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Römischer Friedhof vor den Toren Vindonissas entdeckt :
Kantonsarchäologie untersucht Brandgräber und Grabbauten aus dem ersten Jahrhundert

Das antike Vindonissa ist immer wieder für Überraschungen gut. Bei Bauarbeiten am Abhang des Bruggerbergs nördlich der Aare wurde kürzlich ein bislang unbekanntes römisches Gräberfeld entdeckt. Derzeit laufen die Bergungs- und Dokumentationsarbeiten der Kantonsarchäologie unter Hochdruck.

Das römische Vindonissa – Legionslager und umgebende Zivilsiedlung – lag vor 2000 Jahren überwiegend auf dem Boden der heutigen Gemeinde Windisch. Wichtige Fernstrassen führten von hier nach allen Himmelsrichtungen, und gemäss römischem Recht wurden entlang dieser Strassen die Friedhöfe für Soldaten und Zivilbevölkerung angelegt. Solche Nekropolen – das griechische Wort für Totenstädte – mit gesamthaft über 700 Gräbern waren bislang entlang der westlichen, südlichen und östlichen Ausfallstrasse bekannt. Ende Oktober 2012 gelang nun die überraschende Entdeckung eines weiteren Gräberfelds. Es liegt westlich der Vorstadt von Brugg, unmittelbar nördlich der heutigen Baslerstrasse, die in römischer Zeit nach Augusta Raurica (Augst BL) führte.

Strassen, Gräber und Grabmonumente

Das Team der Kantonsarchäologie hat seither über 35 Gräber freigelegt. Sie enthalten die verbrannten Knochenreste der dort Bestatteten sowie verbrannte und unverbrannte Beigaben: Tongefässe, Salbfläschchen aus Glas und Bronzeschmuck. Die meisten Gräber sind einfache Erdgruben, in denen die Asche des Scheiterhaufens gekippt wurde. Einige Gräber hingegen wurden sorgfältig in Form einer Kiste aus Ziegelplatten gebaut. Die Gräber liegen an oder sogar auf einer römischen Kiesstrasse, die einstmals von Vindonissa nach Augusta Raurica führte und wegen der schwierigen Hanglage mehrfach erneuert und verlegt wurde. Die grosse Überraschung sind aber mehrere gemauerte Fundamente. Auf den ersten Blick unscheinbar, gehörten sie einstmals wohl zu turmartig gebauten Grabmonumenten, die in der römischen Schweiz eine grosse Seltenheit darstellen. Vermutlich standen auf den Grundmauern einstmals Nischengrabmäler, die mit Inschriften, Bildnissen oder gar Statuen an die hier Bestatteten erinnern sollten.

Pressetermin am 21. November auf der Grabungsstelle

Da die archäologische Ausgrabung wegen der bereits angelaufenen Bauarbeiten technisch anspruchsvoll ist und unter grossem Zeitdruck steht, kann derzeit keine öffentliche Führung angeboten werden. Medienschaffende sind jedoch eingeladen den Pressetermin am Mittwoch, 21. November 2012, um 14.00 Uhr wahrzunehmen. Es ist vorgesehen, die interessantesten Fundstücke der interessierten Öffentlichkeit nach Abschluss von Ausgrabung, Konservierung und Restaurierung der Funde zu präsentieren.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport