Erziehungsrat äussert sich zur neuen Lehrerbildung
:
Ausbildung für Fächergruppenlehrkräfte soll Allrounderausbildung ablösen
Der Erziehungsrat des Kantons Aargau äussert sich zum neuen Ausbildungskonzept der Lehrerbildung. Als zukunftsweisendes Modell empfiehlt er auf der Primarstufe die Einführung einer Fächergruppenlehrkraft.
Die Planung der künftigen Pädagogischen Fachhochschule läuft auf Hochtouren. Im Anschluss an das vom Grossen Rat am 31. Mai 2000 verabschiedete Gesamtkonzept Lehrerbildung liegt nun eine neue, detaillierte Ausbildungsplanung vor. Der Erziehungsrat hat an seiner Januarsitzung zu zentralen Punkten Stellung genommen.
In Zukunft werden in der Lehrerbildung vier Studiengänge angeboten, die je in einzelne und durchlässige Ausbildungsbausteine aufgeteilt sind. Sie führen zu einem Lehrdiplom für den Kindergarten, für die Primarschule, für die Sekundarstufe I und zu einem Doppeldiplom für die Oberstufe und Mittelschule. Inhaltlich sind die Lehrgänge in die drei Studienbereiche Sprache und Kommunikation, Natur und Technik sowie Individuum und Gesellschaft aufgeteilt. Nebst den Grundlagen werden die angehenden Lehrpersonen fachliche, berufsorientierte und wissenschaftliche Schwerpunkte setzen. Weitere Eckpunkte der neuen Ausbildung sind die hohe Gewichtung der berufspraktischen Ausbildung schon während des Studiengangs und die vertieften Ausbildungsmöglichkeiten in künstlerischen und sportlichen Fächern.
Die bisherige Planung sieht auf der Primarstufe eine Allrounderausbildung vor. Der Erziehungsrat spricht sich neu für die Einführung einer Fächergruppenlehrkraft mit einer Lehrberechtigung für rund sechs Schulfächer aus. Angesichts des breiteren und immer anspruchsvolleren Fächerkanons erachtet der Erziehungsrat die Allrounderausbildung auf der Primarstufe als nicht mehr zeitgemäss. Die Anforderungen an eine Primarlehrkraft haben durch die heterogene Schülerschaft und durch neue zusätzliche Aufgaben in der Schulentwicklung stark zugenommen. In naher Zukunft werden ausserdem anspruchsvolle neue Fachbereiche wie Fremdsprachen und Informatik hinzukommen. Um den Beruf attraktiv zu behalten und genügend Interessierte für die Ausbildung zu gewinnen, sind grössere Änderungen notwendig. Die Ausbildung in weniger Fächern erlaubt einen deutlichen Qualitätssprung im fachlichen Unterricht, der den Kindern und Jugendlichen zugute kommt. Dem Erziehungsrat ist bewusst, dass sich durch die eingeschränkte Lehrberechtigung zukünftiger Primarlehrkräfte den kleineren Gemeinden organisatorische Probleme stellen können. Er ist jedoch überzeugt davon, dass sich auch im Einzelfall Lösungen finden lassen.
Die fachliche Beschränkung auf sechs Schulfächer ermöglicht die Integration der Berufseinführung in die drei- und vierjährige Ausbildungsgänge. Durch die Berufseinführung während der Ausbildung werden Theorie und Praxis optimal miteinander verknüpft. Damit wird eine Ausbildungsverkürzung erreicht, welche die Standortattraktivität der Fachhochschule Aargau im Vergleich zu anderen Pädagogischen Hochschulen besonders fördert. Auch das Doppeldiplom für die Sekundarstufen I und II, welches als Lehrberechtigung für Oberstufe und Gymnasium gilt, könnte sich als Anziehungspunkt erweisen.