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Ein komplexer Römerbau in der Nordwest-Unterstadt von Augusta Raurica :
Bei Notgrabungen in Kaiseraugst stiessen die Archäologen auf Teile der Handwerkervorstadt

Die Kantonsarchäologie Aargau führt in Kaiseraugst "Auf der Wacht" eine Rettungsgrabung durch. Es wurden streifenförmige Parzellen der römischen Unterstadt angeschnitten. Bisher sind Reste eines komplexen Gebäudes mit Mörtelgussböden, einer Fussbodenheizung und Bruchstücke bemalter Wände freigelegt worden. Diese entsprechen nicht dem bisher hier gekannten Standard.

Die römische Koloniestadt Augusta Raurica kann in zwei Siedlungsgebiete, eine Ober- und eine Unterstadt, unterschieden werden. In der Oberstadt lag das gesellschaftliche und religiöse Zentrum und die Wohnquartiere der besser gestellten Bewohner. Die Unterstadt wies bescheidenere Wohnhäuser und Gewerbebetriebe auf. Sie wurde bei der Landnahme von den römischen Siedlungsplanern in schmale, streifenförmige Parzellen unterteilt. Diese wurden in der Regel mit Reihenhäusern, deren Schmalseiten an eine Quartierstrasse stiessen, überbaut. Diese Gebäudekomplexe hatten meist Hinterhofbereiche, in denen Sodbrunnen oder Zisternen, Keller- und Abfallgruben sowie Latrinen zu finden waren.

Die laufende archäologischen Ausgrabung liegt in einem Unterstadtquartier. Es wurde ein Gebäudekomplex angeschnitten, der über mehrere Streifenparzelle hinausgreift und für bisherige Nordwest-Unterstadt-Verhältnisse ungewöhnlich gut ausgestattet ist.

Ein hypokaustierter Raum (Fussbodenheizung) mit einem dazu gehörenden Präfurnium (Einfeuerung) sowie viele in satten Farben bemalte Wandverputzstücke deuten auf einen gewissen Wohlstand der Bewohner hin. Auch eine Küche mit ebenerdiger Herdstelle ist freigelegt worden.

Für die Trinkwasserversorgung wurde ein mindestens zwölf Meter tiefer Sodbrunnen gebaut. Die oberen sieben Meter sind als Trockenmauerwerk konstruiert und der untere Teil ist in den Fels hinein gehauen worden. In der Verfüllung wurde vor allem viel Keramik und Tierknochen, aber auch knöcherne Näh- und Haarnadeln, Spielsteine, sowie Bruchstücke eines Gesichtsgefässes gefunden. Weitere im Gebäudeinnern gemachte Funde wie bronzene Gewandschliessen, Bronze- und Silbermünzen, gläserne Gefässe sowie aus Gallien (Frankreich) importiertes Tafelgeschirr lassen einen gut situierten Handwerksmeister oder Kaufmann als Bewohner vermuten.

Unter dem bis in die Mitte des dritten Jahrhunderts genutzten Gebäude kamen ältere Strukturen und eine weitere Küche von Vorgängerbauten zu Tage.

In etwa drei Monaten werden die archäologischen Feldarbeiten abgeschlossen sein. Am Donnerstag, den 14. September 2006, um 17.30 Uhr findet eine öffentliche Grabungsführung statt. Interessierte Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport