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Klimastrategie Kanton Aargau

In seiner Klimastrategie zeigt der Regierungsrat gegenüber der Bevölkerung, der Wirtschaft, den Gemeinden und der Politik auf, wo der Kanton Aargau die Schwerpunkte zur Bewältigung des Klimawandels setzt und welche Massnahmen er ergreift.

Beim Klimaschutz unterstützt der Regierungsrat das Abkommen von Paris und somit die klimapolitischen Ziele des Bundesrats. Der Kanton Aargau leistet im Rahmen seiner Kompetenzen seinen Beitrag, um den Ausstoss der Treibhausgase bis 2050 schrittweise auf Netto-Null zu senken.

Gleichzeitig ist das Engagement bei der Klimaanpassung gefordert. Auswirkungen des Klimawandels wie die zunehmende Hitzebelastung und Sommertrockenheit oder das erhöhte Hochwasserrisiko sind im Kanton Aargau bereits heute spürbar. Sie werden sich weiter verstärken. Der Kanton Aargau bereitet sich darum rechtzeitig auf die absehbaren Auswirkungen vor.

Inhalte der Strategie

Die Klimastrategie besteht aus zwei Teilen. Der Klimakompass zeigt Handlungsfelder und Stossrichtungen auf. Der darauf aufbauende Massnahmenplan (Publikation zweite Hälfte 2021) zeigt, wie der Kanton Aargau dem Klimawandel begegnet.

Ausgangslage

Anfang 2021 hat der Bundesrat die Langfristige Klimastrategie der Schweiz (öffnet in einem neuen Fenster) verabschiedet. Diese präsentiert die Leitlinien für die Klimapolitik bis 2050 und legt die strategischen Ziele für die verschiedenen Sektoren im Klimaschutz fest. Bereits 2012 beschloss der Bundesrat die Strategie Anpassung an den Klimawandel (öffnet in einem neuen Fenster) in der Schweiz. Der Regierungsrat unterstützt im Rahmen seiner Kompetenzen die Ziele des Bundesrats im Klimaschutz: Ab dem Jahr 2050 soll die Schweiz nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können (Netto-Null-Ziel bis 2050).

Ende 2019 hat der Kanton Aargau einen neuen Entwicklungsschwerpunkt "Klimaschutz und Klimaanpassung" (ESP Klima) geschaffen und in den Aufgaben- und Finanzplan aufgenommen. Mit dem ESP Klima des Kantons Aargau werden bereits bestehende und neue Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Klimawandel gezielt verstärkt, koordiniert und kommuniziert.

Im Entwicklungsleitbild (ELB) 2021–2030 definiert der Regierungsrat Klimaschutz und Klimaanpassung als einen von sieben strategischen Schwerpunkten für die nächsten zehn Jahre. Zudem verabschiedete die Nordwestschweizer Regierungskonferenz (NWRK) im Juni 2021 eine Klima-Charta. Sie vereint die Nordwestschweizer Kantone in einem gemeinsamen Bekenntnis zu einem engagierten und wirkungsvollen Klimaschutz.

Ziele der Klimastrategie

Die zweiteilige Klimastrategie des Regierungsrats – bestehend aus dem Klimakompass und dem Massnahmenplan Klima – verfolgt drei Ziele:

  1. Die Klimastrategie schafft Transparenz: Sie zeigt gegenüber der Bevölkerung, der Wirtschaft, den Gemeinden und der Politik auf, wo der Regierungsrat Schwerpunkte in Bezug auf die Bewältigung des Klimawandels setzt und mit welchen Massnahmen er in seinen Kompetenzbereichen dem Klimawandel begegnet.
  2. Die Klimastrategie treibt die Umsetzung voran: Die im Klimakompass skizzierten Handlungsfelder und Stossrichtungen dienen der kantonalen Verwaltung als Leitplanke und Ideengeber für die Erarbeitung und Umsetzung von Massnahmen im Klimabereich. Der Massnahmenplan weist die vom Regierungsrat beschlossenen Massnahmen aus und zeigt jährlich den aktuellen Stand der Umsetzung auf.
  3. Die Klimastrategie stärkt den Dialog im Kanton: Der Bericht dient auch als Grundlage für die Diskussion mit Akteuren wie Gemeinden, Unternehmen und Verbänden, NGOs und der Zivilgesellschaft. Der Klimawandel erfordert die Beteiligung aller, um gemeinsam die Klimastrategie weiterzuentwickeln sowie innovative Ideen und optimale Lösungen im Umgang mit dem Klimawandel zu erarbeiten.

