • Der Kanton Aargau und die Transportunternehmen planen ausserdem die Infrastruktur von Mobilitätshubs (Verkehrsdrehscheiben) zukunftsgerichtet, um die durchgehenden Trans-portketten im Personenverkehr verkehrsträgerübergreifend auszubauen. Das Umsteigen soll durch bauliche Massnahmen (Rampen, zusätzliche Zugänge usw.) und durch Kommunikationsmassnahmen (Fahrgastinformation, Wegweisung usw.) erleichtert werden. Im betrachteten Perimeter haben dabei die Mobilitätshubs Brugg, Baden, Turgi, Wettingen, Killwangen-Spreitenbach und Döttingen kantonale Bedeutung. Der Bahnhof Bad Zurzach hat aufgrund des Nachfrage-/ und Umsteigepotenzials regionale Bedeutung. Mit gezielten Massnahmen im kombinierten Verkehr (P+R-Angebote, Bike+Ride-Anlagen, Mobility-Carsharing, Veloverleih usw.) sollen insbesondere auch die Voraussetzungen für die kombinierte Mobilität weiter verbessert werden.

Zusammenhänge mit der Limmtattalbahn

Limmattalbahn: Linienführung gemäss Behördenvernehmlassung im Herbst 2018

Für die erste Etappe der Limmattalbahn (LTB) von Zürich Altstetten bis Killwangen hat der Grosse Rat am 5. Mai 2015 den Investitionskredit bewilligt. Die Projektierung der Strecke ist abgeschlossen und die Inbetriebnahme der Limmattalbahn von Schlieren bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach ist für Dezember 2022 geplant.

Die Weiterführung der Limmattalbahn bis Baden ist aktuell im Richtplan-Textteil als Vororientierung eingetragen, ohne Konkretisierung in der Richtplankarte. In der Anhörung zum Investitionskredit für die erste Etappe haben die Aargauer Limmattal-Gemeinden eine spätere Verlängerung bis Baden grossmehrheitlich gutgeheissen und eine rasche Weiterplanung verlangt. Voraussetzung für eine Realisierung ist jedoch eine wesentliche Entlastung des Schulhausplatzes und in Richtung Zentrum von Baden vom motorisierten Individualverkehr, wie sie durch das Gesamtkonzept für den Ostaargau vorgesehen ist.

Verlängerung bis nach Baden

Am 8. September 2020 hat der Grosse Rat mit deutlichem Mehr die Weiterführung der Limmattalbahn von Killwangen nach Baden als Zwischenergebnis in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Im nächsten Planungsschritt werden gemeinsam mit dem Regionalplanungsverband Baden Regio und den betroffenen Gemeinden die Vertiefungsarbeiten, mit der Klärung der offenen Fragen aus der öffentlichen Mitwirkung, gestartet. Der nächste Verfahrensschritt ist die Festsetzung der Linienführung im Richtplan.

Das Trassee der LTB-Verlängerung wird vom Bahnhof Killwangen-Spreitenbach über Neuenhof und eine neue Limmatquerung zum Wohnschwerpunkt Tägerhard Ost im Osten von Wettingen führen. Von dort geht es weiter durch das Zentrum von Wettingen, über die Hochbrücke und den Schlossbergtunnel zum Bahnhof Baden Westseite. Damit in Wettingen künftig S-Bahn, Limmattalbahn und Bus optimal miteinander verknüpft werden, wird eine S-Bahn-Haltestelle Tägerhard gebaut. Aufgrund der Rückmeldungen aus der Bevölkerung werden bis zur Festsetzung für Wettingen Ost nicht nur die ursprünglich vorgeschlagene, sondern auch zwei zusätzliche Varianten der Linienführung zwischen Tägerhard- und Landstrasse untersucht und mit den übrigen kantonalen Interessen sowie den Vorbehalten aus der Bevölkerung abgewogen.

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