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Ehemalige Richtstätte in Lenzburg entdeckt :
Knochenfunde an der Aarauerstrasse geklärt

Im vergangenen Herbst kamen bei Gartenbauarbeiten an der Aarauerstrasse in Lenzburg mehrere menschliche Skelette zum Vorschein. Nun ist klar: es handelt sich dabei um die Gebeine von im 15. oder 16. Jahrhundert Hingerichteten.

Am 12. Oktober 2007 kamen bei Aushubarbeiten für eine Gartenmauer auf der Baustelle Aarauerstrasse 8 in Lenzburg menschliche Knochen zum Vorschein. Die Bauherrin informierte die Kantonspolizei über den Fund, welche die Fundstelle umgehend in Augenschein und die Funde in Obhut nahm. Erst durch einen Artikel in der Aargauer Zeitung vom 23. November 2007 erhielt die Kantonsarchäologie Kenntnis von diesem Fund.

Alemannen oder ganz andere Zeitgenossen?

Da in der Umgebung der Fundstelle mehrere frühmittelalterliche Gräber bekannt sind, vermutete die Kantonsarchäologie zuerst, es könnte sich bei den gefundenen Gräbern ebenfalls um frühmittelalterliche (alemannische) Bestattungen handeln. Die von den Findern geschilderte Lage der Knochen schien durchaus in diese Zeit zu weisen.

Um Klarheit über das Alter der Funde zu erlangen, veranlasste die Kantonsarchäologie eine Radiokarbon-Datierung (C14-Methode) der Knochen. Die Altersbestimmung ergab jedoch keine eindeutigen Resultate. Mehr Erkenntnis brachten erst die Grabungen anlässlich der zweiten Etappe der Gartenbauarbeiten Anfangs März 2008. Eine Equipe der Kantonsarchäologie konnte sieben weitere Bestattungen freilegen und untersuchen. Den bislang zuverlässigsten Hinweis auf das Alter der Gräber gibt eine bei einem der Skelette gefundene kleine bernische Silbermünze, ein sog. Brakteat, aus dem 15. oder 16. Jahrhundert.

Gefesselt, hingerichtet und verscharrt

Die im März 2008 freigelegten Skelette gaben nun auch Aufschluss über die Natur der Begräbnisstätte: Bei den Bestatteten handelt es sich eindeutig um Hingerichtete. Die abgetrennten Schädel der Toten fanden sich achtlos in die Grabgrube geworfen auf und neben den Skeletten. Deutliche Hieb- oder Schnittspuren an den Halswirbeln belegen die Hinrichtung durch das Richtschwert. Aufgrund der Bein- und Armhaltung der Skelette kann davon ausgegangen werden, dass zumindest einige der Getöteten bei ihrer Hinrichtung gefesselt waren. Einigen Bestatteten waren kurz vor oder nach dem Tod die Beine gebrochen worden, auch dies ein deutliches Zeichen des nicht gerade respektvollen Umgangs. Weshalb diese Menschen offenbar gleichzeitig oder in kurzer Folge nacheinander hingerichtet und begraben wurden, ist unbekannt.

Eine bislang unbekannte Richtstätte?

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurden Hingerichtete üblicherweise unmittelbar bei der Richtstätte begraben. Die historisch überlieferte Richtstätte der Stadt und des Amtes Lenzburg befand sich bei Fünflinden, ebenfalls an der nach Aarau führenden Landstrasse ca. einen Kilometer westlich der Fundstelle. Erste Recherchen erbrachten bislang keinen schriftlichen oder bildlichen Hinweis zu einem näher an der Stadt gelegenen Hochgericht. Insofern wirft dieser Fund ein neues Licht auf ein anscheinend vergessenes und wenig ruhmreiches Stück Stadtgeschichte von Lenzburg.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport