FH Aargau/Pädagogik: Regierungsrat definiert Profil der neuen Studiengänge
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Ausbildung für Fächergruppenlehrkräfte löst Allrounderausbildung ab
Die Regierung hat die Profile der vier neuen Studiengänge der aargauischen Lehrerbildung definiert. Kennzeichen sind auf Primarstufe eine Fächergruppenausbildung, die Möglichkeit, mit einem Doppeldiplom auf Sekundarstufe I und II zu unterrichten, eine kurze Studiendauer und die verstärkte Gewichtung der musischen, handwerklichen und sportlichen Fächern.
Der Grosse Rat hat letztes Jahr mit der Gesamtkonzeption Lehrerinnen- und Lehrerbildung (GKLL) die Leit-linien der aargauischen Lehrerbildung gelegt und beschlossen, diese in die Fachhochschule (FH) Aargau zu integrieren. Die Umsetzung dieser Vorgaben obliegt dem Regierungsrat und der FH Aargau. Als ersten Schritt hat nun der Regierungsrat auf Antrag der Projektorganisation der FH Aargau die Profile der neuen Studiengänge festgelegt. Ziel ist eine innovative und interkantonal konkurrenzfähige Ausbildung für Lehrpersonen der Stufen Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe I.
Vier neue Studienangebote
In Zukunft werden in der Lehrerbildung vier Studiengänge angeboten, die je in einzelne und durchlässige Ausbildungsbausteine aufgeteilt sind. Sie führen in drei Jahren zu einem Lehrdiplom für den Kindergarten bzw. für die Primarschule und in vier Jahren zum Diplom für die Sekundarstufe I - einer sogenannten Stufenlehrkraft gemäss eidgenössischem Anerkennungsreglement. Zusätzlich wird die Möglichkeit eröffnet, im Anschluss an ein Fachstudium an einer Hochschule ein Doppeldiplom für den Unterricht an der Sekundarstufe I und an der Mittelschule zu erwerben.
Nebst den Grundlagen werden die angehenden Lehrpersonen fachliche, berufsorientierte und wissenschaftliche Schwerpunkte setzen. Die neuen Studiengänge entsprechen den Vorgaben der eidgenössischen Anerkennungsreglemente. Sie sind darauf angelegt, den Studierenden Wahlmöglichkeiten zu eröffnen und auch für Studierende aus anderen Kantonen attraktiv zu sein. Der Beginn ist für 2003 geplant (Kindergartenausbildung: 2004).
Fächergruppenausbildung auf Primarschulstufe
Die Regierung hat auf Empfehlung des Erziehungsrates die Einführung des Fächergruppenprinzips mit einer Lehrberechtigung für rund sechs Schulfächer beschlossen. Entsprechende Weichenstellungen haben ebenfalls der Kanton Zürich und die Innerschweiz getroffen. Angesichts des breiteren und immer anspruchsvolleren Fächerkanons und sich abzeichnenden neuen Aufgaben im Bereich Fremdsprachen und Informatik erachtet der Regierungsrat eine Allrounderausbildung auf der Primarstufe als nicht mehr haltbar. Die Ausbildung in weniger Fächern erlaubt einen deutlichen Qualitätssprung im fachlichen Unterricht und eine stärkere Gewichtung der musischen, handwerklichen und sportlichen Fächer. Obligatorisch bleiben alle Fächer, die auf Primarstufe für die Promotion zählen. Die von ihnen gewählte Fächerkombination sollen die Lehrpersonen über Zusatzqualifikationen einfach erweitern können.
Integration der Berufseinführung als Wettbewerbsvorteil
Der Regierungsrat hat entschieden, die Berufseinführungsphase direkt in die Ausbildung zu integrieren statt an diese anzuhängen. Dieses Konzept verschränkt Theorie und Praxis auf bestmögliche Weise und vermeidet eine weitere Verlängerung der Ausbildungsdauer. Weil es zudem den Studierenden ermöglicht, raschmöglichst ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, dürfte es für die Aargauer Ausbildung im interkantonalen Vergleich einen Wettbewerbsvorteil bedeuten.
Attraktiver Zugang ohne Maturität
Zulassungsbedingung für die Studiengänge für Primar- und Sekundarstufenlehrkräfte ist die gymnasiale Maturität. Personen ohne Maturität müssen eine Aufnahmeprüfung bestehen. Der Regierungsrat stellt fest, dass der Kanton ein grosses Interesse daran hat, dass auch gut qualifizierte Personen ohne Maturität Zugang zur Lehrerausbildung finden. Daher ist vorgesehen, für diese Personengruppe interessante Zugangswege zu eröffnen. Einerseits soll der Weg über die Aufnahmeprüfung mittels Vorbereitungsmodulen erleichtert werden, andererseits sollen spezifisch auf die Bedürfnisse von erfahrenen Berufsleuten zugeschnittene Aufnahme- und Studienformen den Umstieg in den Lehrerberuf attraktiv machen.
Besonderes Gewicht auf musische, handwerkliche und sportliche Fächer
Die kantonalen und eidgenössischen Vorgaben verlangen eine Integration der musischen, handwerklichen und sportlichen Fächer in die übrige schulische Ausbildung. Damit soll die Stellung dieser Fächer im Schulalltag gestärkt werden, was aber zugleich neue Ausbildungsmodelle für Lehrkräfte erfordert. Bisherige Ausbildungen, die nur auf ein einziges dieser Fächer ausgerichtet waren, sind nicht mehr möglich. Im neuen Konzept wird besonderes Gewicht auf vertiefte Ausbildungsmöglichkeiten in musischen, handwerklichen und sportlichen Fächern gelegt. Dank neuen Wahlmöglichkeiten können diese Fächer auch auf Sekundarstufe I vertieft studiert werden. Im Rahmen des Doppeldiploms kann die Spezialisierung sogar in einem einzigen Fach erfolgen.
Attraktives Doppeldiplom Sekundarstufe I und II
Als besonders attraktiv dürfte sich die Möglichkeit erweisen, ein Doppeldiplom zu erwerben. Aufbauend auf dem Fachstudium an einer Hochschule können Studierende in drei Semestern, die zudem teilweise während des Studiums absolviert werden können, ein Diplom erwerben, das sowohl für den Unterricht auf Sekundarstufe I wie auch auf Mittelschulstufe qualifiziert.