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Interviews zur Coronavirus-Krise

Die Regierungsräte und die Staatsschreiberin des Kantons Aargau berichten über Erlebnisse, Erkenntnisse und Herausforderungen in der Coronavirus-Krise.

Landammann Markus Dieth, Vorsteher Departement Finanzen und Ressourcen (DFR)

Landammann Markus Dieth vor seinem Computer
© Kanton Aargau

Wie haben Sie in den letzten Monaten die Coronavirus-Krise persönlich erlebt?

Wir erleben aktuell eine ausserordentliche und herausfordernde Zeit. Gerade in der Verantwortung als Regierungsrat gilt es, schnell, adäquat und flexibel zu reagieren und das Beste aus der Situation zu machen. Ich habe das Coronavirus am eigenen Leib erfahren, es sind keine einfachen zwei Wochen gewesen. Im Wissen, dass es auch anders hätte kommen können, bin ich aber froh, dass es insgesamt trotzdem mild verlaufen ist.

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Was waren die grössten Herausforderungen für das DFR?

Fürs Departement Finanzen und Ressourcen steht klar der finanzielle Aspekt im Vordergrund. Wir haben innert kürzester Zeit ein kantonales Massnahmenpaket ausgearbeitet, um die Wirtschaft zu unterstützen. Wir werden noch lange an der Coronavirus-Krise zu beissen haben. Wir erwarten massive Auswirkungen auf die Steuereinnahmen, was unseren Handlungsspielraum über Jahre schmälern wird. Wir hoffen aber, dass sich die Wirtschaft schnell erholen kann.

In welchen Politikbereichen Ihres Departements sehen Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Coronavirus-Krise Handlungsbedarf?

Die Pandemie hat gezeigt, welche Möglichkeiten und Chancen die Digitalisierung bietet. Jetzt geht es darum, die gemachten Erfahrungen im Bereich von Homeoffice und flexibler Arbeit mitzunehmen und den Weg der digitalen Transformation konsequent weiter zu gehen.

Bei allem Negativen der Coronavirus-Pandemie: Gibt es auch positive Erlebnisse oder Erkenntnisse?

Es hat mich gefreut, zu sehen, was gesellschaftlich geleistet wurde, wie sich gegenseitig solidarisch geholfen wurde und wie Menschen flexibel und kreativ waren, um die Arbeitswelt am Leben zu halten oder Lernende online zu unterrichten. Insbesondere habe ich auch geschätzt, dass ich mich in dieser Zeit zwangsläufig auch digital weiterbilden konnte und die sich daraus ergebenden Vorteile zu schätzen gelernt habe.

Werden Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse in der Coronavirus-Krise Veränderungen oder Anpassungen im persönlichen Bereich vornehmen?

Da viele Anlässe und Events abgesagt wurden, war ich in meiner Freizeit vermehrt in der Natur unterwegs. Ich möchte mir auch in Zukunft wieder öfters die Zeit nehmen, um im Wettinger Wald zu sein. Nach einem ausgiebigen Spaziergang bin ich so erholt wie nach einer Woche Ferien.

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Die digitale Transformation wird weiter schnell an Fahrt aufnehmen. Zudem wünsche ich mir und glaube daran, dass das gesellschaftliche Miteinander, die Akzeptanz und Solidarität, welche während dieser schwierigen Zeit spürbar waren, weiterhin gelebt werden.

Landstatthalter Stephan Attiger, Vorsteher Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU)

Landstatthalter Stephan Attiger vor seinem Computer
© Kanton Aargau

Wie haben Sie in den letzten Monaten die Coronavirus-Krise persönlich erlebt?

Liebe Aargauerinnen und Aargauer. Ja, wir haben eine herausfordernde Zeit hinter uns, vielleicht auch vor uns – privat wie auch beruflich. Das Wichtigste vorweg: Ich hoffe natürlich, dass Sie und Ihre Angehörigen gesund sind und gesund bleiben. Helfen Sie, mit den Abstands- und Hygienevorschriften das Virus einzudämmen, so bleiben wir möglichst gesund.

Ich habe natürlich Verständnis für alle, die sich Sorgen machen um ihre Gesundheit. Ich habe auch Verständnis für diejenigen, die sich Sorgen machen um ihren Arbeitsplatz, seien das Selbständigerwerbende, seien das Angestellte. Es sind grosse Herausforderungen, die wir meistern müssen. Ich bin aber überzeugt, dass wir das gemeinsam meistern können.

Ich bin auch beeindruckt von der Flexibilität von Ihnen, liebe Aargauerinnen und Aargauer, die Sie in den letzten Monaten an den Tag gelegt haben – sei es am Arbeitsplatz, sei es privat im Umgang mit den Einschränkungen. Von einem Tag auf den anderen standen andere Themen im Fokus: Die Kinder waren zu Hause zum Betreuen, Homeoffice war angesagt. Sie haben das Ganze sehr gut gemeistert, die Umsetzung hat gut funktioniert. Ich danke insbesondere allen, die geholfen haben, an vorderster Front diese Krise zu bewältigen: den Mitarbeitenden in den Spitälern und in den Pflegeheimen, der Polizei, den Zivildienstleistenden, aber natürlich auch den Unzähligen, die Nachbarschaftshilfe geleistet haben. Danke vielmals, machen Sie es gut.

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Was waren die grössten Herausforderungen für das BVU?

Das BVU hat neben seinen zahlreichen Projekten umfangreiche Vollzugsaufgaben, beispielsweise im Bereich der Baubewilligungen oder in der Umsetzung des Umweltrechts. Die Herausforderung war, diesen gesetzlichen Auftrag trotz der neuen Situation – von einem Tag auf den anderen war die Mehrheit der Mitarbeitenden im Homeoffice – zu erfüllen. Das ist uns vollumfänglich gelungen, was keine Selbstverständlichkeit ist.

Ein weiteres Ziel war, unsere kantonalen Bauprojekte, im Strassenbau und im Umweltbereich wie zum Beispiel beim Hochwasserschutz, ohne Verzögerungen voranzutreiben. Auch das ist gelungen. Damit konnten wir die Planungsbüros, Baufirmen und weitere beteiligte Unternehmen unterstützen und ihnen helfen, die Krisenzeit zu überbrücken.

Bei den Fristen in Baurechtsverfahren oder in Bezug öffentliche Auflage und Akteneinsicht war die Unsicherheit am Anfang der Krise ebenfalls gross – unter anderem auch, weil viele Gemeindeverwaltungen ihre Dienste teilweise stark einschränken mussten. Mit den entsprechenden Bestimmungen in der Sonderverordnung 1 des Kantons konnten wir aber auch hier Klarheit und Rechtssicherheit schaffen.

Im öV-Bereich ist der Lead nicht beim Kanton, sondern beim Bund beziehungsweise bei den vom Bund eingesetzten Systemführern SBB für die Bahn und Postauto für den Busbereich. Wir haben diese eng begleitet und die Anliegen des Kantons Aargau eingebracht. Noch offen ist, welche finanziellen Auswirkungen die Ertragsausfälle bei den Transportunternehmen für den Kanton haben werden.

Gewisse Verzögerungen hat es beim Terminplan für die Behandlung unserer Geschäfte im Grossen Rat gegeben. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir diesen Rückstand in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der geplanten zusätzlichen Grossratssitzungen wieder aufholen können.

Der Ausfall von verschiedenen Veranstaltungen hat uns zudem zu einer gewissen Kreativität gezwungen. So haben wir zum Beispiel die öffentliche Informationsveranstaltung zur Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr – VERAS auf Video aufgenommen und via Internet zugänglich gemacht. Oder wir haben den Spatenstich für den Baustart der Umfahrung Mellingen im kleinen Rahmen und mit Videobotschaften gefeiert – das grosse Volksfest wird die Gemeinde dann nachholen, sobald das wieder möglich ist.

