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Aargauer Pfahlbauten

Das UNESCO-Welterbe "Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen" zeichnet sich durch seinen Fundreichtum aus. Es gewährt einen einmaligen Einblick in das Leben der frühen Bauern am Hallwilersee.

Zwei Pfahlbaufundstellen im Aargau gehören zum Welterbe:

Welterbe Pfahlbauten

Die Pfahlbauten sind einzigartig: Im Wasser und unter Sauerstoffabschluss haben sich leicht vergängliche organische Materialien wie Holz, Textilien und pflanzliche Reste hervorragend erhalten. Diese Dinge vergehen normalerweise im Boden und finden sich dadurch in normalen Ausgrabungen nicht.

Seit 2011 sind 111 Pfahlbaufundstellen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Slowenien und der Schweiz Teil des UNESCO-Welterbes. Damit ist gemäss der Welterbekonvention die Verpflichtung verbunden, dieses gemeinsame Erbe der Menschheit zu erhalten und zu schützen. Im Kanton Aargau ist dafür die Kantonsarchäologie zuständig. Aber das gemeinsame Erbe gehört uns allen und wir wollen Sorge dazu tragen und es wertschätzen.

Seengen-Riesi

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Seengen-Riesi, 1923. Archiv der Kantonsarchäologie Aargau.

Auf der Halbinsel Riesi lebten zwischen etwa 1050 und 850 vor Christus bronzezeitliche Bauern. Sie errichteten ihre Häuser auf unsicherem Grund. Der sumpfige Boden war so weich, dass die Gebäude innerhalb weniger Jahre so weit einsanken, dass sie unbewohnbar wurden. Über ihren Resten wurde neu gebaut. Für die Archäologie ist das ein Glück, da die Hölzer solcher Feuchtbodensiedlungen erhalten bleiben, wenn sie dauerhaft unter Wasser liegen. Über 1,50 Meter dick war die Schicht aus Bauresten und Abfällen, als das Dorf vor fast 2900 Jahren endgültig aufgeben wurde.

Archivaufnahme der AUsgrabung von 1923. Bild vergrössern
Seengen-Riesi 1923. Posthalter Arnold Hauri im Sondierschnitt. Archiv Kantonsarchäologie Aargau.

Die Entdeckung im Jahr 1923

Schon im Jahr 1923 führte die Historische Vereinigung Seengen auf der Riesi archäologische Ausgrabungen durch. Dabei legten Lehrer Bosch und Posthalter Hauri ein Gebäude von 6,3 x 4,4 Meter Fläche frei. Es war der erste bronzezeitliche Grundriss, der in der Schweiz entdeckt wurde. Der Fussboden ruhte auf einer Unterkonstruktion aus Balken. Die Wände bestanden aus Flechtwerk und Lehm. Darunter konnten Reste noch älterer, offenbar in anderer Bautechnik errichteter Häuser dokumentiert werden.

Zwischen den Bauhölzern verstreut lag der Abfall der Bronzezeit: Tonscherben und Tierknochen, Getreidekörner und Haselnüsse, Speiseabfälle und Mist, aber auch Mahlsteine für das Getreide, Glasperlen und Bronzeschmuck.

Unangetastet im Boden

Bei den Arbeiten vor rund 100 Jahren wurden nicht mehr als 2% der bronzezeitlichen Siedlung ausgegraben und im Gegensatz zu fast allen anderen Voralpenseen wurde der Hallwilersee nie tiefergelegt. Die spätbronzezeitliche Fundstelle auf der Halbinsel Riesi ist daher eine der am besten erhaltenen Feuchtbodensiedlungen in der Schweiz. Die Halbinsel Riesi ist Naturschutzgebiet: es gibt weder Bauten noch Bodeneingriffe. Dadurch bleibt die Pfahlbausiedlung im Boden unangetastet.

