Die FHA Soziale Arbeit an der Welt-Aids-Konferenz in Bangkok
:
Präsentation einer Untersuchung zur Aids-Prävention
Forschende der FHA Soziale Arbeit in Brugg haben das Schutzverhalten von heterosexuellen Männern in der Schweiz untersucht. Sie stellen ihre Arbeiten an der Welt-Aids-Konferenz vor, die vom 11. bis 16. Juli 2004 in Bangkok stattfindet.
Seit einigen Jahren erfolgt die Mehrzahl der HIV-Infektionen in der Schweiz und Europa auf dem heterosexuellen Übertragungsweg. Dies war für Daniel Gredig, Anne Parpan und Sibylle Nideröst, die an der FHA Soziale Arbeit tätig sind, Grund genug, das Schutzverhalten von heterosexuellen Männern zu erforschen. Ziel der Untersuchung war es, Grundlagen für die HIV-Prävention in der Schweiz und in Europa zu liefern.
Die Arbeiten des Forschungsteams der FHA Soziale Arbeit, wo sozialwissenschaftliche Aids-Forschung einen Schwerpunkt bildet, fanden internationale Beachtung. Die Forschenden sind eingeladen worden, die Resultate ihrer Untersuchung an der Welt-Aids-Konferenz von nächster Woche in Bangkok zu präsentieren. In drei Präsentationen werden sie ihre Ergebnisse einem internationalen Fachpublikum aus Wissenschaft und Praxis erörtern.
Das zuverlässigste Mittel gegen eine HIV-Infektion im Rahmen von sexuellen Erst- oder Gelegenheitskontakten ist das Kondom. Ein weltweit erprobtes und bewährtes Modell zur Erklärung des Kondomgebrauchs besagt, dass Menschen dann ein Kondom zu ihrem Schutz einsetzen, wenn sie zuvor eine entsprechende Absicht aufgebaut haben. Diese Absicht wird von drei Faktoren bestimmt. Der erste Faktor ist die Einstellung zum Kondom. Der zweite Faktor ist die subjektive Norm, das heisst die Vorstellung, dass Bezugspersonen erwarten, dass in dieser Situation ein Kondom eingesetzt wird. Der dritte Faktor ist die wahrgenommene Verhaltenskontrolle, also die Vorstellung, ein Kondom zu handhaben und im entscheidenden Moment durchsetzen zu können.
Das Forscherteam der FHA Soziale Arbeit in Brugg hat dieses Erklärungsmodell, das "theory oft planned behavior" genannt wird, für die Männer in der Schweiz in einer vom Nationalfonds unterstützten Untersuchung bestätigt und weiterentwickelt. Sie konnten aufzeigen, dass der Kondomgebrauch wesentlich besser erklärt werden kann, wenn die somatische Kultur der untersuchten Männer als erklärender Faktor mit einbezogen wird. Dabei steht die somatische Kultur für die allgemeinen Wahrnehmungs-, Orientierungs- und Handlungsmuster gegenüber dem Körper.
Dieses erweiterte Erklärungsmodell liefert neue Ansatzpunkte für eine HIV/Aids-Prävention bei Männern. Dies ist angesichts der Zahl von Infektionen, die jedes Jahr entdeckt werden, von Bedeutung - mit Blick auf die Schweiz, Europa und die übrige Welt, in der von über 40 Millionen Menschen mit HIV oder Aids auszugehen ist.