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Übergabe des Schweizer Denkmalpreises 2015 :
Auszeichnung für die röm.-kath. Pfarrkirche in Bünzen

Die röm.-kath. Pfarrkirche von Bünzen wurde von 2012 bis 2014 umfassend renoviert. Dabei wurde die einzigartige, bauzeitliche Trompe-l'oeil-Malerei, die 1931 weitgehend verlorenging, rekonstruiert. Für die ausgezeichnete Innenrestaurierung erhält die Pfarrkirche Bünzen am 8. Dezember den Schweizer Denkmalpreis 2015, ausgerichtet von der Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger (KSD).

Aus heutiger Sicht gehört die Bemalung der Wände und Gewölbe zum Wertvollsten der heute ältesten neugotischen Kirche des Freiamts von 1860/61. Es handelt sich um eine einzigartige Trompe-l‘oeil-Malerei, eine illusionistische Malweise, die das Auge täuschen soll. So vermittelt die beige-graue Architekturmalerei den Eindruck aufwändiger Steinmetz- und Stuckaturarbeiten. Ausgeführt wurde sie vom Winterthurer Dekorationsmaler Karl August Jäggli (1824-1879). Er war ein Könner seines Fachs und in den 1850er bis 1870er Jahren einer der meist beschäftigten Kirchenmaler.

Raumhülle im Wandel der Zeit

Die eleganten Architekturmalereien wurden im Zuge der ersten Innenrenovation 1931 durch eine bunte und expressive Malerei abgelöst, die wiederum in den 1970er Jahren mit einer simplen weissen Fassung überstrichen wurde. Dieser Anstrich mit dispersionsähnlicher Farbe führte zu Kondensat und Schimmelbildung. Die bautechnische Notwendigkeit zur Entfernung des weissen Anstrichs war zugleich Auslöser für die Frage, wie der Kirchenraum im Jahr 2014 gestaltet werden soll.

Bünzen ist die am umfassendsten erhaltene Kirche des be-kannten Architekten Caspar Joseph Jeuch (1811-1895). Nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die gesamte Ausstattung mit dem Hauptaltar, den Seitenaltären und der Kanzel sind erhalten geblieben. So entschied man sich, auch die Bemalung wiederherzustellen, um den bauzeitlichen Raumeindruck zurückzugewinnen.

Historische Fotografien ermöglichen Rekonstruktion

Aus denkmalpflegerischer Sicht erwies es sich als glückliche Fügung, dass sich in der Sakristei und hinter dem Orgelprospekt einzelne Fragmente der originalen Malerei erhalten hatten. Aufgrund dieser Befunde und anhand von historischen Fotografien konnte die illusionistische Architekturmalerei rekonstruiert werden. So musste diese weder neu interpretiert noch hypothetisch ergänzt werden.

Die ausdrucksstarke Malerei bindet die Altäre und die Fensternischen in den Raum ein und betont durch die intensivere Bemalung des Triumphbogens den Bezirk der Liturgie. Der Chorbereich bildet mit einem neuen, kunstvoll bearbeiteten Altar aus Sandstein, Ambo und Osterkerzenhalter ein würdevolles und unverrückbares neues liturgisches Zentrum, ohne die Wirkung und Bedeutung der ursprünglichen neugotischen Altäre zu mindern.

Mit der Pfarrkirche St. Georg und Anna besitzt Bünzen einen der schönsten und zugleich nahezu umfassend erhaltenen Sakralräume des Historismus im Kanton Aargau. Die gelungene Innenrestaurierung wird am 8. Dezember mit der Vergabe des Schweizer Denkmalpreises 2015 gewürdigt. Der Preis wird jährlich von der Konferenz der Schweizer Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger (KSD) an herausragende Projekte ausgerichtet. Bereits im 2013 ging der Schweizer Denkmalpreis in den Kanton Aargau. Damals wurde die Restaurierung und Erweiterung der Schulanlage Gönhard in Aarau ausgezeichnet.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport