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Der Doyen des Obergerichts nimmt Abschied :
Oberrichter Gottlieb Iberg tritt in den Ruhestand

Mehr als 35 Jahre sind es her, als der Grosse Rat den Badener Gottlieb Iberg im Alter von 29 Jahren ins Obergericht gewählt hat. Von Beginn an war Gottlieb Iberg im Verwaltungsgericht tätig und blieb diesem bis zu seinem letzten Arbeitstag Ende Mai dieses Jahrs treu.

Er fühle sich zunächst als Verwaltungsrichter und dann als Oberrichter, pflegte er halb scherzend zu sagen, und offenbarte damit, dass der Materie des Verwaltungsrechts seine uneingeschränkte Zuneigung galt. Er präsidierte während fast dreieinhalb Jahrzehnten die Steuerkammer des Verwaltungsgerichts und zudem war er während einer Amtsperiode Präsident des Obergerichts.

Bei seinem Amtsantritt verfügte Gottlieb Iberg bereits über vielfältige juristische Berufserfahrungen: Seinen Studienabschluss an der Universität Zürich ergänzte er mit einem einjährigen Weiterbildungsaufenthalt in den USA, war danach Mitarbeiter im Anwaltsbüro des späteren Regierungsrats Louis Lang und erwarb in der Rechtsabteilung des Baudepartements als juristischer Adjunkt weitere Praxiskenntnisse. Nach der Patentierung zum aargauischen Fürsprecher wurde er 1972 zum Staatsanwalt des Kantons Aargau und nur ein knappes Jahr später zum Oberrichter gewählt. Dieses Amt trat er im Sommer 1973 an.Gottlieb Iberg war Richter aus Berufung. Seine geistige Brillanz, sein hohes logisches Denkvermögen, seine überdurchschnittlichen analytischen Fähigkeiten, sein präzises Ausdrucksvermögen, aber auch seine menschliche Haltung und sein Gerechtigkeitssinn machten ihn zu einer grossen Richterpersönlichkeit.

Er liebte seine Arbeit und stellte dabei hohe Ansprüche an sich selbst und an die Qualität der Rechtsprechung. Und wie im Beruf ging und geht er auch seinen vielfältigen privaten Interessen mit Akribie und Leidenschaft nach. Gottlieb Iberg ist Weinkenner par excellence, er liebt die klassische Musik , den Jazz und das Theater. Dazu ist er ein begnadeter Schachspieler und ein begeisterter Jasser und Skatspieler.

Das aargauische Obergericht hat Gottlieb Iberg viel zu verdanken und verliert mit dessen Abschied aus dem Berufsleben nicht nur den mit Abstand amtsältesten Richter, sondern vor allem einen fachlich höchst kompetenten, engagierten, sozial denkenden und menschlichen Kollegen.

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