In welchen Politikbereichen Ihres Departements sehen Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Coronavirus-Krise Handlungsbedarf?

Wie gesagt konnte das BVU seine Aufgaben und den Gesetzesauftrag jederzeit vollständig erfüllen. Von daher sehe ich keinen speziellen Handlungsbedarf. Eine Herausforderung wird sein, wieder zu einem "normalen" Betrieb zurückzufinden und auch Themen wieder die nötige Aufmerksamkeit zu widmen, die in den letzten Monaten etwas untergegangen sind. Da sich während des Lockdowns mehr Menschen in der Natur aufgehalten haben, ist das Thema Littering im Wald und entlang der Gewässer wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Der Kanton ist hier zwar nicht im Lead – wir werden aber weiterhin die Gemeinden fachlich beraten und ihre Massnahmen unterstützen, um die Bevölkerung stärker zu sensibilisieren und gegen das Litteringproblem anzukämpfen.

Bei allem Negativen der Coronavirus-Pandemie: Gibt es auch positive Erlebnisse oder Erkenntnisse?

Der Coronavirus-Lockdown hatte kurzfristige und unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt: Die Luft war sauberer, weil der Strassenverkehr abgenommen hat; und mit den Flugverboten ist der CO2-Ausstoss gesunken. Diese positiven Effekte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir langfristig weiterhin mit der grossen Herausforderung des Klimawandels konfrontiert sein werden.

Mit dem Lockdown hat eine gewisse Entschleunigung stattgefunden, die sicher nicht negativ ist. Mir ist zudem wie gesagt aufgefallen, dass sich während der Corona-Krise mehr Leute und Familien im Wald und in der Natur aufhalten. Vielen Menschen ist jetzt bewusst geworden, welche schönen Landschaften und Erholungsgebiete der Aargau zu bieten hat – direkt vor unserer Haustüre und in wenigen Minuten zu erreichen! Dieses neue Bewusstsein ist positiv und für uns im BVU eine zusätzliche Herausforderung: Eine unserer Hauptaufgaben ist schliesslich, Natur und Landschaft als Ressourcen von unschätzbarem Wert nachhaltig zu pflegen und auch für die künftigen Generationen zu erhalten.

Unser Arbeitsalltag wird auch nicht mehr gleich aussehen wie vor der Krise. Homeoffice, Videokonferenzen und mobile Arbeit sind von einem Tag auf den anderen zur Realität geworden, die Digitalisierung hat einen gewaltigen Schub bekommen. Was vorher reine Theorie war, ist heute schon fast normal. Langsam aber sicher kehrt wieder Normalität ein – aber es wird eine neue Normalität sein, auch für unseren Arbeitsalltag. Das Ziel ist, die positiven Seiten aus dieser Zeit mitzunehmen.

Werden Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse in der Coronavirus-Krise Veränderungen oder Anpassungen im persönlichen Bereich vornehmen?

Jedes Erlebnis hat direkt oder indirekt Auswirkungen auf das eigene Verhalten. Die jetzige Situation hat wieder einmal gezeigt, dass die Gesundheit das wichtigste Gut für uns Menschen ist. Die Sorge um die Gesundheit der Familie, der Angehörigen, der Bekannten und der Bevölkerung waren sicher prägend und haben auch mich beschäftigt. Es war schwierig, dass man lieb gewonnene Menschen nicht besuchen durfte. Es war jedoch eine lehrreiche Erfahrung, zu sehen, dass wir nicht alles planen, organisieren und bestimmen können.

Positiv aus dieser Zeit nehme auch ich mit, dass ich zu Fuss oder mit dem Velo mehr im Wald, in unseren schönen Landschaften, im Naherholungsgebiet unterwegs war als in anderen Jahren. Einen Teil davon möchte ich mitnehmen und weiter pflegen.

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Jede Krise hat einen gewissen Einfluss auf das Verhalten der Bevölkerung. Der Fokus auf die Gesundheit wird sicher noch einige Zeit anhalten. Gewisse Hygienemassnahmen werden längerfristig Bestand haben. Auch bezüglich unseres Arbeitsalltags wird das Virus seine Spuren hinterlassen. Wir werden digitaler unterwegs sein, vermehrt von zu Hause arbeiten und abwägen, ob wir für einzelne Sitzungen lange An- und Rückreisen antreten. Wir Menschen sind aber soziale Wesen und brauchen den gelegentlichen direkten physischen Kontakt und das gesellige Zusammensein. Nur so lassen sich echte Beziehungen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufbauen.

Regierungsrat Urs Hofmann, Vorsteher Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI)

Regierungsrat Urs Hofmann vor seinem Laptop
© Kanton Aargau

Wie haben Sie in den letzten Monaten die Coronavirus-Krise persönlich erlebt?

Ich habe es persönlich erlebt, weil ich daran erkrankt bin und ein paar Tage im Spital war. Meine Erfahrungen sind geprägt von den persönlichen Erlebnissen. Man sieht, wie so eine Krankheit jemanden in Anspruch nimmt. Man ist froh, wenn man einigermassen ungeschoren davonkommt. Das ist das, was mich die letzten zweieinhalb Monate beschäftigt hat. Ich bin froh, dass ich jetzt wieder arbeiten und optimistisch in die Zukunft blicken kann.

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Was waren die grössten Herausforderungen für das DVI?

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft im Kanton Aargau mit grosser Wucht getroffen. In vielen Branchen ging gar nichts mehr. Die Lage war während rund zwei Monaten für viele Betriebe dramatisch. Und die Zukunftsaussichten sind ungewiss: Wir befinden uns in der grössten Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg. Erschreckend ist die Tatsache, wie schnell es die aargauischen Unternehmen getroffen hat: Seit Ausbruch der Krise haben fast 11'000 Betriebe Kurzarbeit beantragt. Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmenden liegt bei knapp 170'000. Das sind über vierzig Prozent der Beschäftigten im Kanton! Hoch ist auch die Zahl der Stellensuchenden (rund 20'000). Aktuell melden sich immer noch jeden Tag zwischen fünfzig und hundert Personen neu bei der Arbeitslosenkasse an. Zur Unterstützung der Aargauer Wirtschaft hat der Kanton in kurzer Zeit ein Massnahmenpaket lanciert.

Die Polizei hat sich stets bemüht, die Vorgaben des Bundesrats konsequent, aber mit Augenmass durchzusetzen. Dies ist seit den Lockerungen nicht einfacher geworden, da für die Bevölkerung oft unklar ist, was genau nun (noch) gilt. Auch ist die Akzeptanz für das Corona-Regime und für die Kontrollen durch die Polizei gesunken. Die vom Bundesrat verfügten Lockerungen für Demonstrationen erleichtern die Arbeit der Polizei nicht. Gefragt ist auch hier stets ein verhältnismässiger Einsatz, auch wenn es – wie in zahlreichen Schweizer Städten – zu unbewilligten Kundgebungen kommt.

In welchen Politikbereichen Ihres Departements sehen Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Coronavirus-Krise Handlungsbedarf?

Handlungsbedarf besteht beispielsweise bei der Ausarbeitung eines Pandemie-Plans auf kantonaler Ebene, der auf die einzelnen Departemente und Abteilungen zugeschnitten ist. Die Erfahrungen zu Beginn der jetzigen Krise haben gezeigt: Wenn eine Pandemie einmal ausgebrochen ist, zählt jeder Tag. Generell gilt es, die Erfahrungen der letzten Wochen und Monate aufzuarbeiten, um für zukünftige Notsituationen besser gerüstet zu sein. Die Corona-Krise hat uns im Übrigen gezeigt, dass wir mit unserer Strategie SmartAargau richtig liegen.

