Navigation

Sprunglinks

zurück

Wenn der Theaterbesuch Tradition hat

Interview mit Franziska Lüscher, Schulleitung Primarschule Reinach

Frau mit braunem Haar und Brille
Foto: Franziska Lüscher

An der Primarschule Reinach wird gemäss Schulleiterin Franziska Lüscher grosser Wert auf die Kulturvermittlung gelegt. Dies ist mit einem Kulturkonzept an der Schule verankert und ein Besuch einer Vorstellung am Theaterfunkenfestival im TaB* Theater am Bahnhof hat Tradition.

Theater ist Spiel und damit grosse Ernsthaftigkeit und Lust am Leben.

Franziska Lüscher, Schulleiterin Primarschule Reinach

Die Klassen besuchen regelmässig Vorstellungen im Rahmen vom Theaterfunken. Weshalb ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler mit Theater konfrontiert werden?

Theater ist für mich eine Art Labor: Hier kann man Leben ausprobieren. Man kann einer Idee nachgehen, ohne beispielsweise schon "Konsequenzen" daraus ziehen zu müssen. Im Theater ist es also möglich, etwas auszuprobieren, eine Idee weiterzudenken, weiterzuentwickeln, weiterzuspielen (!). Natürlich ist das Theater noch viel mehr als das. Es kann zum Beispiel Dinge auf den Punkt bringen, uns einen Spiegel vorhalten und uns auffordern, eine andere Sicht einzunehmen.

Als Mutter und als Lehrerin habe ich es immer sehr eindrücklich gefunden, wie ernsthaft und ausdauernd die Kinder "theäterlet" haben. Als Lehrerin hat mich beeindruckt, wie sich gewisse Kinder – wenn sie eine Rolle erhalten – getrauen, aus sich herauszugehen. Theater ist Spiel und damit grosse Ernsthaftigkeit und Lust am Leben. Gutes Theater fasziniert und regt an.

Welche Auswirkung hat der Theaterbesuch auf den Schulalltag?

Als Schulleiterin kann ich diese Frage nicht so gut beantworten. Von dieser Warte aus gesehen, ist ein Theaterbesuch ganz sicher eine lustvolle Abwechslung des Unterrichtsalltags. Als Lehrerin hätte ich da noch andere Ansprüche. Da wäre es für mich wichtig, dass ich den Theaterbesuch vor- und nachbereite, dass er nicht isoliert im Schulalltag dasteht. Vielleicht wähle ich sogar bewusst einen Theaterbesuch zu einem Thema aus, das in der Klasse aktuell ist. Im besten Fall macht der Theaterbesuch Lust auf "selber Theater spielen". Aus meiner Erfahrung als Lehrerin weiss ich, wie ein solches Vorhaben Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung weiterbringt und trägt.

Wie beurteilen Sie die Qualität der ausgewählten Theaterstücke und das Begleitangebot (Roter Teppich, Kurzeinführung) zum Theaterfunken?

Leider ist es mir – trotz guten Vorsätzen – noch fast nie gelungen unsere schulinternen Kulturanlässe, bei denen der Besuch des Theaterfunkens ein fester Bestandteil ist, zu besuchen. Die Angebote kenne ich aber zum Teils aus den Impulsveranstaltungen, aus der Mitarbeit in einer Kulturkommission oder aus der Presse. Mit Wohlwollen stelle ich fest, dass die Theaterszene im Aargau sehr hochstehend, vielfältig und enorm fantasievoll ist. Hier eine Auswahl zu treffen, ist sicher nicht leicht. Aber die Tatsache, dass in Reinach meist ausgebucht ist oder gewisse Angebote im Nachfolgejahr nochmals gebucht werden können, spricht für eine gute Auswahl. Meist höre ich nur Gutes von Lehrpersonen und Kindern nach dem Theaterbesuch.

Das Begleitangebot finde ich sehr wichtig. Darum habe ich mich bei Chrege Lehmann auch stark dafür gemacht, dass der "Rote Teppich" an einem anderen Tag als während unserer Sperrzeit angeboten wird. Die Tatsache, dass auch andere Schulen sich in diesem Sinne bei ihr gemeldet haben, zeigt, dass das Interesse der Lehrpersonen daran hoch ist. Es wurde jetzt ein Zeitraum für den "Roten Teppich" gefunden, der für die meisten Interessierten ideal liegt.

Warum würden Sie anderen Schulen empfehlen Theater- und Kulturveranstaltungen fest im Schulalltag zu verankern?

Kultur ist für mich persönlich ein Lebenselixier. So zeigt sie mir zum Beispiel, wie der gewöhnliche Alltag erweitert und zum Ereignis werden kann. Sie hilft mir, meine innere und äussere Welt bewusster wahrzunehmen und verstehen zu lernen. Sie geht über das gewohnte Mass hinaus, verwundert, überrascht, lässt staunen. Obwohl wir nicht die Akteure sind, ermöglicht sie uns in ganz besonderer Weise aktiv zu sein und ist ein wunderbarer Gegensatz zu billigem Konsum. Sie deckt so viel Wesentliches ab, was uns als Menschen verbindet. Darauf sollten wir nicht verzichten. Nicht nur der Schulalltag, jeder Alltag braucht Perlen!

zurück