Die Klimastrategie knüpft am Entwicklungsleitbild (ELB) 2021–2030 des Regierungsrats an. Die fünfte Strategie "Klimaschutz und Klimaanpassung für Innovationen nutzen" des ELB legt fest, dass der Kanton Aargau bezüglich Massnahmen und Umsetzung auf zwei Ebenen aktiv ist:

  • Klimaschutz: Der Regierungsrat unterstützt die Ziele des Bundes, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Er will geeignete Massnahmen im Kompetenz- und Verantwortungsbereich des Kantons zur Reduktion von Treibhausgasemissionen umsetzen und als Chance für Innovationen nutzen.
  • Klimaanpassung: Der Regierungsrat unterstützt die Ziele des Bundes in Bezug auf die Anpassung an den Klimawandel. Er will geeignete Massnahmen im Kompetenz- und Verantwortungsbereich des Kantons zur Anpassung an den Klimawandel umsetzen.

Klimakompass

Mit dem Klimakompass liegt nun der erste Teil der Klimastrategie des Regierungsrats vor. Mit diesem Bericht legt der Regierungsrat – abgestimmt auf das Entwicklungsleitbild 2021–2030, die Klima-Charta und die Strategien des Bundes – die Handlungsfelder und Stossrichtungen für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmassnahmen im Kanton Aargau fest. Er schafft Transparenz und bietet eine fachlich konsolidierte Grundlage für die Umsetzung von Klimamassnahmen im Kompetenzbereich des Kantons. Zudem legt er eine Basis für den Dialog mit den betroffenen Akteuren, um die kantonale Klimapolitik weiterzuentwickeln.

Die Inhalte des Klimakompasses basieren auf den Ergebnissen verschiedener verwaltungsinterner Workshops mit Themenverantwortlichen und weiteren Fachpersonen aus allen Departementen und der Staatskanzlei. In einem partizipativen und interdepartementalen Prozess wurden die nachfolgend skizzierten Handlungsfelder und Stossrichtungen erarbeitet. Damit werden der Verantwortungsbereich, die Rahmenbedingungen und der Handlungsspielraum des Kantons für die Realisierung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmassnahmen aufgezeigt. Aufgrund unterschiedlich starker Betroffenheit und Auseinandersetzung mit der Thematik in den einzelnen Fachbereichen ist der Vertiefungsgrad der einzelnen Handlungsfelder unterschiedlich.

Der Klimakompass wird alle drei bis vier Jahre überprüft und bei Bedarf aktualisiert.

Zum Klimakompass

Massnahmenplan

Mit dem Massnahmenplan, dem zweiten Teil der Klimastrategie, werden gegenüber Öffentlichkeit und Politik die Massnahmen und Vorhaben in den einzelnen Handlungsfeldern und Stossrichtungen ausgewiesen (Erarbeitung zweite Hälfte 2021). Das können sowohl laufende oder bereits abgeschlossene wie auch neue Massnahmen sein. Der Massnahmenplan zeigt auf, mit welchen Massnahmen und Vorhaben der Kanton Aargau im Klimaschutz das Netto-Null-Ziel erreichen und wie er bei der Klimaanpassung die Risiken des Klimawandels vermindern und Chancen für Innovationen nutzen will.

Systemgrenzen

Blick über die Kantonsgrenze

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen mit lokal sehr unterschiedlich ausgeprägten Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Während in Küstenregionen der Anstieg des Meeresspiegels zum Problem werden kann, sind es anderswo langanhaltende Dürreperioden, schmelzende Gletscher oder häufigere und heftigere Wirbelstürme. Treibhausgase entstehen überall auf der Welt, aber mit grossen Unterschieden beim Pro-Kopf-Ausstoss, je nach industrieller Entwicklung oder Konsumverhalten der jeweiligen Länder.

Global betrachtet ist der Kanton Aargau ein kleiner Mosaikstein, als Kanton mit der viertgrössten Bevölkerung aber dennoch bedeutend innerhalb der Schweiz.

Im Klimaschutz orientiert sich die Klimastrategie am Territorialprinzip. Das heisst, für die Zielerreichung von Netto-Null bis 2050 werden nur die direkten Treibhausgasemissionen betrachtet, die auf kantonalem Hoheitsgebiet anfallen. Indirekte oder vorgelagerte Emissionen, die bei der Herstellung von Gütern und Dienstleistungen anfallen, die im Aargau konsumiert, aber in anderen Kantonen oder im Ausland produziert werden, sind somit nicht berücksichtigt. Diese sogenannten grauen Treibhausgasemissionen entfallen zu einem grossen Teil auf die Produktion von Lebensmitteln. Auch beim Verkehr und Wohnen entstehen viele Emissionen im Ausland, insbesondere bei der Herstellung von fossilen Brenn- und Treibstoffen und von Gütern wie Maschinen oder Fahrzeugen. Addiert man für die Schweiz die durch Importgüter im Ausland verursachten Emissionen hinzu, erhöht sich das Total der jährlichen Pro-Kopf-Emissionen um den Faktor 2.5 wie die Umweltgesamtrechnung des Bundesamt für Statistik (öffnet in einem neuen Fenster) zeigt. Um den Klimawandel langfristig zu bremsen, müssen somit auch Massnahmen zur Reduktion der grauen Emissionen ergriffen werden. Die Klimastrategie fokussiert auf den Aufgaben- und Wirkungsbereich der kantonalen Verwaltung. Beim privaten Konsum kann der Kanton primär durch Vorbildfunktion (zum Beispiel in der Beschaffung oder bei kantonalen Liegenschaften) und durch Information und Sensibilisierung Einfluss nehmen.

