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Zivilstandsereignisse auf Bildschirm statt Papier :
Planmässige Reorganisation der Zivilstandsämter im Aargau

Das neue elektronische Personenstandsregister Infostar ist seit dem 1. Juli 2005 im Vollbetrieb. Was früher 231 kommunale Zivilstandsämter mit 500 Angestellten auf Papier gemacht haben, erledigen heute 69 Personen in 20 regionalen Zivilstandsämtern am Bildschirm. Die Rationalisierung wird noch weiter zunehmen.

Dies wird früher oder später dazu führen, dass kleinere Zivilstandskreise mit anderen Kreisen zusammengeschlossen werden müssen. Gemäss Vorgaben des Bundes darf auf einem Zivilstandsamt niemand als Urkundsperson an Infostar arbeiten ohne ein Pensum von 40 %. Die Kantone Bern (jetzt noch 24 Ämter), Waadt (jetzt noch 15 Ämter) und St. Gallen (jetzt noch 35 Ämter) sind bereits an der Planung der nächsten Reorganisation. In diesen Kantonen wird voraussichtlich auf das Jahr 2009 hin die Anzahl Ämter auf höchstens einen Drittel der bisherigen Zahl reduziert. Der Kanton Jura verschmilzt bereits auf den 1. April 2006 seine bisherigen 3 Zivilstandsämter zu einem einzigen. Damit werden bereits 7 Kantone nur noch ein einziges Zivilstandsamt haben.

Reorganisation im Kanton Aargau

Am 25. Februar 2003 hat der Grosse Rat beschlossen, dass die Zivilstandsämter weiterhin durch die Gemeinden zu führen seien, aufgrund der Bundesvorschriften aber als regionale Organisationen; der Kanton solle lediglich die Aufsichtsfunktion ausüben. Gemäss Übereinkunft unter den kantonalen Aufsichtsbehörden werden bis Ende 2008 alle seit dem Jahr 1988 in den Familienregistern eröffneten Blätter ins Infostar überführt sein. Je weiter die Rückerfassung der Personendaten ins Infostar fortschreitet, desto kleiner werden aber die zur Verarbeitung der aktuellen Ereignisse erforderlichen Pensen werden. Die Statistik für das Jahr 2004 zeigt zudem, dass die 20 Regionalen Ämter sehr unterschiedlich mit der Verarbeitung von aktuellen Zivilstandsereignissen ausgelastet sind. An der heutigen Medienkonferenz hielt Regierungsrat Kurt Wernli deshalb fest, dass er offene Ohren habe für entsprechende Anliegen der Gemeinden: "Wenn im Aargau die Kreiseinteilung wieder thematisiert wird, dann werden wir die Schaffung eines Sonderzivilstandsamtes bei der Aufsichtsbehörde wieder zur Sprache bringen. Dieses Amt würde die Zivilstandsereignisse der Aargauerinnen und Aargauer im Ausland und die Einbürgerungen von ausländischen Staatsangehörigen sowie die Namensänderungen und Adoptionen direkt im Infostar beurkunden; das wäre mit viel Effizienzgewinn verbunden." Auch für die Präsidentin des Aarg. Verbandes für Zivilstandswesen und Leiterin des Regionalen Zivilstandsamtes Brugg, Verena Märki, ist klar: "Nach Abschluss der Rückerfassung der Daten muss eine Neubeurteilung der Stellendotierungen und damit verbunden eine erneute Bereinigung in der Landschaft der Regionalen Zivilstandsämter stattfinden." Regierungsrat Wernli: "Dabei sollen sich Kanton und Gemeinden leiten lassen von den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden, unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen."

Mehr Service public

Im Vorfeld der Neuorganisation ist die Befürchtung geäussert worden, die Betreuung der Kundinnen und Kunden werde unpersönlicher ("Hochzeitsfabriken"). Diese Entwicklung ist nicht eingetreten. Der Service public hat sich nicht verschlechtert. Im Gegenteil: Während vor der Neuorganisation die Trauungen oft in Kommissionszimmern stattgefunden haben, sind jetzt spezielle Trauungslokale geschaffen worden. In vielen Vertragsgemeinden stehen zusätzliche Trauungslokale zur Verfügung, z.B. die Schlösser Liebegg, Lenzburg, Wildegg, Hallwyl und Klingnau. Und: Obwohl weder das eidgenössische noch das kantonale Recht es vorschreiben, ermöglichen 18 der 20 Zivilstandskreise, dass an Samstagen geheiratet werden kann.

  • Departement Volkswirtschaft und Inneres