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Bibliothek als Raum

Zusammen liest man weniger allein

In der heutigen digitalisierten Welt, in der wir oft in unseren eigenen kleinen Blasen leben, bietet ein Lesekreis eine wohltuende Auszeit.

Nachdem wir in Möhlin kurz vor Corona bereits einen – leider erfolglosen – Versuch gewagt hatten, einen Lesekreis zu gründen, haben wir das Projekt vor zwei Jahren erneut aufgenommen. Mittlerweile sind es 12 bis 18 Teilnehmende, die sich regelmässig treffen, um ihre Liebe zum Lesen und zu guten Büchern zu teilen.

Interessensabklärung

Unser erster Versuch war nicht von Erfolg gekrönt. Trotz rechtzeitiger Bekanntgabe des Datums fand nur eine Kundin den Weg zu uns. Deshalb wollten wir beim zweiten Anlauf – nach dem Corona-bedingten Unterbruch – zuerst wissen, ob die Nachfrage überhaupt besteht oder ob der Lesekreis in unserer Bibliothek nur ein frommer Wunsch unseres Teams bleiben würde. Also luden wir im Vorfeld zu einem Infoabend ein. Tatsächlich kamen ein paar Interessierte und wir legten gleich ein erstes Datum für eine Buchbesprechung fest. Natürlich machten wir auch mittels Flyern und Social Media darauf aufmerksam und hofften so, genug Bücherfreunde zu finden, um den Lesekreis bei uns institutionalisieren zu können.

Erstes Treffen

Ein Gruppe von Frauen mittleren Alters sitzen im Halbkreis auf Stühlen und diskutieren über ein Buch. Das Buch liegt auf dem Schoss der Frau im linken Rand des Bildes.
© Nadja Soder

Tatsächlich kamen schon zu unserer ersten Buchbesprechung 12 Lesefreunde – Freude herrscht! Bei der Wahl unseres ersten Buches verliessen wir uns auf eine Empfehlung aus dem Internet. Dies hatte den Vorteil, dass gleich geeignete Diskussionspunkte und Fragen vorgeschlagen wurden. Bevor wir mit der Diskussion begannen, einigten wir uns auf die wichtigsten Lesekreis-Regeln: Jede Meinung ist richtig, wir fallen uns nicht ins Wort, keine langen und ausufernden Vorträge einzelner Teilnehmerinnen und Teilnehmer etc.

Unser Konzept hat den Teilnehmenden offenbar gefallen und alle waren sich einig, dass wir weitermachen wollen. Die Gruppe ist inzwischen gewachsen, so dass wir regelmässig zwischen 12 und 18 Teilnehmende sind. Wir treffen uns etwa alle sechs Wochen, acht Mal im Jahr.

Buchauswahl

Die Bücher suchen jeweils wir von der Bibliothek aus. Wir haben uns entschieden, nicht auf die Wünsche der Mitglieder einzugehen. So muss sich niemand benachteiligt fühlen und wir können die Planung etwas besser steuern. Mit "wir" meine ich übrigens unser "Lesekreis-Team", Bibliotheksleiterin Andrea Fischler und mich.

Bei der Auswahl des Buches sind folgende Punkte wichtig: Thematisch sollte es sich vom letzten Buch unterscheiden. Die Seitenzahl sollte 300 Seiten nicht überschreiten, damit auch noch Zeit für andere Bücher bleibt. Inhaltlich sollte das Buch genügend Stoff für Diskussionen bieten. Es darf ruhig auch etwas Unkonventionelles sein, das nicht jede oder jeder für sich wählen würde.

Fazit

Wir haben festgestellt, dass sich kaum voraussagen lässt, ob eine Diskussion sehr lebhaft und kontrovers oder eher ruhig und harmonisch verläuft. Natürlich hängt es auch von der Anzahl Teilnehmenden, der Tagesform jedes und jeder Einzelnen und der Zusammensetzung der Gruppe ab. Worin wir uns aber alle einig sind, ist, dass die Vielfalt der Interpretationen die Diskussionen absolut bereichert und den Horizont der Teilnehmenden immer wieder aufs Neue erweitert.

Buchtipps für einen Lesekreis

Bücher, welche von unserer Runde gerne gelesen wurden und viel Diskussionsstoff geboten haben:

  • "Die Überlebenden" (Alex Schulman)
  • "Von hier bis zum Anfang" (Chris Whitaker) – bis heute mein persönlicher Lesekreis-Favorit!
  • "Der grosse Sommer" (Ewald Arenz)
  • "Café Leben" (Jo Leevers)
  • "Eine Frage der Chemie" (Bonnie Garmus)
  • "Zeit der Mauersegler" (Julian Schmidli)
  • "22 Bahnen" (Caroline Wahl)