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Im Fokus

Willkommen auf der Fokus-Seite von Bibliothek und Archiv Aargau. Hier finden Sie einmalige Bilder, brisante Aussagen, spannende Hintergründe, historische Dokumente, interessante Literaturempfehlungen, Veranstaltungshinweise und weiterführende Links zu unserem Jahresthema.

Aus den reichen Schätzen von Bibliothek und Archiv Aargau wählt das Jahresthema relevante Aspekte aus und lädt zu eigenen Entdeckungen ein. Die Fokus-Seite erzählt aktuell die lange Geschichte zum Frauenstimmrecht im Aargau und zeigt Bilder aus dem Ringier Bildarchiv über den Kampf ums Frauenstimmrecht in der Schweiz. Tiefere Einblicke zum Thema gewähren die Literaturtipps der Kantonsbibliothek, die den unterschiedlichsten Stimmen Gehör verschaffen. Ausgesuchte Quellen der Kulturfreiwilligen überraschen mit haarsträubenden Ansichten und Gegenansichten über die "Frau".

Im Fokus 2021: Der Kampf ums Frauenstimmrecht im Aargau

Pro: Die Frau bezahlt aber auch, speziell die Ledige oder die Verwitwete dem Staat ihre Steuern. Nach dem Grundgesetz: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte, ist es daher der Frau nicht im geringsten zu verargen, wenn sie auch tatsächlich diese Rechte für sich beansprucht, die ihr nach Recht und Billigkeit gehören. Das naive Argument, die Frau sei geistig minderwertig, weil ihr Gehirn kleiner sei, als das des Mannes und sie sei infolgedessen nicht qualifiziert diese Rechte gut und zum Nutzen der Allgemeinheit auszuüben, wird heute bei ernsthaften Leuten wohl nirgends mehr Anhänger finden.Votum von Grossrat Arthur Widmer, FDP / Kontra: Wenn die Frau im Hause ihre Pflicht erfüllen will, die Kinder erziehen, flicken, waschen, kochen etc., kann sie keine Zeitung mehr lesen und keine Politik treiben, zu der oft nicht einmal der Mann Zeit findet. Votum von Grossrat Ferdinand Wiederkehr, CVP
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue
1959: Erste Eidgenössische Abstimmung, Ja-/Nein-Stimmen Kanton Aargau: 17919 Ja, 60825 Nein / 1971: Zweite Eidgenössische Abstimmung, Ja-/Nein-Stimmen Kanton Aargau: 39469 Ja, 39229 Nein
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue
Ursula Mauch, Erste Aargauer Nationalrätin 1979 bis 1995, "Durch mein Studium am Technikum in der Chemieabteilung hatte ich genug Erfahrung in Männergesellschaften. Es ist mir daher nicht aufgefallen in der Politik."
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue
Elisabeth Schmid-Bruggisser, Erste Aargauer Grossratspräsidentin, 1985/1986, "Als erst Frau im höchsten Amt stand ich damals unter spezieller Beobachtung. Am Anfang sagten die Regierungsräte wie immer 'Herr Präsident, meine Damen und Herren'. Sie mussten sich zuerst daran gewöhnen, dass nun eine Frau den Vorsitz hat."
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue
Stéphanie Mörikofer, Erste Aargauer Regierungsrätin 1993 bis 2001, "Ein Problem von uns Frauen ist, dass wir uns viel zu sehr um die sachliche politische Arbeit kümmern und versuchen, diese richtig zu machen. Wir sind ja dazu erzogen, immer etwas besser sein zu müssen, um zu bestehen."
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue
Christine Egerszegi-Obrist, Erste Aargauer Ständerätin 2007 bis 2015, "Es sind vier Bisherige, die kandidieren, und nur eine einzige Frau. Ich war damals überall die erste Frau, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wir im Kanton wieder eine reine Männerdomäne haben. Ein Aargau ohne Frau in der Regierung, das wäre ein Rückschritt."
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue
Doris Leuthard, Erste Aargauer Bundesrätin 2006 bis 2018, "Es ist schon so, dass man als Politikerin besonders beäugt wird, beäugt auch im Wortsinn. Man muss damit umgehen lernen, dass auch Äusserlichkeiten wie die Kleidung und die Frisur kritisch beurteilt werden. Und gerade als neue Parlamentarierin in Bern muss man in den Dossiers mehr überzeugen, bis man respektiert wird. Diesen Respekt müssen sich die Frauen in allen Parteien hart erarbeiten."
© Kanton Aargau / Grafik: belle vue

Die Ausstellung im Grossratsgebäude zeigt einen weiteren Schritt auf dem Weg zur direkten Demokratie: Der Kampf ums Frauenstimmrecht.

