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Ausgrabung am Hexenturm in Melligen

Blick auf die Ausgrabung dirkt beim Hexenturm in Melligen.

Neben dem Hexenturm in Mellingen soll ein moderner Neubau entstehen. Deshalb führte die Kantonsarchäologie vorgängig eine Ausgrabung durch – und zwar ausgerechnet während den heissen Sommertagen von Juli bis August.

Der Neubau schliesst die Häuserzeile an der Scheunengasse – bis vor kurzem wurde die Parzelle nämlich hauptsächlich als Garten genutzt. Doch bis vor 120 Jahren standen dort mehrere Häuser, die 1902 einem Brand zum Opfer fielen.

Die mit dem Neubauprojekt einhergehenden Bodeneingriffe erlaubten es der Kantonsarchäologie erstmals überhaupt, einen vertieften Einblick in den Untergrund des um 1230/40 von den Grafen von Kyburg gegründeten Städtchens zu erhalten.

Übersicht der Grabungsfläche nach dem ersten Abtrag. Sichtbar sind Mauern ehemaliger Gebäude sowie eine frühneuzetliche Jauchegrube und eine Steinpflästerung. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Tatsächlich kamen Funde und Befunde aus über 800 Jahren Stadtgeschichte zutage! Die ältesten Funde stammen aus den 12. Jahrhundert und belegen eine Begehung oder Besiedlung des Areals bereits in vorstädtischer Zeit. In die Frühzeit der Stadt gehören das 1,70 Meter breite Fundament der Stadtmauer sowie ein daran stossender, ein Meter breiter Mauerwinkel, der aufgrund seiner Lage an der Nordwestecke der Stadt als Vorgängerbau des Hexenturmes zu deuten ist, der etwa um 1300 oder in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.

Spuren des Stadtbrandes von 1505

Blick auf die ausgegrabBlick auf die ausgegrabene Stadtmauer.ene Stadtmauer.
Die Reste der Stadtmauer kamen unmittelbar unterhalb der Gartenerde zum Vorschein. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Im Spätmittalter baute man mehrere rechtwinklig zur Stadtmauer stehende Gebäude. Ausplanierter Brandschutt deutet auf einen Brand im 15./16. Jahrhundert hin. Möglicherweise handelt es sich um Spuren des grossen Stadtbrandes von 1505.

Die Häuserzeile wurde in der Folgezeit erneuert und erweitert; der Befestigungsbau im Nordwesten wurde abgebrochen. Aus frühneuzeitlicher Zeit stammen ausserdem mehrere Mörtelgruben, Schächte sowie eine vermutlich als Gehweg dienende Steinpflästerung, auf der ein Rappen von 1797 verloren ging. Zu den jüngsten, vor dem Brand von 1902 datierenden Spuren gehören die Erneuerung eines Jaucheschachtes sowie ein Wasseranschluss.