Für 100'000 Kinder und Jugendliche beginnt das Schuljahr
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Bildungskleeblatt ist auf Kurs
Rund 100’000 Kinder und Jugendliche hatten am Montag ihren ersten Schultag nach den Ferien, für knapp 6'000 Kinder war es der erste Schultag überhaupt. In Wettingen startete die Primarschule neu mit Blockzeiten, Mittagstisch und betreuten Randstunden, wie dies auch im Bildungskleeblatt vorgesehen ist. Der Planungsbericht Bildungskleeblatt wird Ende September 2007 im Grossen Rat beraten.
Mit dem neuen Schuljahr führt die Primarschule Wettingen an allen drei Schulstandorten betreute Mittagstische ein. Blockzeiten und betreute Randstunden ergänzen das Angebot, das gemäss Schulleiter Dominik Zehnder "der veränderten Lebenswirklichkeit von Familien gerecht werde". Schülerinnen und Schüler können von Montag bis Freitag von 8 Uhr morgens bis 16.30 Uhr nachmittags in der Schule bleiben und unter Betreuung ihre Hausaufgaben machen oder einer Freizeitaktivität nachgehen. Erwerbstätige Eltern werden damit entlastet. Gleichzeitig wird den Schülerinnen und Schülern auch ausserhalb der Schule ein stabiler und förderlicher Rahmen zum Lernen und Arbeiten geboten. Der Wettinger Schulleiter erwartet von den Tagesstrukturen positive Auswirkungen auf den Schulerfolg der einzelnen Kinder und einen zusätzlichen Beitrag für die Schulhauskultur.
Für die Organisation und den Betrieb des neuen Angebots ist der Verein Tagesstrukturen Wettingen verantwortlich. Die Betreuung erfolgt in altersgemischten Gruppen durch ausgebildete Fachpersonen. Die Eltern beteiligen sich an den Kosten je nach Einkommen mit 3 bis 9 Franken für die Betreuungsstunden und mit 6.50 bis 15 Franken für den Mittagstisch. Andrea Fischer vom Verein Tagesstrukturen Wettingen führte aus, dass noch Kapazitäten vorhanden sind. Sie erwartet aber, dass die Nachfrage nach der Einführungsphase noch grösser wird. Im Aargau gibt es 15 weitere Gemeinden, die bereits Tagesstrukturen eingeführt haben und rund 90 Mittagstische. Gemäss dem Planungsbericht Bildungskleeblatt sollen Tagesstrukturen an allen Aargauer Schulen eingeführt werden. Vorgesehen ist die Einführung in zwei Etappen: Ab 2011 Blockzeiten und Mittagstische, ab 2016 zusätzliche Betreuungsstunden ausserhalb der Schulzeit.
Genügend Schulraum fürs Bildungskleeblatt
Der Planungsbericht Bildungskleeblatt, der Ende Mai dem Grossen Rat zur Beratung und Beschlussfassung zugestellt wurde, ist auf Kurs. Die Kommissionsberatungen der letzten Wochen haben die von der Regierung beantragten Kostenvorgaben bis jetzt bestätigt. Diese Woche wird voraussichtlich die Beratung in der BKS-Kommission abgeschlossen werden. Die Debatte im Grossen Rat ist für den 25. September vorgesehen. Eine detaillierte Erhebung des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) zeigt auf, dass für die künftigen Oberstufenstandorte kein zusätzlicher Schulraum gebaut werden muss. Lediglich für die Primarstufe fehlen in acht Gemeinden einzelne Schulräume. Die meisten Oberstufen-Standorte werden kleiner sein als heute. Und obschon es weniger Standorte sein werden, werden mit dem Bildungskleeblatt weniger Schülerinnen und Schüler ausserhalb ihrer Wohngemeinde zur Schule gehen.
Erhöhung der Maturitätsquote
Der Kanton Aargau hat im Vergleich zum schweizerischen Durchschnitt eine deutlich unterdurchschnittliche gymnasiale Maturitätsquote (CH 18,9%, AG 13,1%) und eine unterdurchschnittliche Berufsmaturitätsquote (CH 12,2%, AG 10,7%). Das Departement BKS will diesen Indikator in den nächsten Jahren dem schweizerischen Durchschnitt annähern, ohne dabei das Leistungsniveau zu senken. Unter anderem sollen das Aufnahmeverfahren vereinfacht, die individuellen Fördermöglichkeiten verbessert und die Schulabbrecherquote reduziert werden. "Das Gymnasium und die Berufsmaturitätsschulen sollen attraktiver werden", betonte Regierungsrat Rainer Huber. Die Lust, neue Fertigkeiten zu erwerben, und die Neugierde nach neuem Wissen soll bei den Schülerinnen und Schülern bis zur Sekundarstufe II erhalten bleiben.
Schülerrückgang setzt sich fort
Mit dem Schuljahresbeginn haben jetzt alle Schulen im Kanton Aargau eine Schulleitung. Diese ist zusammen mit den Schulpflegen auch für die Anstellung der Lehrpersonen verantwortlich. Mitte Juli waren an der Volksschule noch 21 Vollzeitstellen offen. Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule im BKS, ist zuversichtlich, dass sämtliche Stellen bis zum Schuljahresbeginn besetzt worden sind. An der Volksschule setzt sich auch dieses Jahr der Schülerrückgang fort: Die Anzahl Abteilungen geht um 31 zurück.
Mehr Lehrverträge abgeschlossen
Die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge hat sich nach einer markanten Steigerung im letzten Jahr (plus 8%) nochmals leicht erhöht (plus 1%). Kathrin Hunziker, Leiterin der Abteilung Berufsbildung und Mittelschule im BKS, führt dies auf die bessere Wirtschaftssituation und das grosse Engagement von Wirtschaft und Kanton für die Berufsbildung zurück. Ab Schuljahr 2007/2008 wird am Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg neu eine Klasse für Büroassistentinnen und -assistenten geführt. Im Rahmen der KV-Reform war die zweijährige Bürolehre abgeschafft und stattdessen unter Anhebung des Niveaus (B-Profil) in die neue dreijährige KV-Lehre überführt worden. Dadurch wurde schwächeren Schülerinnen und Schülern der Zugang in den Bürobereich erschwert. Die neue zweijährige und eidgenössisch anerkannte Ausbildung schliesst nun diese Lücke.
Grosse Belastung für Lehrpersonen und Schulleitungen
Die heutigen Rahmenbedingungen für den Unterricht bedeuten für Lehrpersonen und Schulleitungen eine grosse Belastung. Bildungsdirektor Rainer Huber würdigte in seinen Ausführungen die geleistete grosse Arbeit und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass möglichst bald klare Beschlüsse des Parlaments den Weg frei machen, damit wesentliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen und die Sicherstellung von genügend Stellen im Schulsystem Aargau möglich sind. Er dankte den Lehrpersonen im Namen der Regierung für die grosse Arbeit.