Mit dem allgemeinen Stimm- und Wahlrecht, Referendum und Initiative hatte die Schweiz seit dem 19. Jahrhundert das direktdemokratischste System Europas – allerdings nur für Männer. Vereinzelt tauchte die Frage des Frauenstimmrechts bereits ab den 1860er-Jahren in der Schweiz auf, nach den beiden Weltkriegen wurde sie rege diskutiert. Zahlreiche Länder gewährten den Frauen um 1918 respektive 1946 politische Rechte.

Der Weg zum Aargauer Frauenstimmrecht war steinig. 1971 nahmen die Aargauer Männer das Frauenstimmrecht auf kantonaler und eidgenössischer Ebene an. Zu diesem Zeitpunkt war die einstige Vorzeigedemokratie Schweiz längst ins Hintertreffen geraten – nur in Kuwait, Saudi-Arabien, und einer Handvoll anderer Staaten waren die Frauen noch länger von der politischen Mitsprache ausgeschlossen.

Die Debatte

Die Debatte

Die Aargauerinnen, die aus Verfassungsgründen nicht am politischen Prozess teilnehmen konnten, schlossen sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Vereinen zusammen. Der kantonale "Verband für Frauenbildung und Frauenfragen" sammelte im Jahr 1918 Unterschriften für eine Petition, um "die hohen Behörden" zu bitten, "auch den aargauischen Frauen das Stimmrecht in Kirchen-, Schul-, Armen- und Krankensachen zu verleihen". Die Petition, welche mit 7327 Unterschriften eingereicht wurde, unterstützte eine gleichlautende erste Motion im Aargauer Grossen Rat, der noch drei weitere folgten.

Die Abstimmungen

Die Abstimmungen

Die Sektion Aarau des Schweizerischen Verbandes für Frauenstimmrecht druckte Briefmarken, Broschüren und Karten. Die Frauen beteiligten sich an Podiumsdiskussionen, versammelten und engagierten sich – und die Männer entschieden. Die erste eidgenössische Abstimmung zum Frauenstimmrecht wurde 1959 mit Wucht abgelehnt. 1968 wehrten sich die Frauen, als der Bundesrat die europäische Menschenrechtskonvention unter Ausschluss des Frauenstimmrechts unterzeichnen wollte. Am 7. Februar 1971 nahmen die Aargauer Stimmbürger die kantonale und die eidgenössische Vorlage zur Einführung des Frauenstimmrechts mit einem hauchdünnen Mehr an.

Die Pionierinnen

Die Pionierinnen

Seit 50 Jahren kann die Aargauer Bürgerin stimmen, wählen und gewählt werden. Während andere Kantone bereits 1971 Frauen nach Bundesbern sandten, war dies im Aargau 1979 der Fall. Bis im Jahr 2021 vertraten 20 Nationalrätinnen und zwei Ständerätinnen bzw. 189 Nationalräte und 36 Ständeräte die Interessen des Aargaus. Im Grossen Rat des Kantons Aargau liegt der Frauenanteil 2021 bei 32  Prozent bzw. 45 von 140 Sitzen, im Regierungsrat bei 0 Prozent.

© Kanton Aargau. Foto: Fabio Baranzini
© Kanton Aargau. Foto: Fabio Baranzini
© Kanton Aargau. Foto: Fabio Baranzini
© Kanton Aargau. Foto: Fabio Baranzini

Viele wünschen sich heute einen höheren Frauenanteil in den politischen Gremien. Als Verantwortlicher für Kandidaturen auf verschiedenen Stufen unseres Gemeinwesens habe ich in den letzten Jahren ungezählt viele Leute für Kandidaturen für diverse Ämter angefragt. Und es fällt auf, dass halt leider viele Frauen zweifeln, ob sie denn auch wirklich befähigt sind für das Amt. Und deshalb mein Ruf an alle Frauen da draussen: JA - Sie können das! Zudem hat sich eine Partei, die Sie allenfalls angefragt hat, ja auch Gedanken gemacht zu Ihrer Kandidatur und traut es Ihnen zu. Und Parteien täuschen sich darin in der Regel nicht! Also: Es stehen Wahlen an in den Gemeinden – ich freue mich auf viele Kandidatinnen!

Pascal Furer, SVPGrossratspräsident

Das Frauenstimmrecht im Ringier Bildarchiv

  1. Bildlegende: Die ersten 12 Nationalrätinnen stehend von links Elisabeth Blunschy-Steiner, Hedi Lang, Hanny Thalmann, Helen Meyer, Lilian Uchtenhagen, Josi Meier, Hanna Sahlfeld, sitzend Tilo Frey, Gabrielle Nanchen, Liselotte Spreng, Martha Ribi und Nelly Wicky, Bern, 29.06.1972
    Die ersten 12 Nationalrätinnen
  2. Urnengang zur Zweiten Eidgenössischen Abstimmung über das Frauenstimmrecht 1971 in Zürich, 07.02.1971
    Zweite Eidgenössische Abstimmung 1971
  3. Mit Trillerpfeifen demonstrieren Schweizer Frauen beim Marsch nach Bern für ihre Gleichberechtigung, 1.3 1969
    Trillerpfeifen beim Marsch nach Bern 1969
  4. Marsch nach Bern - Demonstrantin mit Transparent vor Bundeshaus, 1.3.1969
    Demonstrantin beim Marsch nach Bern 1969
  5. Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Frauenmarsch nach Bern, 1.3.1969
    Frauenmarsch nach Bern 1969
  6. Aarauerinnen beim ersten Wahlgang bei der Wahl für die Kirchensynode, 1.4.1962
    Ersten Wahlgang bei der Wahl für die Kirchensynode
  7. 50. Generalversammlung des Schweizer Verbandes für Frauenstimmrecht, Aarau, 3.6.1961
    Schweizer Verband für das Frauenstimmrecht Aarau
  8. Landsgemeinde Trogen bei der Abstimmung zum kantonalen Frauenstimmrecht, 1984
    Ein klares Nein bei der Abstimmung in Troggen 1984
  9. Während dem "Frauenmarsch nach Bern" werden die Tramgleise blockiert, Bern 1.3.1969
    Blockierte Tramgleise beim Marsch nach Bern

Im Ringier Bildarchiv finden sich eindrückliche Einblicke in den Kampf ums Frauenstimmrecht. Diese Fotosammlung wurde extra für das Jubiläum digitalisiert und wird fortlaufend ergänzt.

Ringier Bildarchiv (öffnet in einem neuen Fenster)

"Foto à Gogo" zum Frauenstimmrecht

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Die erste Folge der neuen Show "Foto à Gogo" – eine Kooperation zwischen dem Ringier Bildarchiv und dem Stadtmuseum Aargau – zeigt und erklärt Bilder aus dem Archiv zum Frauenstimmrecht. Moderiert wird die Show vom Künstler und Historiker Simon Hari. Zu Gast in der ersten Folge ist Anna Rosenwasser.

"Foto à Gogo" im Stadtmuseum Aarau (öffnet in einem neuen Fenster)

Freiwillige entdecken: der lange Weg zum Frauenstimmrecht

Kulturfreiwillige recherchieren in den Archiven, Sammlungen & Beständen von Bibliothek und Archiv Aargau zum diesjährigen Fokus. Anhand brisanter Zitate spannen sie den Bogen vom 6. Jahrhundert bis zur Gegenwart und zeigen auf, dass dem späten Erfolg in der Geschichte der Gleichstellung jahrelanges, zähes Umdenken vorangegangen ist. Entdecken Sie die Posts hier oder direkt auf den Social Media-Kanälen.