Navigation

Sprunglinks

zurück

1929 / 1959

Ist das Bedürfnis nach Macht ein männliches? Und ist der Wunsch nach politischer Mitbestimmung immer mit dem Wunsch nach Macht verbunden? Der beliebte "Aargauer" Albert Einstein äusserte sich 1929 dazu aus heutiger Sicht eher unsympatisch.

"Unter den Weibern kämpfen nur solche mit männlichem Einschlag für das Frauenstimmrecht" - Albert Einstein
© Kanton Aargau
"Wenn eine Frau 'vermännlicht' wird, so geschieht das aus ganz anderen Gründen als aus politscher Bestätigung." - C. G. Jung
© Kanton Aargau
Öffentlicher Brief von C. G. Jung 1959
© StAAG
Sammelaktion des Schweizerischen Frauenkomitees gegen das Frauenstimmrecht
© StAAG
Argumente des Schweizerischen Frauenkomitees gegen das Frauenstimmrecht
© StAAG

Kontext

Eines der Gegenargumente im Kampf um das Frauenstimmrecht war die verbreitete Meinung, das Frauenstimmrecht würde die Frau "vermännlichen", weil sie sich mit Machtthemen auseinandersetzen müsse. 1929 startete die Frauenkomission der SP Schweiz eine nationale Petition. Die Tochter sowie der jüngere Sohn Albert Einsteins beteiligten sich an der Unterschriftensammlung. Vater Einstein war sich der Bedeutung dieser Petition noch nicht bewusst und liess sich zu dieser uncharmanten Aussage hinreissen:

Unter den Weibern kämpfen nur solche mit männlichem Einschlag für das Frauenstimmrecht.

Albert Einstein1929

Als die Debatte um das Frauenstimmrecht in der Schweiz immer hitziger wurde, meldete sich 1959 auch der berühmte Psychiater C. G. Jung in einem öffentlichen Brief. Er äusserte sich mit Unverständnis darüber, weshalb man ihm eine gegnerische Haltung andichten würde, schliesslich sei er "aus Erfahrung zu tief beeindruckt von der Festigkeit und Zähigkeit der weiblichen Natur". Der Auffassung, dass Politik männlich sei und Frauen sich besser mit anderen Themen beschäftigen sollten, waren aber nicht nur Männer. Das Schweizerische Frauenkomitee gegen das Frauenstimmrecht setzte sich aktiv gegen die Einführung dieses aus heutiger Sicht selbstverständlichen Rechts ein. Einer ihrer genannten Argumente:

Ausserhalb des politischen Kampffeldes gibt es für uns viel wirksamere Möglichkeiten, uns in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. [...] Diese Mitarbeit (gemeint sind Armenwesen, Kirche und Schule) entspricht dem weiblichen Wesen viel mehr als politische Auseinandersetzungen.

Schweizerisches Frauenkomitee gegen das Frauenstimmrecht1958

Spannend ist aber vor allem C. G. Jungs Auffassung darüber, was denn zu einer effektiven "Vermännlichung" einer Frau führen würde:

Wenn eine Frau 'vermännlicht' wird, so geschieht das aus ganz anderen Gründen als aus politscher Bestätigung. [...] Die unangenehme Machtform des weiblichen Animus trifft man immer dort an, wo das natürliche weibliche Gefühl nicht zu Worte kommt oder in minderwertiger Weise erledigt wird.

C. G. Jung1959
zurück