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Liegt die Messlatte zu hoch? :
Erziehungsrat zur unterdurchschnittlichen Aargauer Maturandenquote

Die unterdurchschnittliche Maturandenquote im Kanton Aargau von gegenwärtig 13,1 Prozent (2005) beschäftigt auch den Erziehungsrat. Das Gremium begrüsst die Überlegungen des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) für eine Anhebung der Maturandenquote und fordert eine zügige Anpassung.

Sind die Aargauer Schülerinnen und Schüler weniger intelligent als jene der umliegenden Kantone? Ist die Leistungsbereitschaft in unserem Kanton geringer als anderswo? Wird die intellektuelle Schulung im Aargau nicht genügend geschätzt? Die Fragen sind allesamt zu verneinen - sie sind rhetorischer Natur. Niemand wird im Ernst behaupten, dass die Aargauer Schülerinnen und Schüler weniger gut auf weiterführende Ausbildungsgänge vorbereitet seien als Gleichaltrige in anderen Kantonen. Dennoch ist die irritierende Feststellung zu machen, dass die Quoten der Matur respektive Berufsmatur unterdurchschnittlich sind: 12,2% der Schweizer Jugendlichen besuchten 2005 eine Berufsmaturitätsschule, im Aargau waren es nur 10,7 Prozent. Besonders gross ist der Unterschied beim Anteil der Mittelschülerinnen und Mittelschüler: Während schweizweit ganze 18,9 Prozent eine Matura anstrebten, waren es im Aargau nur gerade 13,1 Prozent.

Die gleichen Bildungschancen für Aargauer Schülerinnen und Schüler

Der Erziehungsrat ist sich bewusst, dass nicht einzelne Gründe für die vorliegende Situation verantwortlich sind, sondern ein Geflecht von Motiven. Sowohl das bisherige Übertrittsverfahren mit seinen späten Fristen als auch der Entscheidungsprozess bei der Berufswahl, die Begleitung respektive Betreuung der Volksschulabgänger und viele andere Aspekte sind einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Ziel muss es sein, den aargauischen Jugendlichen zu jenen Bildungschancen zu verhelfen, die anderswo selbstredend in Anspruch genommen werden. Dass das bestehende Bildungspotenzial gegenwärtig nicht ausgeschöpft wird, belegt ein nüchterner Blick in die Statistik. Eine Gesellschaft, die sich als Bildungsgesellschaft versteht, kann es sich nicht leisten, intellektuelle Fähigkeiten ungenutzt zu lassen. Der Rohstoff "Bildung" darf nicht Rohstoff bleiben.

Anpassungen auf der Sekundarstufe I

Der Erziehungsrat ist dezidiert der Meinung, dass sofort Massnahmen zur Erhöhung der Maturandenquote im Kanton Aargau eingeleitet werden müssen. Ein Zuwarten bis zum Zeitpunkt der Einführung des Bildungskleeblatts hätte verheerende Folgen für unsere Jugend, die Wirtschaft und die Bildungslandschaft. Im Fokus stehen für den Erziehungsrat erstens Anpassungen auf der Sekundarstufe I im Zusammenhang mit dem Übertrittsverfahren. Zweitens muss die Motivation der Schülerinnen und Schüler zum Besuch einer weiterführenden Schule gezielt verbessert werden.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport