Neue Wege in der Energiepolitik
:
Planungsbericht energieAARGAU geht an den Grossen Rat
Die Aargauer Regierung hat den Planungsbericht energieAARGAU veröffentlicht. Er legt die Hauptausrichtungen und Strategien der Energiepolitik des Kantons der nächsten zehn Jahre fest und fasst in Leitsätzen zusammen, wo Handlungsbedarf besteht und mit welchen Massnahmen der Aargau die Reise in die energiepolitische Zukunft antreten will.
Die Auswirkungen des ungebremsten Energiekonsums auf die Umwelt sind fatal und verlangen nach Massnahmen in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Immer stärker rückt dabei die Endlichkeit der fossilen Energieträger ins Zentrum. Die gesicherten Vorräte an Erdöl und Erdgas reichen noch vierzig bis fünfzig Jahre. Bis dann müssen neue, erneuerbare Energiequellen soweit erschlossen sein, dass sie effizient und wirtschaftlich genutzt werden können.
Vor diesem Hintergrund sowie in Anbetracht der Marktöffnung im Strombereich und der Rolle des Aargaus als Energiekanton, hat die Regierung den Planungsbericht energieAARGAU lanciert. Darin wird, in Form von Leitsätzen und Strategien, die Energiepolitik des Kantons der kommenden zehn Jahre definiert. Mit dem Bericht werden die Voraussetzungen für eine Energiepolitik geschaffen, welche dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet ist.
Vier Hauptausrichtungen
energieAARGAU basiert auf vier Hauptausrichtungen: Die Vision einer 2000-Watt-Gesellschaft ist an der ETH Zürich entwickelt worden. Gemäss dieser Vision soll der Primärenergieverbrauch pro Person - bei gleich bleibender Lebensqualität - auf 2000 Watt reduziert werden. 2000 Watt entspricht einer nachhaltigen, ökologischen Obergrenze, welche die Erde längerfristig verträgt.
Mit der Verbesserung der CO2-Bilanz will der Aargau einen Beitrag zur Erfüllung des CO2-Gesetzes bis ins Jahr 2010 leisten.
Die Sicherung der Versorgung mit Energie hat in unserer Gesellschaft eine grosse Bedeutung. Der Kanton setzt sich deshalb für eine sichere und preiswerte Energieversorgung sowie für Preis-Solidarität ein. Mit den Beteiligungen an Axpo und AEW Energie AG sowie den zahlreichen Kraftwerken nimmt der Strombereich dabei eine besondere Rolle ein. Der Kanton steht hinter der Produktion von Elektrizität aus Kernenergie. Die Beantwortung der Frage des Ersatzes der heutigen Kernkraftwerke soll rechtzeitig durch die Stromwirtschaft an die Hand genommen werden. Ob dies mit neuen Kernenergieanlagen oder durch andere Anlagen erfolgen soll, lässt der Regierungsrat offen. Er will aber die Bestrebungen um den Ersatz der heutigen Kraftwerkskapazitäten, die den Kriterien der Nachhaltigkeit nachkommen, unterstützen.
Der Kanton Aargau nimmt mit bedeutenden Einrichtungen im Energiebereich eine starke Stellung ein. Diese soll weiter gestärkt werden, indem die im Kanton tätigen Forschungsinstitute, Produktionsanlagen und Industrien als Gesamtheit, als Energiecluster, betrachtet werden.
Acht Leitsätze
Die aargauische Energiepolitik wird in acht Leitsätzen zusammengefasst. Künftige politische Entscheide, aber auch die entsprechenden Umsetzungsmassnahmen, sollen sich an diesen Leitsätzen messen. Dazu Regierungsrat Peter C. Beyeler, unter dessen Leitung der Bericht entstanden ist: "In energieAARGAU betrachten wir Energie-, Verkehrs-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik als Ganzes. Die Energieversorgung basiert auf der Nutzung verschiedener Energieträger. Im Sinne einer nachhaltigen Energiepolitik unterstützt der Kanton Aargau den Einsatz effizienter Energiequellen mit dem Ziel einer optimalen Wirkung".
Unter anderem will der Kanton, dass neue, erneuerbare Energien verstärkt genutzt werden. Gute Rahmenbedingungen sollen ermöglichen, dass das vorhandene grosse Know-how am Technologie-Standort Aargau in den Bereichen Geothermie, Umgebungswärme, Abwärme, Biomasse und Sonnenenergie mittelfristig einer wirtschaftlichen Energieproduktion überführt werden kann.
Auch die rationelle Energienutzung bei Gebäuden ist eine zentrale Aufgabe der kantonalen Energiepolitik. Gemäss energieAARGAU soll - bei Neubauten wie bei Modernisierungen - der MINERGIE®-Standard weiter gestärkt werden. Der Kanton will bei seinen Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen und MINERGIE® konsequent anwenden. Private sollen bei Erneuerungen nach MINERGIE® finanziell unterstützt werden.
Der Kanton setzt auf Eigenverantwortung
Anlässlich der Medienkonferenz, an welcher energieAARGAU vorgestellt wurde, betonte Energiedirektor Beyeler aber auch die Bedeutung der Eigenverantwortung. "Der verantwortungsvolle und bewusste Umfang mit Energie kann nicht an die Politik alleine delegiert werden", so seine Worte. Es brauche die Einsicht jedes und jeder Einzelnen, dass die Zeit zum Handeln gekommen sei. Aufgabe des Staates sei es hingegen, mit Impulsprogrammen, Anschubfinanzierungen, Information und Beratung unterstützend einzugreifen.
Wie weiter?
Nach der Genehmigung der Hauptausrichtungen, der Leitsätze und Strategien von energieAARGAU durch den Grossen Rat, sollen den aufgezeigten Umsetzungsmöglichkeiten konkrete Massnahmen folgen.Für deren Umsetzung ist die Fachstelle Energie des Baudepartements verantwortlich.
Der Planungsbericht energieAARGAU ist abrufbar auf www.energie.ag.ch