Hauptmenü

Alle Medienmitteilungen

Der Aargau will in die Bildung investieren :
Start der Vernehmlassung zur Reformvorlage "Bildungskleeblatt"

Eine frühere Einschulung, Tagesstrukturen im ganzen Kanton, eine durchlässige Oberstufe ohne Realschule und mit einem Elitegymnasium sowie eine auf die soziale Belastung der einzelnen Schule abgestimmte Pensenzuteilung bilden die vier Teile der geplanten Reform der Aargauer Volksschule namens "Bildungskleeblatt". Der Regierungsrat hat am Freitag den entsprechenden Planungsbericht in die Vernehmlassung geschickt.

Der Regierungsrat des Kantons Aargau will in die Bildung investieren. Damit soll die Schule Aargau den heutigen Anforderungen angepasst und die Attraktivität des Standorts Aargau für junge Familien und die Wirtschaft erhöht werden. Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen für die Lehrpersonen und die Schülerinnen und Schüler verbessert. Die Regierung ist bereit, hierfür jährlich gegen 200 Millionen Franken mehr für die Volksschule aufzuwenden. Das unter dem Namen "Bildungskleeblatt" laufende Reformvorhaben umfasst vier Teile.

Schuleintritt im fünften Altersjahr

Der Schuleintritt erfolgt im fünften Altersjahr. Alle Kinder lernen und spielen in altersgemischten Lerngruppen. Auf Einschulungs- oder Kleinklassen wird verzichtet. Zwei Lehrperson mit insgesamt 150 Stellenprozenten erteilen den Unterricht. Sie fördern die Kinder individuell, alters- und entwicklungsgerecht. Dabei wird berücksichtigt, dass Kinder in diesem Alter die höchste Lernleistung im Leben haben. Deshalb dürfen die Kinder bereits ab dem ersten Schultag lesen, schreiben und rechnen. Die Primarschule dauert mit dieser Eingangsstufe neu insgesamt acht Jahre. Je nach Leistungsfähigkeit kann ein Kind diese schneller oder auch langsamer durchlaufen.

Oberstufe mit Niveaugruppen

Die um ein Jahr verkürzte dreijährige Volksschul-Oberstufe wird mit Niveaugruppen durchlässiger. Der Regierungsrat schlägt zwei Schultypen und in drei Fächern Niveaus mit je drei Leistungsstufen vor. Je rund die Hälfte der Primarschülerinnen und -schüler wird dem berufsvorbereitenden (B) beziehungsweise dem maturitätsvorbereitenden Schultyp (M) zugeteilt. In Mathematik, Englisch und Französisch erfolgt zudem eine Zuteilung in ein Niveau mit allgemeinen (a), erweiterten (e) oder progymnasialen (p) Anforderungen. Je nach individueller Entwicklung können die Schülerinnen und Schüler an zwei oder drei Terminen pro Jahr die Niveaustufe und/oder den Schultyp wechseln. Über- und Unterforderungen können damit weitgehend vermieden werden.

Elitegymnasium für die Besten

Die leistungsfähigsten Jugendlichen des Kantons haben nach der Primarschule die Möglichkeit, sich um die Aufnahme in das Elitegymnasium zu bewerben. Dieses Angebot ist in der Schweiz bisher einzigartig. Die besten drei Prozent eines Schülerjahrgangs können davon profitieren. Sie werden auf allerhöchstem Niveau auf ein Studium an einer Universität vorbereitet.

Flächendeckende Tagesstrukturen

Die Aargauer Regierung möchte zudem im ganzen Kanton ein bedarfsgerechtes Angebot an Tagesstrukturen bereitstellen. Der Aargau ist der erste Kanton der dieses Angebot flächendeckend einführen will. Die Kinder der Primar- und der Oberstufe werden von morgens sieben bis abends sechs Uhr unter der Verantwortung der Schule gefördert, betreut, verpflegt und unterrichtet. Das zusätzliche Förder- und Betreuungsangebot ist für die Kinder und Jugendlichen freiwillig. Die Eltern werden einkommensabhängig an den Kosten beteiligt. Kanton und Gemeinden tragen die restlichen Kosten. Mit den Tagesstrukturen kann der Schulerfolg der Kinder und Jugendlichen erhöht werden. Die Eltern können sowohl Kinder haben als auch einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Pensenzuteilung nach Sozialindex

Die bisherige einheitliche, für alle Schulen gleiche Pensenzuteilung, wird durch ein neues, vereinfachtes System ersetzt. Bei der Zuteilung der Lektionenzahl für eine Schule werden die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Schulorts berücksichtigt. Eine für alle Gemeinden geltende Pauschale pro Schüler wird mit dem Sozialindex des Orts multipliziert. Dieser variiert zwischen 1,0 für unbelastete und 1,4 für stark belastete Gemeinden. Den Gemeinden werden somit bis zu 40 Prozent mehr Lektionen zugeteilt. Dadurch können belastete Schulen zum Beispiel zusätzlichen Sprachunterricht anbieten oder kleinere Klassen bilden. Damit kann die Chancengerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen erhöht werden.

Zusätzliche Stellen für Lehrpersonen

Mit den zusätzlichen Unterrichtspensen für die Eingangsstufe, der Reduktion der maximalen Schülerzahl pro Abteilung und dem neuen System der Lektionenzuteilung werden trotz starkem Rückgang der Schülerzahlen mehr Stellen für Lehrpersonen nötig sein als im Schuljahr 2005/06.

Wettbewerbsfähigkeit steigern

Mit den geplanten pädagogischen und strukturellen Änderungen will der Kanton Aargau seine nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern und seine Wirtschafts- und Innovationskraft stärken. Der Ausbildungstand und der Wohlstand der Bevölkerung hängen zusammen. Eine leistungsfähige Volksschule legt die Grundlage für eine gesunde, leistungsfähige Gesellschaft. Die Einführung der Reformen soll mit dem Schuljahr 2010/11 beginnen.

Die Frist der öffentlichen Vernehmlassung läuft bis zum 15. März 2007. Weitere Informationen unter www.ag.ch/bildungskleeblatt. Am Samstag, 16. Dezember 2006, findet um 9 Uhr im Trafo Baden eine Informationsveranstaltung für Lehrpersonen und schulnahe Kreise statt.

  • Departement Bildung, Kultur und Sport
  • Regierungsrat