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born to shine

Tanztheater ab 14 Jahren

Junge Menschen mit bunten Kleidern
Foto: junges theater basel
drei Personen mit bunten Kleidern und eine Bratsche
Foto: junges theater basel

Dass wir geboren werden, um zu scheinen, steht ausser Frage. Fraglich ist nur: Wie werden wir scheinen? Was wählen wir aus? Was wählt uns aus? Unser Leben wird tagtäglich von einem Tsunami an Einflüssen geflutet. On- und Offline. Manchmal überwältigt uns die pure Menge, manchmal die Wucht und manchmal flimmert uns mitten im Überangebot die Langeweile an. Wir kennen alles, aber wir können uns nicht mit allem auskennen. Wir müssen auswählen, vertiefen und vor allem: dranbleiben. Dann gibt es vielleicht Übersicht. Dann haben wir die Chance, etwas wirklich zu beherrschen. Und eventuell ist die Kopie der Kopie ein neues Original.

Der Regisseur Sebastian Nübling, der Choreograph Ives Thuwis-De Leeuw und 14 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 23 Jahren suchen nach ihren ganz persönlichen Leidenschaften und stellen diese in Beziehung zu einer Welt, die bei weitem nicht überall scheint.

Spielorte

Bühne Aarau, Alte Reithalle – für 8. und 9. Klasse, Kantons- und Berufsschulen

DatumZeitAnzahl Plätze
Dienstag, 7. Dezember19:00 Uhr7 (öffentliche Vorstellung)
Mittwoch, 8. Dezember19:00 Uhr60 (öffentliche Vorstellung)

Roter Teppich

Dienstag, 23. November – 18:00 Uhr

Adresse

Bühne Aarau, Alte Reithalle, Apfelhausenweg 20, 5000 Aarau

Kosten

Fr. 10.– pro Schülerin oder Schüler

Kontakt

Nina Curcio, , Tel. 062 834 80 40, www.buehne-aarau.ch (öffnet in einem neuen Fenster)

Roter Teppich für Lehrpersonen

Am Roten Teppich erzählt der Dramaturg Uwe Heinrich von der Arbeitsweise des jungen theater basel. Insbesondere gibt er Einblick in die choreografische Arbeit mit den Jugendlichen und tauscht sich mit den Lehrpersonen über Einstimmungs- und Nachbereitungsmöglichkeiten aus.

  • Bühne Aarau, Alte Reithalle – Dienstag, 23. November – 18:00 Uhr

Theaterpädagogisches Begleitmaterial (PDF, 2 Seiten, 546 KB)

Hintergrundbericht

Mann mit Glatze und Bart Bild vergrössern
© Uwe Heinrich

Uwe Heinrich, Leiter, Theaterpädagoge und Dramaturg am jungen theater basel, erzählt in seinem Artikel, welche Fragen die Produktion "born to shine" thematisiert.

Menschen stehen in einem dunklen Raum Bild vergrössern
Foto: junges theater basel

Die Suche nach dem individuellen Ausdruck

In acht Wochen Probe haben 14 Jugendliche zwischen 15 und 23 Jahren gemeinsam mit dem Regisseur Sebastian Nübling und dem Choreographen Ives Thuwis nach ihren ganz persönlichen Leidenschaften gesucht. Die Frage "Warum tun wir, was wir tun?" wurde auch in den Kontext der digitalen Möglichkeiten unserer Zeit gestellt. Soziale Medien füttern uns ständig mit News und diversen Challenges. Das kann anregend oder ablenkend, vereinsamend oder vernetzend sein. Ignorieren kann man diese Einflüsse nicht. Der Abend zeigt Jugendliche bei der Suche nach ihrem ganz individuellen Ausdruck in dieser an Möglichkeiten schier überbordernden Zeit. Woran sich orientieren? Worin sich vertiefen? Denn die Entscheidung für ein Thema, ist gleichzeitig auch eine Absage an hundert andere Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit verdienen würden. Die Spielerinnen und Schauspieler haben sich gefragt, warum sie gerade diese oder jene Leidenschaft entwickelt haben. Wieso sie nicht von anderen fasziniert wurden? Und was sie daran festhalten lässt? Neben allen Arten von musischen wurden verschiedenste sportliche, den Körper herausfordernde, Obsessionen beschrieben – bald schon konkurriert vom Interesse an politischen Themen. Einige Texte, die das zu beschreiben versuchen, kommen im Stück vor.

