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Frühlingsputz in Zuzgen

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg in Zuzgen wurde 1901/02 nach Plänen des renommierten St. Galler Architekten August Hardegger errichtet. Seit 1974 steht sie als eine der wenigen neugotischen Kirchen im Aargau, die mit ihrer kompletten bauzeitlichen Ausstattung überkommen ist, unter kantonalem Denkmalschutz. Aktuell wird mit einer Innenreinigung der alte Glanz unter russgeschwärzten Schichten wieder hervorgeholt.

Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Aussenansicht, 2002. Bild vergrössern
Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Aussenansicht, 2002, © Kantonale Denkmalpflege Aargau (Beat Zimmermann, Rheinfelden).

1878 erliess Rom ein Verbot, die katholische Messe in Lokalitäten abzuhalten, die von Christkatholiken mitbenützt wurden. In der Folge versammelte sich die römisch-katholische Pfarrgemeinde Zuzgen nur noch zur Predigt in der Dorfkirche, während sie für die Feier des Abendmahls ins Obergeschoss des nahegelegenen Pfarrspeichers auswich. Das Notlokal versah den Dienst so lange, bis die Gemeinde die Hoffnung begrub, die alte Kirche je wieder uneingeschränkt in Gebrauch nehmen zu können. Angespornt durch den jungen Pfarrer Fridolin Suter fällte sie schliesslich den Entscheid zum Bau eines eigenen Gotteshauses. Auf einem Grundstück jenseits der Strasse, nur wenige Meter von der Dorfkirche entfernt, wurde die neue römisch-katholische Kirche 1901/02 nach Plänen des bedeutenden St. Galler Architekten August Hardegger (1858–1927) im neugotischen Stil errichtet. Für die Innenausstattung beauftragte man namhafte Künstler und Kunsthandwerker wie den Altarbauer Eugen Bürli aus Klingnau und den Glasmaler Carl Holenstein aus Rorschach.

Wieder geliebte Neugotik

Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Kircheninneres mit Verschmutzungen, 2019. Bild vergrössern
Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Kircheninneres mit Verschmutzungen, 2019, © Kantonale Denkmalpflege Aargau (Christine Seiler, Zürich).

Der kunsthistorische Wert der Pfarrkirche St. Georg in Zuzgen wurde bereits zu einer Zeit erkannt, als man die historistische Neugotik noch vielerorts geringschätzte und zahlreiche Kirchen ihrer neugotischen Ausstattung entledigte. In den Jahren 1972–1974 fand, begleitet durch die Denkmalpflege, eine umfassende Aussen- und Innenrestaurierung mit dem Ziel statt, die Kirche und insbesondere ihre originale liturgische Ausstattung zu erhalten. Gleichzeitig erfolgte 1974 die kantonale Unterschutzstellung. Heute zählt die Kirche zu den wenigen neugotischen Sakralbauten im Kanton, die noch über ihre gesamte bauzeitliche Ausstattung verfügen. Hierzu gehört neben der originalen Farbigkeit und den kostbaren Glasmalereien auch das liturgische Mobiliar mit drei reichgeschnitzten Altären und der Kanzel.

Kerzenruss und Kaltluftwalze

Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Baustelle während der Trockenreinigung, 2019. Bild vergrössern
Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Baustelle während der Trockenreinigung, 2019, © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Nachdem das Kircheninnere 2002 gereinigt worden war, zeigt es sich heute erstaunlich verschmutzt. Dazu trugen die Verwendung von russenden Kerzen sowie der bisherige Heizbetrieb mit einer relativ hohen Innentemperatur bei. Die Kirche bedarf nun erneut einer Innenreinigung und die ersten Arbeiten sind bereits im Gange. Durchgeführt wird ein objektspezifischer, mehrstufiger Reinigungsprozess mit einer umfassenden Trocken- und einer partiellen Nassreinigung. Gerade die feuchte Reinigung der mit wasserlöslicher Leimfarbe gestrichenen Wände im Langhaus ist diffizil und erfordert besonderes Fingerspitzengefühl. Die ersten Ergebnisse aber überzeugen und rechtfertigen den Aufwand.

Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, erste Ergebnisse der Nassreinigung, 2019. Bild vergrössern
Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, erste Ergebnisse der Nassreinigung, 2019, © Kirchenpflege Zuzgen.

Um einer erneuten Verschmutzung entgegenzuwirken, wird nun auch das Heiz- und Lüftungsregime optimiert. Künftig soll die Kirche ganz langsam und nur zu Belegungszeiten auf höhere Temperaturen aufgeheizt werden. Damit tut man ausserhalb der Gottesdienstzeiten einem altbewährten Grundsatz Genüge, der besagt, dass kalte Kirchen schön bleiben. Da sich die Raumtemperatur für Kirchgänger aber nicht kalt, sondern angenehm anfühlen soll, wird mit einem ausgeklügelten Steuerungssystem die Kaltluftwalze reduziert und damit unerwünschte Zugluft minimiert. Mit einer automatischen Belüftung soll das Raumklima zusätzlich reguliert werden. Zu diesem Zweck erhalten zwei Fenster im Kirchenschiff einen motorisierten Antrieb, mittels welchem sich ihre Lüftungsflügel ganz leicht per Fernsteuerung öffnen und schliessen lassen. Bei dieser Gelegenheit werden auch punktuell Schäden an den Kirchenfenstern repariert. Durch Temperatur- und Wettereinwirkungen sind die Glasfenster nämlich teilweise so versehrt, dass einzelne Scheiben aus den deformierten Bleifassungen zu fallen drohen.

Offene Baustelle

Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Tag der offenen Baustelle, 2019, © Kantonale Denkmalpflege Aargau. Bild vergrössern
Zuzgen, römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg, Tag der offenen Baustelle, 2019, © Kantonale Denkmalpflege Aargau.

Am 8. Mai 2019 lud die römisch-katholische Kirchgemeinde Zuzgen zu einem Tag der offenen Baustelle ein. Interessierte Besucherinnen und Besucher bekamen dabei Einblick in die laufenden Arbeiten am wertvollen Baudenkmal. Kirchenpflegepräsident Klaus Hollinger berichtete, weshalb die Innenreinigung durchgeführt und wie sie finanziert wird. Gemeinsam mit Isabel Haupt von der Kantonalen Denkmalpflege erläuterte er wichtige Momente in der Bau- und Restaurierungsgeschichte von St. Georg. Der Spezialist von hbTec zeigte die Funktionsweise einer automatisierten Heizungstechnik auf. Die Restauratoren der Firma Buess erklärten, wie die fachgerechte Innenreinigung die ursprüngliche Wirkung sakraler Räume wiederherstellen und somit die Restaurierungsintervalle verlängern kann. Bei einer abschliessenden Demonstration der einzelnen Reinigungsschritte überzeugten sich die Gäste, wie wirkungsvoll gezieltes Staubwedelschwingen und Latexschwammstreichen ist. Ab dem 15. Juni 2019 öffnet die herausgeputzte Kirche wieder für alle ihre Tore.

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