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Bibliothek als Raum

Bauchgefühl trifft Daten – was Sentobib unserer Bibliothek gezeigt hat

Was bringt eine Publikumsstudie? Die Gemeindebibliothek Möhlin zeigt, wie Sentobib neue Einsichten und Rückenwind für die Weiterentwicklung liefert.

Warum beteiligen sich Bibliotheken an gross angelegten Publikumsstudien? Für die Gemeindebibliothek Möhlin war die Antwort weniger strategisch kalkuliert als von Neugier getrieben: Wir wollten wissen, wie gut wir unsere Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich verstehen. Nicht allein auf Basis von Vermutungen oder langjähriger Erfahrung, sondern gestützt auf eine externe, vergleichbare Datengrundlage. Als wir von der europaweiten Sentobib-Studie erfuhren, war unser Interesse deshalb sofort geweckt.

Auf Sentobib aufmerksam geworden bin ich über Newsletter und Fachinformationen aus Deutschland, in denen mehrere Bibliotheken über ihre Teilnahme berichteten. Die Möglichkeit, die eigene Bibliothek mit ähnlichen Einrichtungen zu vergleichen und gleichzeitig tiefere Einblicke in lokale Bedürfnisse zu erhalten, überzeugte uns schnell. Hinzu kam, dass die Studie nicht nur Mitglieder, sondern auch Besucherinnen, Besucher und Nicht-Besucher einbezieht – eine Perspektive, die im bibliothekarischen Alltag oft fehlt. Dabei profitierten wir von der Bibliotheksförderung des Kantons Aargau, die uns nicht nur finanziell entlastete, sondern uns auch inhaltlich bei der Auseinandersetzung mit der Studie und ihren Ergebnissen unterstützte.

Unsere Erwartungen an die Teilnahme waren klar: Wir erhofften uns ein besseres Verständnis der Kundenwünsche – insbesondere mit Blick auf Nutzung, Aufenthaltsqualität und zukünftige Angebote. Gleichzeitig wollten wir überprüfen, ob unsere eigenen Beobachtungen einer datenbasierten Überprüfung standhalten. Wo liegen wir richtig? Und wo sehen wir vielleicht nur das, was wir ohnehin sehen wollen?

Bestätigung und Rückenwind für die Weiterentwicklung

Der Aufwand für die Teilnahme erwies sich als überschaubar, die Beteiligung hingegen als erfreulich hoch. Die Ergebnisse bestätigten zunächst vieles, was wir vermutet hatten: Die Gemeindebibliothek Möhlin wird regelmässig genutzt, das Personal und der Medienbestand werden sehr positiv bewertet, und Veranstaltungen haben einen hohen Stellenwert. Auch die Rolle der Bibliothek als sozialer und kultureller Ort wurde deutlich bestätigt. In dieser Hinsicht lieferte Sentobib Rückenwind.

Besonders spannend wurden die Ergebnisse dort, wo sie über Bestätigung hinausgingen. Die Aufenthaltsdauer vieler Nutzerinnen und Nutzer ist kurz, der Platz zum ruhigen Lesen oder Arbeiten wird vergleichsweise kritisch bewertet. Genau hier trafen die Zahlen einen wunden Punkt – und bestätigten einen Handlungsbedarf, den wir bereits vor der Umfrage vermutet hatten. Sentobib machte diesen Bedarf sichtbar, messbar und damit argumentierbar. Gerade im Dialog mit Trägerschaft und Politik ein entscheidender Mehrwert!

Strategische Erkenntnisse für morgen

Unser Resümee fällt deshalb klar aus: Publikumsforschung ist weit mehr als eine Momentaufnahme. Sie ist ein strategisches Instrument, das hilft, Prioritäten zu schärfen, Entscheidungen zu begründen und Diskussionen zu versachlichen. Gleichzeitig zwingt sie zur Selbstreflexion: Was funktioniert gut? Wo müssen wir umdenken? Und wie gelingt es, die Bibliothek konsequent an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten?

Rückblickend war die Teilnahme an Sentobib für die Gemeindebibliothek Möhlin ein Gewinn. Nicht, weil sie alle Fragen beantwortet hätte, sondern weil sie die richtigen gestellt hat. Vor allem aber hat sie eines bestätigt: Neugier auf die eigene Nutzerschaft ist kein Risiko, sondern eine zentrale Voraussetzung für zukunftsfähige Bibliotheksarbeit.