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Reguläre Schullaufbahnen sind nicht die Regel :
Aktuelle Analysen von zehn Jahren Laufbahnstatistik liegen vor

Erstmals können die Bildungswege der Aargauer Schülerinnen und Schüler der letzten zehn Jahre nachvollzogen werden. Rund die Hälfte aller Schullaufbahnen weichen bis zum Abschluss der Volksschule mindestens einmal vom regulären Weg ab. Am häufigsten kommt es zu Abweichungen, die mit einer Verzögerung der Laufbahn einhergehen. 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler schliessen die Volksschule erst nach zehn oder mehr Jahren ab.

Seit zehn Jahren erfasst das Statistische Amt des Kantons Aargau die Aargauer Schülerinnen und Schüler auf der Basis von Individualdaten. Gemeinsam mit dem Departement BKS wurden die gesammelten Lernendendaten analysiert und interpretiert. Dabei wurde untersucht, welche Bildungswege die Aargauer Schülerinnen und Schüler seit dem Schuljahr 1998/99 zurückgelegt haben.

Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler geht ihren eigenen Weg

In der Aargauer Volksschule gibt es viele Möglichkeiten, die Laufbahn in eine Richtung zu lenken, die nicht einer regulären Schullaufbahn entspricht. Das Überspringen oder die Repetition eines Schuljahres, Wechsel zwischen den Schultypen auf der Sekundarstufe I oder (vorübergehende) Sonderklassenbesuche führen dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler einen nicht regulären Weg gehen. 47 Prozent sind es, die im Verlauf ihrer Volkschulzeit mindestens einmal von der regulären Spur abweichen. Wird auch berücksichtigt, ob die Schülerinnen und Schüler vorzeitig, regulär oder verspätet eingeschult wurden, ist es mehr als die Hälfte (52 Prozent), die beim Abschluss der Volksschule auf einen nicht regulären Bildungsweg zurückblickt.

Die Volksschule dauert für viele länger als neun Jahre

Die meisten Abweichungen der Schullaufbahn gehen mit einer Verzögerung einher. 40 Prozent befinden sich nach neun Schuljahren immer noch in der Volksschule und benötigen bis zum Abschluss mindestens ein Jahr länger. In den meisten Fällen kommt diese Verzögerung durch eine Repetition zustande. Nur wenige (1 Prozent) hingegen schaffen den Abschluss in kürzerer Zeit. Es bleiben 59 Prozent der Schülerinnen und Schüler, welche die Volksschule in der regulären Zeit von neun Jahren abschliessen.

Aufstiege in den nächsthöheren Schultyp haben ihren Preis

Im Verlauf der Sekundarstufe I wechselt ein Viertel (25 Prozent) zwischen den einzelnen Bildungs-angeboten. 12 Prozent schaffen es, in den nächsthöheren Schultyp aufzusteigen. Allerdings ist mit einem Aufstieg praktisch immer eine Repetition verbunden. Diese Schülerinnen und Schüler müssen daher bereit sein, für ihren Aufstieg eine längere Schulzeit in Kauf zu nehmen. Demgegenüber erfüllen 6 Prozent der Lernenden die Anforderungen des besuchten Schultyps im Verlauf der Sekundarstufe I nicht mehr und müssen absteigen. 4 Prozent wechseln ohne Niveauumstufung (Wechsel ins Berufswahljahr oder ins Werkjahr), 3 Prozent erleben mehrere Wechsel. Alles in allem haben diese zahlreichen Wechselbewegungen zur Folge, dass sich die Lernendenanteile im Verlauf der Sekundarstufe I verschieben: Der Anteil der Kleinklasse sinkt von 4 Prozent auf 3 Prozent und jener der Realschule von 25 Prozent auf 22 Prozent. Gleichzeitig steigen die Anteile der Sekundarschule von 35 Prozent auf 37 Prozent und der Bezirksschule von 36 Prozent auf 38 Prozent.

Von einem separativen zu einem integrativen Bildungssystem

Die zahlreichen Kinder und Jugendlichen, die während ihrer Volksschulzeit von der regulären Laufbahn abweichen, verweisen auf ein höchst separatives Schulsystem. Schülerinnen und Schüler, welche die Lernziele nicht mehr erreichen, müssen einen anderen Bildungsweg gehen und somit auch ihren Klassenverband verlassen. Integrative Bildungssysteme hingegen lassen innerhalb der Klassen ein grösseres Leistungsspektrum zu. Die Schülerinnen und Schüler können auch dann in der Klasse verbleiben, wenn sie die Lernziele nicht erreichen oder diese weitaus übertreffen.

Die bereits eingesetzte Umsetzung der Integrativen Schulung in der Aargauer Volksschule sowie die geplante Einführung eines durchlässigen Oberstufenmodells und der Basisstufe mit altersgemischten Klassen werden bewirken, dass zukünftig reguläre Schullaufbahnen wieder zum Regelfall werden.

Zahlreiche weitere Ergebnisse zu den Aargauer Schullaufbahnen sind in der Buchpublikation "Schullaufbahnen quer durch die Volksschule" enthalten. Das Buch kann beim Lehrmittelverlag des Kantons Aargau bestellt werden (www.ag.ch/lehrmittelverlag) oder im Internet als Pdf-Publikation heruntergeladen werden unter www.ag.ch/bks>Aktuelles>Kennzahlen Bildung.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport