Mehr Chancen für junge Stellensuchende
:
Massnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit
Jugendliche sind - insbesondere im Aargau - von Arbeitslosigkeit besonders stark betroffen. Auf Einladung von Volkswirtschaftsdirektor Kurt Wernli und Bildungsdirektor Rainer Huber entwickelten rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Sozialpartnern, Arbeitgebern, kantonalen Ämtern und Bildungsinstitutionen konkrete Massnahmen zur Verbesserung der Chancen Jugendlicher auf dem Arbeitsmarkt.
Jugendarbeitslosigkeit ist eine gesellschaftlich und volkswirtschaftlich besonders gravierende Begleiterscheinung einer schlechten Wirtschafts- und Beschäftigungslage, da sie für die Betroffenen während Jahren nachteilige Folgewirkungen haben kann.
Hoher Anteil im Aargau
Im September 2004 lag die Arbeitslosenquote der 15-24-Jährigen gesamtschweizerisch rund 50 Prozent über derjenigen der 25-49-Jährigen. Im Aargau betrug diese Differenz gar 80 Prozent. Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der 20-24-Jährigen; ihre Arbeitslosenquote lag gesamtschweizerisch 65 Prozent über derjenigen der 25-49-Jährigen; im Aargau war sie mehr als doppelt so hoch. Die überdurchschnittliche Betroffenheit des Aargaus verlangt zusätzliche Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit.
Massnahmenvorschläge
Auf Einladung der beiden Regierungsräte Huber und Wernli haben im RAV-Suhr (Rundhaus) rund 40 Vertreter und Vertreterinnen von Sozialpartnern, Arbeitgebern und kantonalen Aemtern sowie direkt Betroffene gemeinsam Lösungsansätze und Massnahmen entwickelt. Die von Regierungsrat Kurt Wernli eröffnete Tagung ging von Vorarbeiten aus, die im Rahmen des interkantonalen Projekts AMOSA (Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz Aargau) geleistet worden waren. Dabei konzentrierte man sich konsequent auf Massnahmen, die relativ rasch realisiert (Ziel: Mitte 2005) und mit Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert werden können. Gegen Ende der Tagung einigte man sich auf folgende vier Projekte:
1. Netzwerk Jugendarbeitslosigkeit
Personen, die sich mit der Problematik der Jugendarbeitslosigkeit auseinander setzen, werden miteinander besser vernetzt. Eine bereits bestehende Stelle wird mit der Koordination beauftragt und muss sich einen umfassenden Ueberblick über das, was im Kanton läuft und über interessante Modelle in anderen Kantonen und im Ausland verschaffen. Diese Stelle dient als Auskunftsstelle und organisiert den Erfahrungsaustausch.
2. Mentoring für Jugendliche im Uebergang zwischen Volksschule und Berufslehre
Jugendlichen, bei denen die Lehrstellensuche besondere Probleme erwarten lässt, wird durch eine kompetente Person Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz angeboten. Das Angebot besteht in den letzten Monaten vor Schulabschluss und bei Bedarf auch in den ersten Monaten der Ausbildung als Ergänzung zu den Leistungen der Schulen und der Berufsinformationszentren (BIZ).
3. Ausbildungssupport für kleinere und mittlere Lehrbetriebe
Vor allem kleinere Betriebe fühlen sich von den mit einem Lehrverhältnis verbundenen Umtrieben und Risiken oft überfordert und verzichten daher unter Umständen auf die Ausbildung von Lehrlingen; vor allem dann, wenn es sich um Jugendliche handelt, die überdurchschnittlich grosse Umtriebe und Risiken erwarten lassen. Um diese Hemmschwelle zu senken, bietet ein Projekt kleinen und mittleren Betrieben Dienstleistungen an, mit denen ihnen ein Teil der Umtriebe und Risiken abgenommen wird, die mit einem Lehrverhältnis verbunden sein können.
4. Vermittlungsstelle für Praktikumsplätze
Eine tripartite, von den Sozialpartnern und vom Staat gemeinsam getragene bzw. beauftragte Stelle setzt sich bei Betrieben dafür ein, dass für Jugendliche genügend geeignete Praktikumsplätze zur Verfügung stehen. Jugendlichen wird es so ermöglicht, die zum Einstieg ins Erwerbsleben erforderliche praktische Erfahrung zu erwerben, ein für eine Ausbildung nötiges Praktikum zu absolvieren oder die Zeit bis zum Beginn einer Ausbildung oder Lehre sinnvoll zu nutzen. Die Vermittlungsstelle hat auch die Aufgabe, Betriebe, die Praktikumsplätze anbieten, von den damit vebundenen Umtrieben und Risiken so weit wie möglich zu entlasten.
Diese Projekte werden nun unter Leitung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (Departement des Innern) und der Abteilung Berufsbildung und Mittelschule (Departement Bildung, Kultur und Sport) zusammen mit Partnern und Partnerinnen aus Wirtschaft und Schulen weiter bearbeitet. Ehrgeiziges Ziel ist es, die Massnahmen auf Mitte 2005 umzusetzen.