Frauen am Boden in dunklem Raum Bild vergrössern
Foto: junges theater basel

Vertiefte Auseinandersetzung

Als Einstimmung könnte die Aufgabe, einen Text mit einer solchen Selbstbefragung zu schreiben, eine gute Verbindung zwischen den Schülerinnen, Schülern und den Spielerinnen und Schauspielern herstellen. Denn das Grundprinzip des "jungen theaters basel" besteht darin, dass die Zuschauenden durch ganz normal Jugendliche auf der Bühne gespiegelt werden. Natürlich haben die Spielerinnen und Schauspieler eine grosse Leidenschaft für Theater, aber sie sind gleichzeitig auch wie andere Jugendliche sehr breit interessiert. Das Bewegungsmaterial für diesen Tanztheaterabend wurde in der Auseinandersetzung mit aktuellen Posts in den Sozialen Medien gewonnen. Die Herausforderung bestand darin, einerseits popkulturelle Codes zu bedienen und andererseits Individualität zu bewahren. Exemplarisch wird das an einem choreographischen Schnipsel aus HowYouLikeThat der K-Pop Formation BLACKPINK durchgespielt. Im Klassenzimmer könnten adäquat die aktuellen choreographischen Challenges auf Tik Tok angeschaut werden, um sich an ein paar zu beteiligen. Die unterschiedlichen Körper und deren Beherrschung werden sehr unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. Der überraschende Aspekt von vielen Tik Tok Challenges ist die Lust an der Differenz und originellen Interpretation der Herausforderung und nicht deren sklavische Repetition. Die Interpretation des Titels "born to shine" kann in einen Text über die Vision des einen strahlenden Momentes oder in die die Beschreibung des "Lebensauftrages" oder zu einem Manifest der eigenen Prinzipien führen. Die Kombination eines solchen Textes mit choreographischen Abläufen aus Tik Tok Challenges öffnet den Blick für die interpretierbare Ebene des Gestischen. Auch in der Vorstellung kommen ja choreographische Elemente aus der Popkultur vor. Schon die Präsentation auf einer Bühne im Reallife fordert eine Neuinterpretation. Kommen dann noch Texte dazu, öffnet sich der Assoziationshorizont durch die Verfremdung. Nach ähnlichem Prinzip kann eine Liste mit Dingen, die die Schülerinnen und Schüler wütend machen mit passenden und unpassenden Bewegungen verlebendigt werden. In "born to shine" gibt es eine solche Liste mit über 200 Punkten, die die Spielerinnen und Spieler zusammengetragen haben.

Ich mag, dass es dabei nicht um mich geht, sondern um uns. Ich bin Teil von etwas Grösserem. Hier wird auf ein Ziel hingearbeitet.

Paula Krneta, Performerin

Im Nachgang zum Theaterbesuch

In einer Nachbereitung wäre es sicher aufschlussreich, welche Aspekte die Schülerinnen und Schüler erinnern, welche sie teilen, ablehnen oder, wie sich eine solche Liste bei ihnen anhören würde. Schon innerhalb einer Klasse wird es nicht möglich sein, sich auf eine Priorisierung zu einigen. Was das für das notwendige Engagement zur Lösung einer dieser "Aufreger" bedeutet, zeigen uns die täglichen Nachrichten. Trotz aller "Empörungskultur" bleiben sehr viele Themen nach der Benennung unbehandelt. Man kann es bei den Schülerinnen und Schüler ja trotzdem noch einmal mit den Fragen versuchen: Was bringt dich zu mehr als nur zum Klagen? Was holt dich (wirklich) aus dem Sessel heraus? Die Inszenierung eines akustischen und/oder gestischen Nachrichtentsunamis im Klassenzimmer kann sowohl vor – als auch nach – dem Vorstellungsbesuch ein gutes Mittel sein, um mit einer kreativen Gestaltung die vielfältigen Inputs zu verdeutlichen, denen wir täglich ausgesetzt sind. Mit der anschliessenden Erörterung, worauf wir wie reagieren – vielleicht eben auch mit scheinbarem Nichtreagieren und oder Ablenken – führt vielleicht wieder zum Titel: "born to shine".

Text: Uwe Heinrich

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