Hauptmenü

Bibliothek als Raum

Viel Aufwand, wenig Publikum – und trotzdem sinnvoll?

Dreimal BiblioWeekend. Dreimal ein abwechslungsreiches Programm. Dreimal ein mässiger Erfolg. Ein Rückblick – und die Frage: Lohnt es sich wirklich?

Jeweils am letzten Märzwochenende findet das nationale BiblioWeekend statt. Ein ungünstiger Zeitpunkt. Er fällt mit der Zeitumstellung zusammen und ist oft eines der ersten schönen Frühlingswochenenden – so die Erfahrung. Die Menschen zieht es raus in die Natur und an die Sonne. Ein spannendes Bibliotheksprogramm ist da zweitrangig.

Ein Kindermorgen in der Piratenwelt, Angebote rund um das Thema KI und ein ganzes Wochenende im Zeichen des Spiels. Das waren sie, unsere drei vergangenen BiblioWeekends. Mit grosser Motivation wurden jeweils abwechslungsreiche Angebote entwickelt. Stets mit dem Ziel, etwas Neues anzubieten, etwas, das es so noch nicht gab (zumindest in unserer Bibliothek). Ein guter Ausgangspunkt möchte man meinen. Die Realität sieht da etwas anders aus…

Der Rückblick

Zwei Mädchen stehen in einer Bibliothek vor einem grossen bunt beklebtem Karton mit der Aufschrift "Lesomat".
© Gemeindebibliothek Möhlin

Am meisten Publikum erreichte im ersten Jahr der Kindermorgen: Basteln, Kino und Geschichten aus dem "Lesomat" – einer grossen Kartonschachtel mit integrierter Bibliothekarin, die gegen Einwurf eines Jetons eine Geschichte vorlas. Dies auch deshalb, weil das Angebot teilweise als Kinderhort genutzt wurde. Eltern brachten die jungen Sprösslinge in die Bibliothek, diese verweilten bei uns und wurden später wieder abgeholt.

Im zweiten Jahr setzten wir auf "Digitales Zeichnen". Ein Workshop zum Erlernen und Erweitern der eigenen Zeichenfähigkeiten auf dem Tablet sowie ein Generationen-Gamen. Autorennen auf der Konsole unter dem Motto: Gross gegen Klein, also Enkel gegen Grosi oder Mama gegen Tochter. Beide Veranstaltungen blieben ohne Teilnehmende.

Im dritten Jahr folgte ein eigens entwickelter Bücherbingo-Abend. Ein Bingo mit Buchtiteln statt Zahlen. Das Personal war motiviert, attraktive Preise standen bereit. Das Ergebnis: erneut null Teilnehmende.

Zwar wurde die Bibliothek freitags und samstags jeweils rege genutzt, allerdings zu den gewohnten Öffnungszeiten und für die gewohnte Aktivität: das Ausleihen. Diese Besucherinnen und Besucher wären auch ohne das BiblioWeekend gekommen – mit wenigen Ausnahmen.

Der Ausblick

Nächstes Jahr findet das BiblioWeekend bereits Mitte März statt – ohne Zeitumstellung und möglicherweise bei weniger frühlingshaftem Wetter. Das könnte die Ausgangslage verbessern.

Das Thema wird mit Spannung erwartet, und die Überzeugung, dass passende Ideen gefunden werden, ist da. Künftig sollen die Angebote nicht nur kreativ und innovativ sein, sondern auch kostengünstig und ressourcenschonend. Zudem sollen sie möglichst während den regulären Öffnungszeiten stattfinden. Nach drei eher ernüchternden Durchläufen ist die Motivation nach wie vor gross, auch wenn die Erwartungen inzwischen etwas realistischer geworden sind.

Lohnt sich die Teilnahme am BiblioWeekend trotzdem?

Trotz durchzogener Bilanz lautet die Antwort: Ja, es lohnt sich!

Es ist wichtig, die Bevölkerung weiterhin auf unsere wichtige Arbeit aufmerksam zu machen. Das BiblioWeekend bietet dafür eine wertvolle Plattform mit fertigen Werbemitteln, einer eigens dafür eingerichteten Website und einer nationalen Einbettung.

"Gut Ding will Weile haben", und so wird das BiblioWeekend in naher Zukunft hoffentlich auch in den Landregionen auf immer grössere Aufmerksamkeit stossen. Ein wiederkehrendes Werbeplakat mit denselben Motiven und Logos könnte hier entscheidend sein. Es steigert den Wiedererkennungswert.

Zudem gilt: Nicht jede Idee muss sofort funktionieren. Bereits entwickelte Formate können zu einem späteren Zeitpunkt erneut eingesetzt werden – oft mit besserer Resonanz, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Der Ideenpool wächst, und das BiblioWeekend bietet immer wieder spannende Impulse aus anderen Bibliotheken, die sich in die eigene Arbeit integrieren lassen.

Bibliotheksarbeit lebt vom Teilen. Sowohl mit dem Publikum als auch unter den Bibliotheken selbst!