Seengen-Riesi. Nadeln aus Bronze zum Verschliessen der Kleider.
.Seengen-Riesi. 3000 Jahre alte Glasperlen
Seengen-Riesi. Aus dem Geschirrschrank der Pfahlbauer...
Seengen-Riesi. Eine Schale mit Ritzdekor.
Seengen-Riesi. Ein Becher.

Beinwil-Ägelmoos

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Beinwil-Ägelmoos, 2017. Foto Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Beinwil-Ägelmoos wurde erst 1996 entdeckt. Im Winter 1996 untersuchten Forschungstaucher im Auftrag der Kantonsarchäologie die Ufer des Hallwilersees. Sie sollten noch unbekannte Pfahlbaufundstellen entdecken. In der Tat wurden sie fündig: Im Ägelmoos zwischen Beinwil und Birrwil stiessen sie auf Überreste aus der Pfahlbauzeit. Hier hatten Pfahlbauten auf einer nur 50 x 30 m grossen Insel direkt vor dem Ufer des Hallwilersees gestanden.

Bis 2017 war die Fundstelle der Erosion durch Schiffsverkehr, Schiffsanker und Wellenschlag ausgeliefert. Deshalb hat man sie mit einer Schutzdecke aus Vlies und Kies versehen. Die Fundstelle ist nun mindestens 50 Jahre geschützt.

Wichtige neue Erkenntnisse

Die Funde belegen mindestens 5 Siedlungsphasen. Sie reichen vom 5. Jahrtausend vor Christus bis in die Spätbronzezeit um 1000 vor Christus. Archäologische Funde und botanische Reste stammen überwiegend aus der Frühbronzezeit. Sie datieren zwischen 1880 und 1620 vor Christus. Damit liefern sie wichtige neue Erkenntnisse zu einem Zeitabschnitt, aus dem nur wenige Pfahlbauten bekannt sind.

Beinwil-Ägelmoos. Spinnwirtel am Seegrund.
Beinwil-Ägelmoos. Ein 4000-jähriger Wildapfel. Eingeschweisst in einen wassergefüllten Beutel.
Beinwil-Ägelmoos. Ein Messer aus Bronze aus der Zeit um 1000 vor Christus (Spätbronzezeit).
Beinwil-Ägelmoos. Bauelemente aus Holz. Unterwasseraufnahme.
Beinwil-Ägelmoos. Ein Pfahlschuh (Bauelement) aus Holz. Unterwasseraufnahme.
Beinwil-Ägelmoos. Ein kleiner Egli sucht Nahrung in der spätbronzezeitlichen Schale am Seerund.
Beinwil-Ägelmoos. Die Schale im Labor vor der Freilegung.
Beinwil-Ägelmoos. Ein Netzsenker. Er beschwert das Fischernetz.
Beinwil-Ägelmoos. Ein Netzschwimmer. Er hält das Fischernetz senkrecht im Wasser.
Beinwil-Ägelmoos. Verzierte Randscherbe eines grobkeramischen Topfes (Frühbronzezeit).
Keramikscherbe.
Beinwil-Ägelmoos. Randfragment eines feinkeramischen Gefässes.
Beinwil-Ägelmoos. Das älteste Keramikgefäss des Kantons Aargau. Es stammt aus der Zeit um 4200 vor Christus (Jungsteinzeit)

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Pfahlbaukoffer für Schulen

Eine Schublade des Pfahlbaukoffers

Die Kantonsarchäologie Aargau bietet Schulen einen Pfahlbaukoffer zur Ausleihe für den Unterricht an. Er enthält Originalfunde aus der Zeit der Pfahlbauten (etwa 4300−800 v.Chr.) und Nachbildungen.

Der Pfahlbaukoffer kann zu einem Preis von Fr. 50.– beim Kundendienst Museum Aargau unter der Telefonnummer 0848 871 200 für eine Woche ausgeliehen werden. Er muss im Vindonissa Museum abgeholt und wieder zurückgebracht werden.

Begleittexte Pfahlbaukoffer (PDF, 51 Seiten, 3.3 MB)

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