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Zusätzliche Sicherungen für die Baugrube des Tunnels Lieli :
Erhöhter Bergdruck beim Umfahrungsprojekt „Folgemassnahmen A20-A4 Mutschellen“

Weil sich der Bergdruck in der Baugrube des Tagbautunnels Lieli in den letzten Tagen beträchtlich erhöht hat, ordnete das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau (BVU) Sofortmassnahmen an: Neben dem Einbau zusätzlicher Stahlspriesse mit Messsystemen wurde auch das Alarmsystem verfeinert.

Am 18. Juli 2005 erfolgte der Baubeginn für den ca. 890 m langen Tagbautunnel Lieli als Teil des Projekts "Folgemassnahmen A20-A4 Mutschellen". Im Bereich des Ostportals wurde seit Herbst 2005 eine bis zu 12 m tiefe Baugrube ausgehoben. Mittlerweile sind die Aushubarbeiten zügig vorangetrieben worden, bis Mitte Dezember 2005 konnten alle Terminvorgaben eingehalten werden.

Für die berg- und talseitige Sicherung hatte man eine verankerte Spritzbeton-Pfahlwand erstellt. Zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner ist neben der konventionellen Baugrubenüberwachung (Messung der Horizontalverschiebung im Bohrpfahl, usw.) auch ein automatisches Messsystem mit einer Überwachung im Zweistundenrhythmus im Einsatz. Dank des integrierten Meldesystems werden bei Toleranzüberschreitungen die Verantwortlichen sofort über das Mobiltelefon alarmiert.

Angestiegene Messwerte erforderten Sofortmassnahmen

Nach Ausbruch der zweiten Sandsteinschicht im Bereich der Baugrubensole sind nun die Messwerte langsam aber kontinuierlich angestiegen. Das bedeutet, dass sich die Wände beidseitig Richtung Baugrube verformen. Das Tunnelobjekt wird in einer relativ flachen Hanglage realisiert, und die Felsschichtungen verlaufen fast horizontal. Bei solchen Randbedingungen ist der nun festgestellte Felsentspannungsmechanismus äusserst selten. Ein ähnliches Phänomen hat man vor 30 Jahren beim Bau des Milchbuck-Tunnels in Zürich festgestellt.

Die Projektleitung des Departements Bau Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau (BVU) hat sofort ein Expertenteam einberufen. Als Sofortmassnahmen wurden der Einbau zusätzlicher Anker sowie messtechnisch überwachter Stahlspriesse angeordnet. Das vorhandene Alarmsystem wurde verfeinert, für ausserordentliche Ereignisse sind weitere Stahlspriesse abrufbereit. Zur Eingrenzung des Bergdruck-Phänomens sind zudem zusätzliche Baugrunduntersuchungen in Arbeit. Insbesondere werden umfangreiche Messungen der Deformation in unterschiedlichen Baugrundtiefen durchgeführt.

Im Bereich des Ostportals besteht der Baugrund im Wesentlichen aus Lockergestein bis in eine Tiefe von ca. 7 m. Darauf folgt ein sehr gut tragfähiger, fast horizontal geschichteter Molassefels, auf dem der Tunnel steht. Nach ersten vorsichtigen, geologischen Berechnungen muss nun davon ausgegangen werden, dass das Tunnelgewölbe verstärkt werden muss. Die daraus resultierenden Bauzeitverlängerungen und Mehrkosten können zurzeit noch nicht beziffert werden.

  • Departement Bau, Verkehr und Umwelt