Frühmittelalterlicher Töpferofen im Kastell Kaiseraugst
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Öffentliche Führung am 13. September 2007
Die Kantonsarchäologie Aargau führt im Dorfzentrum von Kaiseraugst eine Rettungsgrabung durch. Bisher sind aus römischer Zeit vorkastellzeitliche Bauresten, Annexbauten an die Rheinthermen und Spuren handwerklicher Tätigkeiten innerhalb der spätantiken Kastellmauern freigelegt worden. Ein neuentdeckter Töpferofen dokumentiert den Übergang von der Antike zum Mittelalter.
Zu den frühesten Funden in Kaiseraugst zählen Holz- und Lehmbauten mit einem Erdkeller. Diese wurden von einem West-Ost verlaufenden Strässlein überbaut. Die Bauten an deren Rand wurde teilweise aus Stein errichtet. Noch vorkastellzeitlich folgte ein grosser Umbau mit einer neuen Thermenanlage. Kastellzeitlich zeugen spätantike Mauern von weiteren Umbauten. Diese enthalten im Fundament vermauerte Architekturstücke (Spolien) von Monumentalbauten, vielleicht vom Thermenabbruch. Ein Ziegelversturz innerhalb dieser späten Bauten zeugt von einer grossflächigen Überdachung. Darunter befinden sich Spuren von Handwerk wohl Schmelzgruben für die Metallbearbeitung. Der Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter wird durch einen neuentdeckten Töpferofen dokumentiert, welcher in den Ziegelversturz eingetieft ist. Die Füllung dieses Ofens enthält Teile der abgebrochenen Ofenkonstruktion und stempelverzierte Keramik des frühen 6. Jahrhunderts. Damit ist nun frühmittelalterliches Handwerk innerhalb der Ruinen des spätrömischen Kastells nachgewiesen.
Ein besonderer Fund ist das ca. 10,5 cm grosse Bruchstück eines Models aus gebranntem Ton mit der Inschrift [
] CENTAURO VEHITUR RA (PTA) (lat. wird vom Kentauren getragen und geraubt), dessen figürliche Darstellung auf die Sage von Herkules hinweist, wonach dessen Gattin Deianeira vom Kentauren Nessos über den Fluss Euenos getragen wird.
Öffentliche Führung am 13. September 2007
In etwa zwei Monaten werden die archäologischen Feldarbeiten abgeschlossen sein. Am Donnerstag, 13. September 2007 um 18.00 Uhr findet eine öffentliche Führung durch die Grabung statt. Interessierte Besucherinnen und Besucher treffen sich vor dem Gasthaus Adler, der Eintritt ist frei.
Dorfkern von Kaiseraugst von der Römerzeit bis heute
Die laufende archäologische Ausgrabung findet im nordwestlichen Viertel des Kastells, heute westlich des Gasthauses Adler, statt. Bereits 1936 wurde hier eine grosse Apsis mit Einfeuerungsraum (Praefurnium) der römischen Thermenanlage angeschnitten. Die jetzigen Untersuchungen umfassen den Zeitraum von der frührömischen Erschliessung bis hin zur mittelalterlichen Nutzung dieses Kastellteiles. Damit kann die Siedlungskontinuität innerhalb des Dorfkerns Kaiseraugst von der Römerzeit bis heute aufgezeigt werden.
Die römische Koloniestadt Augusta Raurica bestand aus einem gesellschaftlichen und religiösen Zentrum rund um das neu eröffnete Theater in Augst und hatte Verbindungsstrassen ins rechtsrheinische Gebiet. Auch parallel zum Rhein gab es einen Verkehrsweg. Um den Kreuzungspunkt dieses Wegs mit der Strasse zur Oberstadt wurde am Übergang vom 3. zum 4. Jahrhundert n. Chr. das spätrömische Kastell Castrum Rauracense gebaut. Es wurde als Grenzgarnison gegen das freie Germanien errichtet, nachdem 270 die Befestigungsanlage (obergermanischer-rätischer Limes) gefallen und damit die römische Reichsgrenze an den Hochrhein zurückgenommen worden war. Es ist das grösste spätrömische Militärkastell der Schweiz.
Fotos zum Thema finden Medienschaffende zum herunterladen auf www.ag.ch/bks/de/pub/mediencenter.php