Der Rückbau der Sondermülldeponie Kölliken wird bis 2012 realisiert
:
Medienmitteilung des Konsortiums "Sondermülldeponie Kölliken"
Die grösste zurzeit bekannte Altlast der Schweiz, die Sondermülldeponie im aargauischen Kölliken (SMDK), soll bis im Jahr 2012 rückgebaut und definitiv saniert werden. Die Kosten für den aufwändigen Rückbau werden auf etwa 350 Mio. Franken geschätzt. Nach rund vier Jahren Vorbereitungszeit soll 2006 mit dem Rückbau der Deponie begonnen werden. Die Kosten werden vom Deponie-Konsortium getragen, an dem die Kantone Aargau und Zürich (je 41 2/3 %), die Stadt Zürich und die Basler Chemie (je 8 1/3 %) beteiligt sind.
Den Weg frei gemacht für eine nachhaltige Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken bei einigermassen vertretbarem Aufwand hat nicht zuletzt die gelockerte Praxis des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) bei der Ausfuhr von Sonderabfällen in vertrauenswürdige Behandlungsanlagen in das benachbarte Ausland. Es erfolgt kein Export von Sondermüll in strukturell schwächere Länder (Zweit- und Drittweltländer). In der Schweiz reicht die Kapazität der Anlagen für eine Entsorgung in vertretbarem Zeit- und Kostenrahmen nicht aus.
Die Basis für die bevorstehende Totalsanierung der Sondermülldeponie Kölliken wurde bereits 1999 mit einem internationalen Studienwettbewerb gelegt, wie das Konsortium am Montag an einer Medienorientierung in Kölliken bekannt gab. Ge-stützt auf den Vorschlag einer internationalen Expertenjury waren vier der insgesamt 63 Wettbewerbsteilnehmer mit der Erarbeitung einer Studie beauftragt worden. Alle vier der bis im Frühjahr 2001 abgegebenen Studien sehen den vollständigen Rückbau des Deponiekörpers und den Transport in externe Behand-lungsanlagen (Bodenwaschanlagen, Verbrennungsöfen usw.) vor. Als beste Studie wurde von der internationalen Expertenjury der Vorschlag der österreichischen Ingenieurgruppierung ASA/GUT ausgewählt. Bis Ende Jahr wird sie ihren Vorschlag unter Einbe-zug der positiven Elemente aus den übrigen Studien vervollständigen.
Risiko-Management hat höchste Priorität
Das Rückbau-Szenario sieht einen kleinräumigen, abschnittweisen Rückbau des Deponiekörpers im Schutze einer luftdicht abgeschlossenen Halle vor. Dabei sollen die Gebinde (Fässer/Plastikkübel/Säcke) möglichst intakt geborgen und in einen transportfähigen Zustand gebracht werden. In einer Triage-Halle werden die Abfälle analysiert, sortiert, wo nötig stabilisiert und in geschlossene Spezialcontainer umgefüllt.
In einem Zwischenlager werden diese Container zu Transporteinheiten zusammen-gestellt und anschliessend der externen Behandlung in dafür qualifizierte technische Anlagen zugeführt. Der Abtransport soll mehrheitlich per Bahn erfolgen. Dazu ist die Erstellung einer Bahnverlade-Anlage in unmittelbarer Nähe der Deponie vorgesehen.
Dem Risiko-Management wird dabei höchste Priorität eingeräumt. Um die Kölliker Bevölkerung in den angrenzenden Wohnzonen vor Emissionen zu schützen, sind für alle Arbeitsbereiche dichte, im Unterdruck stehende Hallen vorgesehen, deren Abluft abgesaugt und behandelt wird. Die Arbeiten selber müssen durch Spezialisten in Vollschutz-Ausrüstung ausgeführt werden.
Wie weiter?
Die bis Ende 2001 vorliegende bereinigte Sanierungs-Studie bildet die Basis für die im kommenden Jahr geplante Ingenieur-Submission für das definitive Sanierungsprojekt. Die Prüfung durch die Aufsichtsbehörden sowie die öffentliche Auflage des Bauprojekts wird nach heutigen Schätzungen Mitte 2004 abgeschlossen sein. Mit dem eigentlichen Rückbau kann frühestens im Frühjahr 2006 begonnen werden; er soll bis im Jahr 2012 abgeschlossen sein.
Die Sondermülldeponie Kölliken wurde 1978 in einer alten Tongrube der Ziegelei Keller am westlichen Dorfrand von Kölliken mit dem Ziel eröffnet, eine Massnahme gegen wilde und unzweckmässige Deponien im Lande zu treffen. Die am Rande eines Grundwasserstromes liegende Deponie wurde wegen umweltrelevanter Emis-sionen vom Gemeinderat bereits 1985 wieder geschlossen. Seit dieser Zeit sind keinerlei Abfälle mehr deponiert worden. Vor 1985 wurden in der Deponie rund 350'000 Tonnen Sonderabfälle eingelagert. Seit der Schliessung der Deponie sind für die Sicherung des Deponiekörpers und den Schutz der Umwelt (Grundwasser/ Luft) bereits rund 120 Mio. Franken investiert worden.
Basis für den Deponierückbau bilden die sich zurzeit im Bau befindenden Grundwasserschutzbauten südlich der Deponie (Abschirmung Süd). Die hydraulische Massnahme einer Drainagewand mit begehbarem Fussstollen, in dem das aus der Deponie austretende kontaminierte Wasser gesammelt werden kann, wird bis Herbst 2002 fertig erstellt. Auf die für später vorgesehene Dichtwand am Südrand der Deponie kann bei einem Rückbau der Deponie voraussichtlich verzichtet werden.