Luxusgüter aus dem ersten Jahrzehnt vor Christus
:
Publikation zur Frühzeit von Vindonissa
Die Forschungsresultate einer Grabung in Windisch beleuchten die Lebensweise im frühen Vindonissa. Dazu ist nun eine zweibändige Publikation erschienen, die auch aussergewöhnliche Funde eines Warenlagers mit Luxusimporten vorstellt. Darunter befindet sich auch ein Granatapfel aus römischer Zeit.
1996 bis 1998 führte die Kantonsarchäologie im zentralen Bereich des Legionslagers von Vindonissa eine Grossgrabung (2000 m2) durch, die anschliessend ausgewertet wurde. Freigelegt wurden Teile des Stabsgebäudes sowie darunter liegende ältere Baubefunde. Finanziert wurde die Grabung vom Kanton Aargau und dem Schweizerischen Nationalfonds.
Jetzt liegen die Forschungsresultate in einer zweibändigen Publikation der Gesellschaft Pro Vindonissa vor. Diese ist im Vindonissa Museum erhältlich. Die wissenschaftliche Publikation beschäftigt sich vor allem mit der Zeit, bevor die römischen Legionen nach Vindonissa kamen und mit dem im Wesentlichen in Holz gebauten Lager der ersten ab etwa 14 n. Chr. in Vindonissa stationierten Legion. Am interdisziplinären Projekt waren über 20 Autorinnen und Autoren aus den Fachbereichen Archäologie, Archäobiologie, Numismatik und Metallurgie beteiligt.
Mediterranes schon vor den römischen Legionen
Der Schwerpunkt der Auswertung lag auf einer bemerkenswerten Siedlung, die dem römischen Legionslager voranging und zu diesem überleitet. Von dieser Siedlung wusste die Forschung bis zu den Ausgrabungen von 1996-98 nur wenig. Die Siedlung bestand nur ca. 30 Jahre vom 2. Jahrzehnt v. Chr. bis um 14 n. Chr. Im untersuchten Areal wurde in dieser Zeitspanne vier Mal von Grund auf neu gebaut, was sich aus unterschiedlichen Gebäudegrundrissen ablesen lässt.
Herausgefunden haben die Forscherinnen und Forscher, dass der römische Einfluss bereits vor dem Legionslager ein beachtliches Ausmass erreichte. Dies drückte sich in den Grundrissformen der Bauten und insbesondere in Importen für den alltäglichen Gebrauch und Verzehr sowie für durchaus nicht alltäglichen Luxus aus. Aufschlussreich ist hierfür der Befund des Warenlagers eines Händlers. Über den Fernhandel wurden in dieser frühen Zeit nicht nur die gut haltbaren Grundnahrungsmittel Olivenöl, Fischsauce und Wein, sondern auch die seltenen Luxusgüter Oliven, Pistazien, Pinienkerne, Datteln, Granatäpfel und Mittelmeermakrele eingeführt. Demnach lebten hier neben der einheimischen keltischen Bevölkerung bereits vor Christus kaufkräftige Personen, die zum Umfeld des römischen Militärs gehörten. Auch der nachgewiesene Verzehr von Singvögeln weist auf mediterrane Essgewohnheiten hin, die in der Ferne so gut als möglich beibehalten wurden.
Ausgelöst durch die Forschungen zur Frühzeit von Vindonissa, wurde dem Granatapfel eine Ausstellung im Vindonissa-Museum in Brugg gewidmet, die noch bis zum 26. Oktober 2003 dauert.
Bibliografischer Hinweis:
Andrea Hagendorn, Hugo W. Doppler, Adrian Huber, Heide Hüster Plogmann, Stefanie Jacomet, Christine Meyer-Freuler, Barbara Pfäffli, Jörg Schibler, Zur Frühzeit von Vindonissa. Auswertung der Holzbauten der Grabung Windisch-Breite 1996-1998. Mit Beiträgen von Françoise Bouchet, Gino Chaves da Rocha, Malgorzata Daskiewicz, Sylvia Fünfschilling, René Hänggi, Stefanie Harter, Daniel Käch, Matthieu Le Bailly, Stefanie Martin-Kilcher, Gerwulf Schneider, Heinz Vonmont, Rolf Widmer. Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa Band XVIII/1 und 2 (Brugg 2003). Preis 180.- sFr.