Die digitale Transformation unserer Verwaltung muss nun weiter vorangetrieben werden. Wir sollten alles daran setzen, unsere Prozesse zu verschlanken, zu optimieren und wo möglich zu digitalisieren. Allerdings muss dabei immer im Auge behalten werden, dass die Menschen, die sich für die Entscheide der Verwaltung verantwortlich zeichnen, erreichbar und erkennbar bleiben. Digital darf nicht heissen, dass die Verwaltung anonym und bürgerinnen- und bürgerfremd wird.

Bei allem Negativen der Coronavirus-Pandemie: Gibt es auch positive Erlebnisse oder Erkenntnisse?

Der Solidaritätsgedanke stand schon seit eh und je im Zentrum meines politischen Handelns. Während der Corona-Krise ist diese Solidarität in unserer Gesellschaft wieder sichtbarer geworden. Im Gegensatz zu andern Ländern hat die Krise unser Land nicht gespalten, sondern geeint. Wir haben zusammengehalten und sind zusammengestanden. Dies zeigt, dass vieles in unserem Land gut läuft und das gegenseitige Vertrauen da ist. Auch zeigt uns die Krise die Wichtigkeit eines handlungsfähigen und gut organisierten Staats, auf den Verlass ist. Gerade dort, wo die private Vorsorge an ihre Grenzen stösst.

Bund und Kantone haben rasch gehandelt und innert kurzer Zeit die notwendigen Hilfsmassnahmen beschlossen und unbürokratisch umgesetzt. Im Gesundheitsbereich zeigte es sich, wie wichtig öffentliche Spitäler mit genügend gut ausgebildetem und fair bezahltem Personal sowie einer ausreichenden technischen Infrastruktur sind. Sparexzesse und Privatisierungen haben hier nichts zu suchen.

Werden Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse in der Coronavirus-Krise Veränderungen oder Anpassungen im persönlichen Bereich vornehmen?

Es hat sich gezeigt, dass Homeoffice und digitale Meetings besser funktionieren, als wir uns dies wohl je vorgestellt haben. Ich gehe davon aus, dass diese Arbeits- und Kommunikationsarten auch künftig viel häufiger genutzt werden. Es hat sich gelohnt, dass der Kanton mit SmartAargau schon seit einiger Zeit auf die digitale Transformation gesetzt hat. Ohne digitale Dienstleistungen und Prozesse hätte unsere Verwaltung in den letzten Wochen nicht so gut funktioniert. Diese Krise wird der Digitalisierung einen mächtigen Schub verleihen.

Die Corona-Krise hat auch ganz generell zu einer Entschleunigung beigetragen, was mir gerade auch in der Phase meiner Rekonvaleszenz zugute kam. Da ich bekanntlich per Ende 2020 mein Amt als Regierungsrat abgeben werde, stehen bei mir ohnehin grosse Veränderungen in meinem Lebensalltag an. Die vergangenen Wochen haben mir schon jetzt aufgezeigt, wie es sich anfühlt, wenn man nicht mehr jeden Abend irgendwo an einer Veranstaltung dabei sein muss. Mehr Zeit für Musse und zum Nachdenken tut uns allen gut.

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft massiv getroffen. Viele Bürgerinnen und Bürger sind stark verunsichert und nach wie vor vorsichtig unterwegs. Die Rückkehr zur Normalität stellt wohl die grösste Herausforderung dar. Wir alle haben die Corona-Regeln verinnerlicht und sind zurückhaltender geworden, was Aktivitäten anbelangt. Viele verharren gar im Angstmodus. Die Zuversicht und das Vertrauen in den ungezwungenen Austausch ist vielen Menschen abhandengekommen. Wo das Vertrauen fehlt, darbt die Wirtschaft. Konsumiert und investiert wird nur dann, wenn man sich auf das soziale Umfeld einlassen kann. Wir müssen deshalb alles daran setzen, dass unsere Bürgerinnen und Bürger wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Wir müssen sie motivieren, wieder aktiv zu werden, ihre Freizeitaktivitäten wiederaufzunehmen und ihre Ferien zu planen. In diesem Sinne ist die Gutscheinaktion "Erlebnismoment Aargau" von Aargau Tourismus zusammen mit der Aargauischen Kantonalbank und der Axpo ein gutes Zeichen, diese Lähmung zu überwinden.

Ganz generell hat uns die Corona-Krise die Verletzlichkeit unserer Gesellschaft vor Augen geführt und uns gezeigt, dass nicht alles beherrsch- und machbar ist. Ich hoffe, dass die bereits erwähnte Entschleunigung und der Solidaritätsgedanke auch längerfristig erhalten bleiben. Und erfreulich wäre es, wenn die Erfahrungen mit dem Coronavirus mithelfen würden, die grösste Herausforderung unserer Zeit zu meistern, den Klimawandel.

Regierungsrat Alex Hürzeler, Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS)

Regierungsrat Alex Hürzeler vor seinem Computer
© Kanton Aargau

Wie haben Sie in den letzten Monaten die Coronavirus-Krise persönlich erlebt?

Die Krise beziehungsweise die Lockdown-Massnahmen haben unseren Alltag privat wie beruflich abrupt und massiv verändert. Das Alltagsleben ist für einige Wochen völlig zusammengebrochen, was auch den Wegfall fast sämtlicher Veranstaltungen und Termine zur Folge hatte. Das hatte natürlich auch seine schönen Seiten. Ruhig und langweilig wurde es bei mir aber bei weitem nicht. Die Arbeit ging intensiv weiter, mit neuen, ungewohnten Themen und über andere Kommunikationskanäle. Im Bildungsbereich waren die letzten Monate besonders herausfordernd. Die Schliessung wie auch die Wiederöffnung der Schulen mit den Schutzkonzepten stellte mein Departement, vor allem aber die Schulleitungen, die Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder und auch die Eltern vor eine schwierige Herausforderung.

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Was waren die grössten Herausforderungen für das BKS?

Am herausforderndsten war sicherlich die Schnelllebigkeit der Massnahmen und Vorgaben des Bundes. Als Departement Bildung, Kultur und Sport waren und sind wir weiterhin sehr stark von den Massnahmen des Bundes betroffen. Dabei war es wichtig, dass die Zusammenarbeit in den Abteilungen und mit den Schulverantwortlichen vor Ort sehr gut funktioniert. Man musste sich darauf einstellen und auch damit umgehen können, dass es bei den stets wechselnden Massnahmen, Empfehlungen und Weisungen auch Widersprüche gibt. Je mehr man ins Detail ging, desto mehr verstrickte man sich in der Komplexität der Umsetzung der Massnahmen. Aber der Grundsatz blieb der gleiche: Die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.

In welchen Politikbereichen Ihres Departements sehen Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Coronavirus-Krise Handlungsbedarf?

Die Corona-Krise hat uns aufgezeigt, wie wichtig Kompetenzen im digitalen Bereich sind. Mit der Einführung des neuen Aargauer Lehrplans auf das Schuljahr 2020/21 werden die Informatik-Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler noch besser geschult und die Schulen machen einen grossen Schritt in der Digitalisierung. Von dieser Entwicklung profitieren auch die Lehrpersonen, welche die gemachten Erfahrungen und erworbenen Kompetenzen in Zukunft werden anwenden können. Der bereits vor der Coronavirus-Pandemie eingeschlagene Weg ist deshalb der richtige. Auch in der Verwaltung haben wir gelernt, uns mit Homeoffice sowie Audio- und Videokonferenzen zurechtzufinden.

Bei allem Negativen der Coronavirus-Pandemie: Gibt es auch positive Erlebnisse oder Erkenntnisse?

Die Pandemie hat uns gezeigt: Wir können Krise. Der Bundesrat hat den Takt vorgegeben, die Kantone, Gemeinden und alle anderen Instanzen haben umgesetzt. Der Kanton Aargau und die Schweiz haben gezeigt, dass sie auch für unvorhersehbare Krisen gewappnet sind und wir diese gemeinsam durchstehen.

Das Alltagsleben kam schlagartig zum Stillstand. Dadurch konnte man sich wieder vermehrt auf das familiäre Umfeld und das, was uns wichtig ist, konzentrieren. Ich gehe davon aus und hoffe, dass man diese Denkweise auch für die Zukunft beibehält. Ich freue mich darauf, den Alltag – auch wenn er anders sein mag als vor der Krise – im Beruf wie auch in der Freizeit wieder geniessen zu können.

Werden Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse in der Coronavirus-Krise Veränderungen oder Anpassungen im persönlichen Bereich vornehmen?

Ich habe erkannt, dass standardisierte Sitzungen nicht alle zwingend eine physische Präsenz voraussetzen. Sicherlich werde ich in Zukunft solche vermehrt auch als Video- oder Telefonkonferenz durchführen. Damit in solchen Konferenzen effizient gearbeitet werden kann, ist es jedoch wichtig, dass sie gut strukturiert sind und nicht zu lange dauern.

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Ich hoffe, dass die Eigenverantwortung, die auch immer wieder vom Bundesrat gefordert wird, nachhaltig in den Köpfen der Bevölkerung hängen bleibt. Jeder ist für seine eigene Gesundheit, sein eigenes Glück verantwortlich. Dies fängt bei den Hygiene- und Abstandsregelungen an, gilt aber auch für unseren Konsum, unser Reiseverhalten, unsere Freizeitgestaltung und vieles mehr. Ich denke, vielen Leuten wurde oder wird es noch bewusst, dass es nicht immer noch grösser und globaler sein muss, sondern es auch in der Nähe bei uns zuhause schöne Ausflugsorte und interessante Kultur-, Sport- und Freizeitmöglichkeiten gibt.

Regierungsrat Jean-Pierre Gallati, Vorsteher Departement Gesundheit und Soziales (DGS)

Regierungsrat Jean-Pierre Gallati vor seinem Computer
© Kanton Aargau

Was waren die grössten Herausforderungen für das DGS?

Aufgrund der Verordnung des Bundesrats hat der Kanton Aargau innert Stunden ein Bewilligungsprozess für die Durchführung von Grossanlässen eingeführt (150–1000 Teilnehmende). In den Tagen darauf wurden rund 1'000 Gesuche geprüft. Gleichzeitig wurde ein konsequentes Contact Tracing installiert, so wie es jetzt auch wiederaufgenommen wurde. Eine weitere Herausforderung war das "Operationsverbot", – also das Verbot der Vornahme von nicht dringlichen Eingriffen – das der Bundesrat den Spitälern erteilt hat. Das ganze Aargauer Gesundheitswesen musste darauf ausgerichtet werden, dass genügend Intensivpflegeplätze und Beatmungsgeräte zur Verfügung standen.

In welchen Politikbereichen Ihres Departements sehen Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Coronavirus-Krise Handlungsbedarf?

Im Auswertungs- und Analyseprozess geht es unter anderem um die Anzahl Intensivpflegeplätze oder die Pflichtlagerhaltung von Medizinmaterial im Gesundheitswesen oder das Pandemiekonzept auf Seiten der Verwaltung.

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Bei allem Negativen der Coronavirus-Pandemie: Gibt es auch positive Erlebnisse oder Erkenntnisse?

Der Kanton Aargau verfügte auch in der Krise über ein gut funktionierendes, agiles und flexibles Gesundheitswesen. Die Vorgaben des Bundesrats wurden erfüllt, insbesondere was die Bereitstellung und Maximierung von genügend Intensivpflegeplätzen betrifft. Die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich mit Armee, Zivildienst und Zivilschutzorganisationen funktionierte bestens. Auch die Kooperation mit dem Aargauischen Ärzteverband, den Apotheken, den Spitex-Organisationen, den Pflegeheimen und allen Spitälern war erfolgreich.

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie werden Auswirkungen auf die Aufgaben und den Staatshaushalt des Kantons Aargau haben. Nun geht es darum, auf Stufe Kanton und Departemente die noch "frischen" Erkenntnisse zu analysieren und den resultierenden Handlungsbedarf festzustellen. Ziel ist die bestmögliche Vorbereitung auf künftige Ereignisse.

Vincenza Trivigno, Staatsschreiberin

Staatsschreiberin Vincenza Trivigno vor ihrem Computer
© Kanton Aargau

Wie haben Sie in den letzten Monaten die Coronavirus-Krise persönlich erlebt?

Gesundheitlich gut. Zwar musste ich acht Tage in Quarantäne, der Virus hat mich aber nicht erwischt.

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Was waren die grössten Herausforderungen für die Staatskanzlei?

Einerseits den normalen Betrieb aufrechtzuerhalten, dazu gehört unter anderem die Regierungsratssitzung sowie zahlreiche andere Sitzungen. In Zeiten des Lockdowns hiess dies, die ganzen Prozesse mit Tempoteufel zu digitalisieren, damit die Arbeiten auch aus dem Homeoffice erledigt und die Regierungsratssitzungen via Skype geführt werden konnten. Andererseits leitete und koordinierte ich die Arbeitsgruppe, welche das Massnahmenpaket zur Unterstützung der Wirtschaft erarbeitet hat.

In welchen Politikbereichen der Staatskanzlei sehen Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen in der Coronavirus-Krise Handlungsbedarf?

Den Handlungsbedarf müssen wir evaluieren. Dazu haben wir erste Ideen, aber es braucht ein sauberes und systematisches "Debriefing" und dieses muss jetzt gemacht werden, wenn die Erfahrungen noch "frisch" sind. Dazu wurden wir auch von Bundesstellen, von kantonalen Konferenzen, aber auch von unserem Grossen Rat in Form eines Postulats aufgefordert. Sobald die Analyse vorliegt, kann der Handlungsbedarf bestimmt werden.

Bei allem Negativen der Coronavirus-Pandemie: Gibt es auch positive Erlebnisse oder Erkenntnisse?

Im Bereich Digitalisierung haben wir einen grossen Schritt vorwärts gemacht und zwar auch im Kopf. Wir haben nämlich uns selber gezeigt, dass wir uns flexibel an neue Situationen anpassen können. Dieses Gefühl gilt es mitzunehmen, denn der Digitalisierungsprozess geht weiter. Man könnte auch sagen: Die Corona-Krise hat uns buchstäblich zum digitalen Glück gezwungen.

Werden Sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse in der Coronavirus-Krise Veränderungen oder Anpassungen im persönlichen Bereich vornehmen?

Die Distanz- und Hygieneregeln des BAG müssen weiterhin und uneingeschränkt eingehalten werden. Wir sind nicht einfach "back to normal". Vielmehr sollten wir eigenverantwortlich alles dafür tun, dass es zu keiner zweiten Welle kommt.

Wie wird die Coronavirus-Krise Ihrer persönlichen Meinung nach unsere Gesellschaft verändern?

Aus meiner Sicht werden die Leute weniger an Grossveranstaltungen gehen und die "neuen" digitalen Möglichkeiten – wie beispielsweise Online-Einkauf – nachhaltig nutzen, das heisst, der Strukturwandel im Detailhandel wird deutlich rascher gehen. Gleiches gilt für Homeoffice.