Bei der Klimaanpassung berücksichtigt die Klimastrategie die Abschätzungen der direkten Auswirkungen des Klimawandels auf das Kantonsgebiet.

Stromproduktion

Die Energiepolitik und damit auch der Zubau der erneuerbaren Energien ist in der Strategie energieAARGAU verankert. Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist somit im Klimakompass nicht als eigenes Handlungsfeld aufgeführt. Sie ist aber mitentscheidend, damit die Dekarbonisierung von Verkehr, Gebäuden und Wirtschaft überhaupt gelingen kann und deshalb in den entsprechenden Handlungsfeldern und Stossrichtungen enthalten sowie als eines der Hauptziele von energieAARGAU aufgeführt .

Der aktuelle Strommix der Schweiz besteht gemäss Elektrizitätsstatistik des Bundesamts für Energie (2019) zu 56,4 Prozent aus Wasserkraft (davon Laufkraftwerke 24,6 Prozent), 35,2 Prozent Kernkraft sowie zu je 4,2 Prozent Energie aus konventionell-thermischen Kraftwerken und neuen erneuerbaren Energien. Grosse und mittlere Wasserkraftwerke im Kanton Aargau produzieren pro Jahr rund 3 Terawattstunden Strom. Die Produktion deckt somit umgerechnet rund 70 Prozent des Aargauer Verbrauchs an elektrischer Energie.

Mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft und der gleichzeitigen Elektrifizierung von heute vorwiegend fossil betriebenen Bereichen wie Verkehr und Gebäude (zum Beispiel Elektromotoren, Wärmepumpen) wird der Zubau neuer erneuerbarer Energien zu einer wichtigen Aufgabe und Herausforderung des Kantons. In den Energieperspektiven 2050+ (öffnet in einem neuen Fenster) wird davon ausgegangen, dass der Elektrizitätsverbrauch um rund 20 Prozent zunehmen wird. Je nach Szenario können es 8 bis 10 Prozentpunkte mehr oder weniger sein. Dabei mitberücksichtigt sind die Einsparpotenziale wie der Ersatz von Elektroheizungen mit Wärmepumpen, Effizienzsteigerungen dank technologischem Fortschritt und Gebäudesanierungen. So beträgt der Stromverbrauch der elektrischen Heizungen im Kanton Aargau knapp 10 Prozent des Gesamtverbrauchs (im Winterhalbjahr sogar zwischen 15 und 20 Prozent). Beim Ersatz einer elektrischen Heizung durch eine Wärmepumpenheizung kann der Stromverbrauch auf unter ein Drittel gesenkt werden. Parallel zur Dekarbonisierung des Gebäudebereichs wird deshalb auch die Stromeffizienz in Gebäuden zunehmend wichtig und leistet einen wichtigen Beitrag an die Versorgungssicherheit, wie der Monitoring-Bericht zu energieAARGAU zeigt.

2021 wird eine kantonale Solaroffensive erarbeitet. Sie soll aufzeigen, mit welchen Massnahmen der Kanton das vorhandene Ausbaupotenzial erreichen kann. Die zunehmende Stromproduktion mit Photovoltaikanlagen kann den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie und den steigenden Elektrizitätsbedarf aber nur teilweise kompensieren. Der bereits heute feststellbare Stromüberschuss im Sommer und die Stromknappheit im Winter werden sich verstärken – zumal der Strombedarf im Winter generell höher ist und die Schweiz im Winterhalbjahr auf Stromimporte angewiesen ist. Dies erfordert zunehmende Möglichkeiten zur saisonalen Speicherung beziehungsweise weitere Stromproduktionsquellen im Winter. Windenergieanlagen beispielsweise liefern im Winterhalbjahr mehr Strom als im Sommer. Auch winteroptimierte Photovoltaik-Anlagen oder ein massiver Zubau deren Leistung und der Abregelung der Überschüsse im Sommer wäre ein Ansatz. Etwas mildernd wirkt die Klimaerwärmung: Sie führt im Schnitt zu einem geringeren Heizenergiebedarf im Winter und mehr Kühlbedarf im Sommer.