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Tagung mit über 400 Fachleuten aus Forschung und Praxis :
Internationale PISA-Tagung am 15./ 16. August in Aarau

Über 400 Fachleute aus Forschung, Bildungsverwaltung, Lehrerbildung, Schulen, Bibliotheken und Erwachsenenbildung haben in Aarau an einer internationalen Tagung die Ergebnisse und Folgen der PISA-Studie diskutiert. Organisiert wurde der Anlass vom Zentrum Lesen der Fachhochschule Aargau / Nordwestschweiz und der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung.

Die Lesefähigkeiten der Schweizer Jugend am Ende ihrer Schulzeit sind unzureichend. Dieses Teilergebnis der internationalen PISA-Studie, die von der OECD in 32 Ländern durchgeführt wurde, stand im Mittelpunkt der Aarauer Tagung. In verschiedenen Referaten und Workshops wurden mögliche Gründe für das unbefriedigende Abschneiden der Schweizer Jugend sowie bildungspolitische Konsequenzen erörtert.

Impulse auch für die Aargauer Bildungspolitik

Anlässlich einer Medienorientierung betonte der Aargauer Bildungsdirektor Rainer Huber, er erhoffe sich von der Tagung Impulse auch für die aargauische Bildungspolitik. Er stellte fest, dass das Schweizer Bildungssystem in den letzten Jahren in vielen Punkten als unantastbar gegolten habe. Die PISA-Studie zeige aber, dass das Bildungssystem hinterfragt und Veränderungen angepackt werden müssen. Im Zusammenhang mit der Lesefähigkeit soll im Kanton Aargau der Schriftsprache im Unterricht auf allen Stufen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Weitere Themen, die in der politischen Diskussion aufgenommen werden sollen, sind die Förderung von funktionierenden Tagesstrukturen in den Schulen, verstärkte Integrationsbemühungen für Fremdsprachige und eine interkantonal abgestimmte Qualitätssicherung sowie die Frage, wann Kinder eingeschult werden sollen.

Andreas Schleicher, Gesamtleiter der PISA-Studie, unterstrich die Bedeutung der Bildung als Schlüssel für den Erfolg des Einzelnen sowie für den Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit eines Staates. Vor diesem Hintergrund bewertet er das Abschneiden der Schweiz in der PISA-Studie als enttäuschend. Gemäss Studie gehört die Schweiz zu den OECD-Staaten, in denen die Leistungen 15-Jähriger in den Bereichen Lesen und Naturwissenschaften lediglich durchschnittlich sind und in denen es vielfach an anschlussfähigem Wissen für weiterführende Lernprozesse mangelt.

Defizite im Schweizer Bildungssystem

Die Studie zählt die Schweiz zu den Ländern, in denen der Einfluss der sozialen Herkunft auf die schulische Leistung am höchsten ist. Gemäss Studienleiter Andreas Schleicher gelingt es dem schweizerischen Bildungssystem nur unzureichend, ungünstige familiäre und soziale Voraussetzungen auszugleichen. Stefan C. Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, führte weiter aus, dass der starke Einfluss von Eltern auf die schulischen Leistungen ihrer Kinder per se nicht schlecht sei. Er warnte aber vor einer allzu grossen Abhängigkeit der schulischen Leistungen vom familiären Umfeld, weil dies soziale Unterschiede zementiere und nicht dem Gebot der Chancengerechtigkeit entspreche.

Peter Bichsel und Bundesrätin Ruth Dreifuss

Als Höhepunkte der Tagung fand am Donnerstagabend nach einem Referat des Aargauer Bildungsdirektors eine "Lesung mit Anmerkungen" mit dem Schriftsteller Peter Bichsel statt. Und am Freitagmittag wird Bundesrätin Ruth Dreifuss die Tagung mit einem Referat abschliessen.

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